Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 22 (15.3.1900)
- Date
- 1900-03-15
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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456 seinem Besitz war. Da wurde sein Brüderchen krank. Oft sah es die Mutter weinen, und einmal hörte es sie sagen, daß Zedokah vom Tode errette. Einmal hielt es mich lange in der Hand, betrachtete mich liebevoll und schon reifte ein Entschluß in seiner Seele: Wenn es den Kreuzer in die Zedokoh-Büchse wirft, wird gewiß das Brüderchen wieder gesund werden. Gedacht, gethan. Eilends schlich es sich zur Büchse, sah sich nach allen Seiten um, ob auch Niemand es sähe, und: „Lieber Gott, laß mein Brüderchen bald gesund werden," hörte ich es noch bitten --- da lag ich schon in der Büchse und denke immer an das herzige, kleine Mädchen, dem ich ein größerer Schatz war, als Du Silberthaler bist." „Ich bin zwar auch nur ein unscheinbares Fünfpfennigstück," ließ da ein solches sich vernehmen, „aber wenn ich Euch sage, wo ich herkomme, müßt Ihr auch vor mir Respect haben. Einem alten, vor Noth gebeugten Mütterlein gehörte ich. Einen einzigen, heißgeliebten Sohn hat sie, der ihr von all ihren Kindern am Leben geblieben ist, und der ist in weiter Ferne. Sie bringt das Opfer, ihn zu missen, damit er auf der Jeschiba „lernen" soll, damit er so groß >verde in der heiligen Thora, tvie sein Bater es war. Diesem Wunsch gilt das Sehnen ihres Herzens, und ihre schwachen Hände mühen und plagen sich und schaffen Tag und > Nacht, um das Nöthigste für das Kind und sich zu er- J ringen. ..Lieber Gott, laß meinen Einzigen gesund und fromm sein und einen großen Ben-Thora werden," hörte ich sie seufzen, als ihre zitternde Hand mich in die Büchse fallen ließ." „Und ich".„Und ich," schrie es da aus einmal durcheinander. Jede Münze bekam auf einmal Lust, ihre Geschichte zu erzählen. Es war aber auch zu schön, einmal einem Stolzen zu zeigen, wie wenig an ihm ist. Dem Tbaler wurde auch schon ganz jämmerlich zu Mut he. „Wir," machte eine Münze sich zur Sprecherin für viele, „ach mir haben Trauriges gesehen. Wir sahen in einem Hause viel Weinen und Schmerz, denn dort stand diese Büchse, weil der Vater des Hauses gestorben war. Und alle Leute, die uns hineinwarfen, sprachen davon, lvie ein Edler, Großer der Verstorbene gewesen, wie viel Armen er geholfen, wie viel Noth er gestillt hatte. Und dies leuchtende Beispiel von thätiger Menschenliebe und helfender Güte veranlaßt so manchen, einige unseres Gleichen hereinzuwerfen." „Euch hat das Leid hereingebracht und uns die Freude, eine wahre, echte Freude, wie man sie selten sieht," sagten wieder Andere. „Wir kommen von einer Hochzeit. Einem frommen, braven Mädchen haben gute Leute es ermöglicht, einen tüchtigen, frommen Mann zu heirathen. Sie hatten sich innig lieb, und der Tag war ein überaus glücklicher für sie. Es war ein einfaches Hochzeitsmahl, ohne Prunk und Glanz, aber die Pfennige, die Fünf-, Zehn- und Zwanzigpfennige unter uns, die an jenem Tage hereinkamen in die Büchse, die können erzählen von echtem Glück, das auch die Armen nicht vergißt und ihnen nach Kräften gibt." Da eben, als noch andere sich zum Wort melden wollten, that's einen heftigen Stoß an die Büchse, daß die Münzen vor Schrecken an einander klapperten. Der Deckel wurde gewaltsam geöffnet, ein Heller Laternenschein fiel in die Büchse und eine rauhe Hand stöberte darin herum. Ein Dieb war über die Büchse gekommen. „Pah. nichts als Kupfer," brummte er ärgerlich, „nicht der Blühe werth, sich die Taschen damit schwer zu machen." Doch plötzlich entdeckte er den Silberthaler. „Hollah, her damit, nach solchen Gesellen suche ich," sagte er, zog den Tbaler heraus, schlug den Deckel zu und entfernte sich. Zitternd wagten die Münzen noch kaum sich zu regen. Als sie sich aber nach und nach von ihrem Schrecken erholt hatten, da freuten sie sich ihrer Unscheinbarkeit, freuten sich doppelt, weil sie wußten, daß viel Wenig auch ein Viel geben, daß sie doch noch dazu bestimmt waren, manchen Hunger zu stillen, manche Thräne zu trocknen. Aber sie bedauerten auch den armen Tbaler, der für seinen Stolz so gestraft worden und in eines Diebes Tasche Zeit hatte, darüber nachzudenken, daß Hochmuth vor dem Fall kommt. pr Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Schluß der Inserotenamrahme ist stets: für die Nlontagsnummer, Sonntag Früh » Uhr, für die Donnerstagsnummer, Mittwoch Mittag 12 Uhr. ßtufer glatt gelingt regelmäßig Montag und Donnerstag in den Abendstunven iura Kerf ndt. Reklamationen wegen?« späten Cintreyrns beliebt man bei der betreffenden Postanstalt zu machen. Offerten auf Dhifferannoncen werden täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag, welterbefördrrt.“ Die unter strengster Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Distrikts-Rabb. l>r. I*. Kohu ln Auslmch stehende Bäckerei-rilÜb von J. Flamm, Meint MW.) empfiehlt sowohl rnXD als miüJP zur geneigten Abnahme. Versandt in 5 u. 10 Pid.-Rollen, nach neuestem patentamtlich geschütztem System. [944 Strebsame u. solide Herren werden für größere u. kleinere Plätze als Inspectoren unter günstigen Bedingungen angestellt. [ 182*» Man wende sich direct an die K»d-VttkcttM der Vlttilll }o iSerlin, Mohrenstraße 45, 8. J. ieszynsky. 3B5 ■- rYiAfri * ******—