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Der Israelit · 1900-03-15 · Heft 22 (15.3.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 22 (15.3.1900)
Date
1900-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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41. Jahrgang. M SS. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. ft^maitn in Httaini Donnerstag, den 15. März 5660 (I960). Leitender Artikel. Alter Mein in neuen Flaschen. (Zu Purim.) Unter dieser Flagge läßt sich die Contrebaude von alledem, was ich das Jahr hindurch auf dem Herzen habe, wohl am leichtesten in die Geister und Gemüther schmuggeln. Die Purimfreude bleibt doch der beste Kitt, um die manchmal scharfen und widerhaarigen Gedantenspäne und confusen Jdeensplitter zu einer erträglichen Mosaikarbeit zusammen zu schweißen und ein wenig System hineinzubringen, um sie genießbarer zu machen. Um das Letztere zu bewerkstelligen, möchte ich kein Mittel unversucht lassen und selbst kein Mittelchen. Was liegt auch an der Etiquette, wenn man mir nur meinen Wein abnimmt, oder vielmehr es liegt sehr viel daran, wenn es von ihr wirklich abhängt, ob der von ihr gedeckte Wein in der That Abnehrner findet. Manche kritische Augen werden das, was hier verzapft wird und die Form, in der es kredenzt wird, vielleicht anstößig finden. Das bleibt sich alles gleich. Solche Kritiker und noch eine ganze Legion anders gearteter sind mein sehnlichster Wunsch. Sie können meinen Wein nicht alt und nicht jung, nicht stark und nicht schwach, nicht sauer und nickt süß erklären, ohne ihn genoffen zu haben. Mehr will ich nicht. Wenn es dann in ihnen ein wenig rumort, so ist mein Zweck erreicht. Wenn ich nun nach einer Form suche für das, was ich sagen möchte, so finde ich, je älter ich werde, je mehr ich lese, rede und schreibe, daß es keine bessere gibt, als die unserer alten Maggidim. Vor einigen Jahren ersuchte mich ein befreundeter jüdischer Professor der Philosophie, einmal einer seiner Vorlesungen beizuwohnen. Er hatte den größten Hörsaal, aber er war immer noch zu klein für sein Auditorium. Der Gegenstand der Behandlung war es nicht, welcher die Studenten aller Facultäten anzog, umsomehr aber war es die Behandlung des Gegenstandes. Der Professor stammt aus einer streng-frommen Familie, hat die Jeschiba in ... . besucht und ich war nun Augen- und Qhrenzeuge von der fascinirenden Vortragsweise des gefeierten Redners, an dessen Lippen alle Augen mit gespannter Aufmerksamkeit hingen. Das Feuer, die Verve, der Witz, die Beweglichkeit und Schlagfertigkeit des Redners, hatte ich noch auf keinem Katheder sonst gesehen, aber neu war sie mir nicht. Lange zermarterte ich mir den Kopf, wo ich dergleichen gesehen und gehört hatte, aber die Entfernung war zu groß, als daß ich ohne fremde Hilfe die Brücke zwischen den beiden Gegensätzen hätte schlagen können. Erst als mich der Redner nach der Vorlesung an den Maggid von.erinnerte, und mir sagte, daß dieser sein unerreichtes oratorisches Vorbild sei, daß in ihm allein ein Dutzend Professoren der Rhetorik stecken, fand ich mich wieder zurecht und stimmte ihm bei. Von jenem Erlebniß her datirt meine Hochachtung, nicht nur vor dem geistigen Inhalte und sittlicken Gehalt dessen, was unsere Maggidim alten Schlages bieten, davon war ich schon früher durchdrungen, sondern auch vor der nirgends sonst erreichten Art und Weise ihrer Darstellung. Während unsere Redner durch Mittheilung ihrer Disposition und die Zahl der Theile, in welche ihre Rede zerfällt, schon von vorhinein ihre Hörer erschrecken, gehen die Darschonim altenSchlags sofort auf den Kern der Sache. Sie sagen ihren Text, werfen eine Frage auf, und dann noch eine zweite und dritte, von welcher die folgende immer scharfsinniger ist, als die frühere. Dann beantworteten sie die erste Frage mit der zweiten und die andern mit den ersten. Der Redner ' un den Vortheil, daß seine Hörer mit ihm der im Geiste nach ihrer Weise die aufgeworfenen S gkeiten zu lösen suchen, kurz ihm durch das g abyrinth folgen, von dem man glaubt, daß m Ausweg mehr aus ihm gibt. Aber der kundig :r

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