Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1900)
- Date
- 1900-03-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWWWWWWWWffWSWWWM Es hat sich wieder betvahrheitet. Drum „Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht, Mir soll darob nicht bangen, Auf leisen Sohlen über Nacht Kommt doch der Lenz gegangen." Aettrrng»««rch richte« E-rresppnve«ze«. Deutschland. Berlin, 7. März. Die „Dörstling'sche Schulaffaire," deren Verlauf unsere Leser aus dem Artikel „Ein liebenswürdiger Brief und seine Folgen (s. Nr. 8) kennen, hat nunmehr einen befriedigenden Abschluß gefunden. Die Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde hatten auf den vom Provinzialschulkollegium getroffenen Bescheid hin sich mit einer Beschwerde an das Kultusministerium gewandt. Nunmehr ist seitens des Provinzialschulkollegiums im Aufträge des Kultusministeriums der bemerkenswerthe Bescheid an die Schulvorsteherin ergangen, daß fortan nichtevangelische Zöglinge nur auf ausdrückliches Verlangen ihrer Eltern zur Theilnahme an dem evangelischen Religionsunterrichte wie an den religiösen Andachten verpflichtet werden dürfen. — Der Tenor dieses Bescheides ist ein wesentlich anderer als der der ersten Verfügung des Provinzialschulkollegiums, das, wie erinnerlich, z. Z. zu Maßnahmen gegen die Schulvorsteherin keinen Anlaß gefunden hatte. Das Unzuläffige des von Fräulein Dörstling beliebten Missionsverfahrens, die Kinder jüdischer Eltern nur unter der Bedingung aufnehmen wollte, daß sie an dem christlichen ReligionsunterrichteTheil nehmen, ist mit dem letztergangenen Reskripte deutlich gekennzeichnet. Wir behalten uns vor, in einer der nächsten Nummern den Wortlaut der an das Kultusministerium gerichteten Beschwerde, sowie des letzten Reskriptes zu bringen. München, 10. März. Als es vor vier Monaten hieß, Gemeinderath Luzian Brunner aus Wien werde im Münchner demokratischen Verein sprechen, brachten das „Bayerische Vaterland" und das „Neue Münchner Tagblatt" schwere Angriffe gegen ihn, weil er im Wiener Gemeinderath gesagt habe, er verachte alle Christen. Brunner stellte gegen die verantwortlichen Redacteure Beleidigungsklagen, die heute vor dem Schöffengerichte zum Austrag kommen sollten. Die Beklagten erklärten, den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Sie verlangten Aussetzung der Verhandlung und Vorladung der Wiener Gemeinderäthe Tomala, Allmann, Weitmann, Swoboda und Hugo Platter. Der Vorsitzende äußerte sich sehr ungehalten darüber, daß die Beweisanträge heute erst gestellt werden, obwohl die Klage schon seit November schwebt. Er bemerkte dabei, er würde sonst von vornhinein annehmen, daß die Verklagten bei ihren Artikeln in gutem Glauben gehandelt hätten. Es scheine, daß Brunner eine spitze Bemerkung gemacht habe. 423 Der Vertreter Brunners erklärte, Brunner habe die ihm zur Last gelegte Aeußerung nicht gethan. Eine Aeußerung Brunners im Gemeinderath sei überhaupt nicht gefallen. Als Brunner den Gemeinderathssaal verlassen habe, sei er von Galleriebesuchern insultirt und bedroht und mit Pfuirufen verfolgt worden.. Darauf habe Brunner gerufen: „Ich verachte Eure Pfuirufe!" Das sei der Sachverhalt. Brunner und die Verteidigung seien nicht gegen die Erhebung des Wahrheitsbeweises. Die Verhandlung wurde darauf vertagt und die Vernehmung der benannten Zeugen angeordnet. Nürnberg, 9. März. Vor dem Schwurgericht stand heute der Redacteur Adam Weber, der in seinem Blatte, dem in Fürth erscheinenden antisemitischen „Freien Beobachter" ein Vergehen gegen die Religion verübt haben sollte. Es handelt sich um einen am 9. Oktober erschienenen Artikel „Zum jüdischen Ritualmord in Polna." Der Artikel soll aus dem „Münchner Vaterland" entnommen und vom Angeklagten nur mit einer Einleitung versehen worden sein, worin der Nachweis versucht wird, daß schon vor der Geburt des Stifters der christlichen Religion der „Blutgenuß" bei verschiedenen Juden ein ritueller gewesen sei. Zu diesem Zwecke wird erzählt, daß im Älterthum Juden in den Katakomben Roms Liebesmahle mit abscheulichen Widernatürlichkeiten veranstaltet hätten. Daß dies ausdrücklich vor der Geburt des Stifters der christlichen Religion datirt wird, sollte nach der Anklage den Beweis erbringen, daß nicht christliche Gnostiker, sondern Juden solche Schandthaten verübt hätten. Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für nichtschuldig erklärt. weil nur eine Beschimpfung einzelner Juden, nicht der jüdischen Religion in dem Artikel vorliege. Schwabach. Dem Rechenschaftsbericht über die Talmud-Thora-Schule lPräparantenschule) in Schwabach, von Distriktsrabbiner L. W i ß m a n n für das Jahr 1898—99 entnehmen wir: In Bezug auf Erziehung und Unterricht hat die Schule den an sie gestellten Anforderungen vollkommen entsprochen. Denn die Prüfungen ergaben ein sehr autes Resultat, indem die Zöglinge theils in der israel. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, theils im israel. Seminar zu Köln Aufnahme fanden. Und das ist wahrlich keine Kleinigkeit bei der oft so sehr schlechten Vorbildung, besonders in den hebräischen Fächern, mit welcher die Zöglinge von der Volksschule aus in die Anstalt eintreten. Wohl wissen wir. daß nicht immer den Lehrer die Schuld hievon trifft; sehr häufig liegt vielmehr der Grund an der aerinaen Stundenzahl, die für den Religionsunterricht festgesetzt iss. an dem geringen Interesse mancher Eltern für den iüdischen Unterricht und an der manaelbasten Erziehung im elterlichen §mi,se. Allein die Tbatsache steht fest, daß die meisten ^öalinae mit erschreckend wenigen Vorkenntnissen in die Anssalt kommen und nur durch großen Fleiß und ernste Anstrengung möglich ist. mit solchen Schülern das vorgeschriebene Pensum zu bewältigen und sie zum Eintritte in ein Seminar gründlich auZ'zubtlden.