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Der Israelit · 1900-03-08 · Heft 20 (8.3.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 20 (8.3.1900)
Date
1900-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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395 il)dl jeden Schein nerineiden, als bestände irgend welche Beziehung 311 ihnen. Und der Jude, der Verrath am Gesetz Gottes be geht, der Gott selber leugnet. Sein Wort einem Menschen zuweist und diesem Gesetz alle menschlichen Schwächen insinuirt, um es dann mit einem trüben Schein von Recht der Hebung fähig und bedürftig er klären zu lönnen, dieser sollte eins und derselbe sein, sollte gemeinsam wirken und streben tonnen, mit denjenigen, deren Gesinnung und Anschauung, deren Wege und Bestrebung wie Ja und Rein, wie Sein und Nicht- Sein auseinandergchen? Was den letzteren eine leuchtende Jeuersäule ist, gilt den anderen als eine zu verlachende Vogelscheuche, was den einen als nicht entschieden genug anzustrebender Fortschritt gilt, ist den anderen ein Verbrechen, ein Verrats), so schwer, als Landesverrats), und diese beiden unvereinbaren Gegensätze sollten wirklich zusammen Vereine gründen, Kanzeln errichten, Vorträge abhalten können, ohne dast der Gegensatz ihres Lebens davon berührt würde? Das ist nnd bleibt eine grosze Täuschung und im günstigsten Falle eine unbegreifliche Selbsttäuschung. Wenn Jemand ein leck gelvordenes Schiff durch Heftvflaster wieder repariren lvollte, so lväre das ein Bild für die Gedankenlosigkeit, welche den jähen Bruch in der bcutiaen Judenbeit durch Vereinsmeierei und durch Eultivirung des Vortrags-Sports heilen möchte. Dieser Quacksalberei müssen die Redlichen aus beiden Seiten so entschieden den Rücken kehren, dast hierüber kein Wort weiter verloren zu werden braucht. Es scheint denn auch in der Tbat, als ob die innere Wahrhaftigkeit dieses ganzen Gebabrens nicht stark genug ist, um die Geister und Gemütber dafür zu gewinnen. Das Eomitee hat daher seine Broschüre, wie es uns mittheilt, an alle israelitischen Gemeinden Württembergs, an dessen Oberkirchenbehörde, an die gröberen Gemeinden Deutschlands mib an die Redner der jüdischen Litteratnrvereine gratis gesandt.. Wir glauben trotzalledem nicht an die geistige Debun.g des Judenthnms durch diese vaviernen Tbaten und --weibeln nickst daran, dast sie allseitig die verdiente Würdigung erfahren. HettrrrrgKrrachrlchten unv Torrelpondenzev. Deuts ch l a n d. München, 7. März. Eine vom hiesigen demokratischen Verein veranstaltete Versammlung, worin der Wiener Gemeinderath Lucian Brunner über die Deutschen Oesterreichs sprechen sollte, wurde von den Antisemiten gesprengt. Vor Beginn ivarfen die Antisemiten mit Bierfilzen, faulen Aepfeln u. s. w. nach Brunner nnd dem Vorstandstisch. Bei der Bureauwahl skandalirten die zu einem Drittel anwesenden Antisemiten derart (Juden raus! Wir lassen keinen österreichischen Juden reden! etc.), dast auf Verlangen des Polizei beainten die Versammlung geschlossen lverden mußte. Der Beamte ging sofort weg, worauf loüste Szenen erfolgten, Schlägereien, Werfen mit Biergläsern durch die Antisemiten. Auch mehrere Berlvundungen gab eS. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten mußte endlich den Saal räumen. Roch in ihrer Gegentvart gab es Schlägereien. O e st e r r. - U n g a r. M 0 n a r ch i e. Ttampfen (Ungarn). Der Jahresausweis des Talmud-Thora-Schulvereins der israelitischen Cultu.sgemeinde zu Stampfen vom Jahre 1899 berichtet: Unser mit unserer altehrwürdigen israelitischen Eultusgemeinde Stampfen fast in einem Alter stehender — seit einem Jahre neuorganisirter — Talmud-Thora- Schulverein tritt zum ersten Male mit seiner letztjährigen, bescheidenen unb stillen, aber um so gemeinnützigeren Tbätigkeit vor die Qesfentlichkeit, um auf diesem Wege den sehr gehrten Mitgliedern, Svendern und Gönnern nur ein kleines Bild von dem Wesen und Gebühren unseres Vereins zu entwerfen, daraus die Ueber,zeugung zu schöpfen, dast dieser unser Verein volle Eristenzbereckstigung hat und jene Unterstützung verdient. der er von Seite seiner Mitglieder, vieler Freunde und Gönner auch thatsächlich theilhaftig wird. Dieser günstige Umstand ermöglichte es uns. schon im ersten Jahre der Neuoraanisirung unseres Vereins, nicht nur seiner gemeinnützigen Tendenz — mittellosen Kindern unentgeltlichen Unterricht in hebräischen Fächern und jüdisch-religiösen Wissenschaften von bewährten Lehrkräften ertbeilen zu lassen — sondern auch seiner humanen Aufgabe vollauf gerecht zu werden, arme Kinder mit den nöthigen hebräischen Lehrmitteln und jüdischen Büchern und sieben ganz mittellose Schüler mit Winter- Kleidnnasstüsten zu versehen. Eingenommen wurden fl. 1199. die bis auf fl. 283 verausgabt wurden. s2fit§ Galizien. Vezügleb der vielen Schnorrbriefe, die ans Jezierzanv nach Deutschland gelangen, erhalten ivir folgende Auskunft: Das Städtchen Jezierzanv ist in der Tbat eingeäschert worden, aber schon vor mehr denn acht Jahren, und damals hat der Baron Hirsch s. A. einen aanz bedeutenden Betrag (ich glaube fl. 29.999) den Abbrändlern geschenkt. Als ich vor drei Jahren I. vafsirte, fand ich es vollkommen lvieder aufgebaut. Aber man gebt noch beute auf diesen alten Brand schnorren.- Ich bemerke übrigens, dast auch der Schnorrbrief von Snitzer durch Bürgermeisterei (!) und Eultusgemeinde befürlnortet war. Augenscheinlich ist die Protection Wr Bürgermeisterei (event. anderer Staatsbehörden) oer Grund, dast das Eentruin der Schnorrer von Kurmrfi Jezierranv verlegt ist. t'cleotrtmm. Leipzig. kZ. Mlstz. Robbinotsassestor Rabbi Simon .ssnrwitz. hervorragender Dolnnidist. freund des verstorbenen Rrostnor Delivslbbot vorgestern das Zeitliche gesegnet. ÜDie Beerdigung fand beute Nachmittag, # llbr, imter großer"Betheilkgung statt.

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