Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1900)
- Date
- 1900-03-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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41* Jahrgang. Zweite Beilage ju M 20 ües „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Vor dem herannahenden Purimfest glauben wir wieder auf das „Deutsch-Israelitische Kinderheim zu Diez" aufmerksam machen zu sollen, das so segensreich wirkt. Aus kleinen Anfängen hat sich das im Jahre 1886 gegründete Wohlthätigkeits-Jnstitut herrlich entwickelt. Das kleine Haus, das zuerst in Diez dem Kinderheim als Heimstätte diente, reichte bald nicht mehr aus, und nun erfreuen sich die Zöglinge eines stattlichen, nach allen Regeln der Hygiene erbauten Hauses, hoch oben am Waldessaume errichtet, in dem die Kinder unter dem Einfluß der kräftigenden Berg- und Waldluft prächtig gedeihen. Eine sorgfältige körperliche und geistige Erziehung, die bewährten Händen anvertrant ist, bereitet die Kinder für das Leben vor. und viele, die dem elterlichen Hause überlassen, üch und der Welt verloren gegangen wären, '.oerbett hier zu tüchtigen Mitgliedern der menschlichen (Gesellschaft erzogen und dem Elend entrissen. Haben doch bereits viele bier die Grundlage einer ehrenwerthen Existenz gelegt, wie die meisten Berichte über die bisher entlassenen Zöglinge erweisen. Doch nickt der Mühe der Verroaltung allein sind die vorliegenden Resultate zu verdanken, die spendensrvhe Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen in Deutschland, auf welche die Verwaltung rechnen muß, hak zumeist die schönen Früchte gezeitigt. Besonders ist es die Purimspende, die an den Einzelnen einen nur kleinen Anspruch stellt, deren kleine Einzelgaben, tvenn sich Alle bethätigen, zu einer großen Spende sich summiren, welche die Hauptguelle für die Existenz des Heims bildet. Vierzig Kinder genießen jetzt die Wohlthat der Anstalt; je nachdem die Betheiligung an der Purimspende eine regere wird, kann die Anstalt ihre Wohlthat ausdehnen, bei geringer Betheiligung müßte sie dieselbe reduciren. Welch ein erbebendes Gefühl ist es für Jeden, sich sagen zu können, durck ein kleines Opfer zur Erhaltung und Erziehung armer Waisen beigetragen zu haben, mit beigetragen zu haben an der Rettung von menschlichen Existenzen, die ohne diese Hülfe unfehlbar zu Grunde gegangen wären. Das Zusammenwirken Vieler wirkt Großes! Möge man dies im Angesichte des herannahenden Purim beherzigen, wenn die Bitte um eine kleine Spende für das Kinderheim an den Einzelnen herantritt. S. Marburg a. L., im März. Dem Bemühen des Herrn Rabbiner Dr. M unk ist es gelungen, eine Anstalt in's Leben zu rufen, deren Thätigkeit eine segensreiche zu werden verspricht. Sie soll der Jugend aus der Umgebung, deren Eltern minderbemittelt oder unbemittelt sind, den Schulbesuch erleichtern. Andererseits soll sie dem Handwerk in jüdischen Kreisen Eingang verschaffen, um so ein wichtiges Argumentationsmittel dem Antisemitismus zu nehmen. Das Institut, in welchem die Knaben Wohnung und Kost haben werden, ist schon nahezu fertiggestellt. Ein Centralkomitee wie auch Lokalkomitee in Berlin, Darmstadt, Gießen, Kassel, Frankfurt a. M., ist an der Arbeit, dem Unternehmen in weiten jüd. Kreisen Förderer zu verschaffen, so daß es finanziell gefestigt werde. Der Vorstand ist aus allen Parteien zusammengesetzt. Im Statut ist festgelegt, daß die Jugend mit der jüd. Religion und Litteratur genügend vertraut gemacht und nach streng-religiöser Weise erzogen werde. Obzwar noch keine öffentliche Verlautbarung gemacht wurde, sind schon einige Anmeldungen erfolgt. Nebst Herrn Dr. Munk hat an dem Gelingen dieses philantropischen Werkes Herr Ghrat. Prof. Dr. Cohen den Löwenantheil. Das Institut wird den Namen „Schüler- und Lehrlingsheim" führen. AuS Lü-deutschland. Die in Nummer 16 u. 17 der von Ihnen herausgegebenen geschätzten Zeitschrift vorkommende Mittheilung aus Weißenburg i. E., daß ein „Rabbiner Azulei" aus Jerusalem eine „Sammlung zur Stiftung eines Waisenhauses in Jerusalem veranstaltete," veranlaßt mich. Ihnen anliegend Abschrift einer in Nr. 2 des in Jerusalem erscheinenden „Habazeleth" v. °nrn n"2 (14. October) 5659 enthaltenen Anzeige zu geben, aus der ersichtlich ist, daß der Secretär des von Herrn Oberrabbiner M. L. Diskin in Jerusalem gegründeten Wü'b ncra rvs Namens des Vorstandes erklärt, daß die genannte Anstalt nicht inehr mit Habib Azulai in Verbindung stehe und gleichzeitig das spendende Publikum ersucht, ihm Gaben für dieses Asyl nicht zu verabfolgen und ferner es als Mizwoh bezeichnet, ihm das in seinem Besitze befindliche „Buch" abzunehmen und nach Jerusalem zu senden. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß dieser Habib Azulei — der in Jerusalem überhaupt nicht gut beleumundet ist — für welchen Zweck er auch sammeln mag, kein Vertrauen verdient und bezwecken diese Zeilen, die Freigebigkeit unserer Glaubensgenossen vor weiterer Ausnutzung Seitens dieses Sammlers zu schützen. Würzburg, 6. März. Am 14. v. Mts. sprach vor zahlreichem Publikum im „Verein für jüd. Geschichte und Litteratur" dahier Herr Dr. H. Bamberger- Frankfurt a. M., Sohn des Herrn Distrikts-Rabbiner N. Bamberger dahier, über das Thema: „Kammerherr und Schutzjude, ein Kulturbild des 18. Jahrhunderts." Einleitend bemerkt der Redner, es sei keine allzu seltene Erscheinung, daß große, anerkannte Schriftsteller und Gelehrte in ihren Urtheilen, namentlich Juden gegen-