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Der Israelit · 1900-03-15 · Heft 22 (15.3.1900) · page 36

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 22 (15.3.1900)
Date
1900-03-15
Page
– (sequence 36)
Language
German
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WWWWWWWWW WWW» 80 werden dort leicht an vier Finger breit, und zu welcher Grösse die Hirse- und Sesamstaude wächst, ist mir zwar ebenfalls bekannt, ich will es aber lieber gar nicht sagen, denn ich weiss recht gut, wer nicht in Babylonien gewesen ist, glaubt schon das nicht, was ich von den Früchten gesagt habe: .... Was mich aber die grösste Merkwürdigkeit dünkt in dem Lande, das will ich gleich erzählen; ich meine ihre Fahrzeuge, auf welchen sie den Fluss hinab nach Babylon fahren; dieselben sind rund und alle von Leder. Nämlich in der Armenier Land, das oberhalb Assyrien liegt, schneiden sie Weiden ab und machen daraus des Schiff s Bauch, und darüber spannen sie Felle aus zur Decke wie ein Estrich, aber Schnabel und Spiegel machen sie nicht, sondern alles ist rnnd wie ein Schild. Sodann füllen sie dieses ganze Fahrzeug mit Stroh und bringen ihre Ladung hinein, und dann geht es den Fluss hinunter. Meist haben sie Fässer mit Palmwein geladen Gelenkt wird es durch zwei Männer und zwei Ruder, die stehen aufrecht, der Eine zieht an, der Andere stösst ab. Dergleichen Fahrzeuge machen sie von verschiedener Grösse; die allergrössten tragen wohl eine Last von fünftausend Pfund. Auf einem jeden ist ein lebendiger Esel, auf den grossem wohl mehr als einer. Wenn sie nun auf ihrer Fahrt nach Babylon gekommen und ihre Waaren los sind, so bieten sie auch des Schiffes Bauch und alles Stroh feil, die Felle aber packen sie auf die Esel, und so treiben sie sie heim nach Armenien. Denn den Fluss hinauf kann man durchaus nicht fahren, weil er so reissend ist, und eben desswegen machen sie ihre Fahrzeuge nicht aus Holz, sondern von Leder. Sind sie nun mit ihren Eseln in Armenien angelangt, so machen sie sich andere Fahrzeuge auf dieselbe Art.“ Welch’ eine Wandlanghat Mesopotamien in fast zweitausend vierhundert Jahren durchmachen müssen. Und doch hat sich in all’ diesem Wandel der Schiffsbau aus Fellen erhalten: Moltke fuhr 1838 auf einem Fahrzeug aus Hammelfellen von Diarbekir den Tigris hinunter; wir werden weiterhin hören, wie er seine Fahrt schildert. Von der Blüthe Mesopotamiens im Alterthnm liegen viele Zeuguisse vor, auch ungeschriebene, die jedem Missverständniss entrückt sind. Schon dass auf ganz engem Raume nacheinander die antiken Grossstädte Babylon, Seleucia und — am Tigris weiter stromaufwärts — Nini weh gelegen haben, ist eine Tnatsache, die die Blüthe des heute so traurig darniederliegenden Landes in allen Zeiten beweist. In Mesopotamien nebst Egypten liegen die Wurzeln aller antiken Kultur, und damit auch der heutigen. Verlegt man den sagenhaften Anfang der griechischen Geschichte mit dem Zuge gegen Troja in's Ja kr 1193 der gew. Zeitrechnung, so muss damals Babylon schon ein Alter von fast,zweitau send Jahren gehabt haben. 690 vor der bürg Zeitrechnung wurde Babylon zerstört, aber es blieb noch so viel übrig, (lass Alexander der Grosse es wieder in ursprünglicher Pracht hat herstellen wollen. Dieser Pracht hat nur das Rom der Kaiserzeit etwas Aehnliches an die Seite zu stellen. Herodot, der die Stadt etwa 240 Jahre nach ihrer Zerstörung sah, spricht von ihr gar nicht wie von einem Trümmerhaufen, sondern wie von einer blühenden Grosssiadt; „Babylon liegt in einer grossen Eb me und ist ein Viereck, und jegliche Seite desselben beträgt hundertzwanzig Stadien; das macht im Ganzen einen Umkreis von 480 Stadien. Keine Stadt ist so prächtig gebaut, soviel wir wissen.“ Ein Stadion war 164 bis 192 Meter. Nehmen wir auch nur das kl-inste Mass, so würde Babylon einen Umfang von 78,7 Kilometer gehabt haben. Jede Seite wäre dann etwa 8,8 Kilometer oder l1^ deutsche Meilen lang gewesen. Herodot berichtet von der Einnahme Babylons durch den Perserkönig Kyros (Cyrus) um 539: „Die Stadt aber ist so gross, dass, wie die Leute der Gegend erzählen, die äussersten Theile der Stadt schon in Feindes Hand waren, und die Babylonier, welche in der Mitte der Stadt waren, wussten noch gar nichts davon, sondern tanzten; denn sie feierten gerade ein Fest, und waren lustig und guter Dinge, bis sie dann zu ihrem Schrecken von dem Geschehenen Kenntniss erhielten.“ (Fortsetzung folgt) Briefkasten. Ij. A. in B. Die von Ihnen s. Z. gesandten 2 M. waren bereits in Nr. 701 und 702, Beilage zum „Israelit“ 1899, Nr. 49 veröffentlicht. An Ihren Wunsch betreffs der Anonvmität wollen Sie mich gefälligst hei der nächsten Sendung nochmals erinnern, da ich sonst daran vergessen könnte. — T. in Lj. Lassen Sie im Interesse der Nothleidenden in p"riN niemals mehr eine solch’ lange Zwischenpause eintreten, sondern senden Sie gtttigst mindestens halbjährlich das ,“6n-Geld und die sonstigen Spenden für Palästina ein. A. Bf in UniHlaw. 15.85 M. am 28. Dezember v. J. erhalten, und ganz nach Angabe verwendet. Herren I aak Kirclihanseii in Schlüchtern, H. 1*1 ey her ff in Hatttnffen (Ruhr), I. Dreifugs in Eberbach, Frau K. Daniel in Saarwellinffen und <2. fj«ewenberff in Wilnsdorf. Die Ihnen zugesandten Drucksachen sind mit der Postbemerkung: „Adressat (bez. Adressatin) in . . . unbekannt“, zurückgekommen, und bitte ich Sie darum um baldgefällige genaue Mittheilung Ihres gegenwärtigen Domicils. % Druck der Job. Wirth'sehen Hofbuchdruckerei Actien-Geselischaft, Mainz.

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