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Der Israelit · 1900-03-05 · Heft 19 (5.3.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 19 (5.3.1900)
Date
1900-03-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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378 entsprechend der materiellen Kräftigung durch die erlangte Höbe der Mitgliederzahl von 260 und, Dank Hochherziger Förderung edler Spender, aus dem Gebiete der Krankenpflege und sonstiger Wohlsahrts-Einrichtungen in einem Maße segensreich zu wirten, wie noch nie zuvor. Können wir wohl in dieser erfreulichen Thatsackie ein Zeichen der Zeit erblicken, die uns Stammesgenonen enger unb inniger aneinander schließt, so darf die Vereinsleitung wohl auch das Verdienst, rührig und umsichtig gearbeitet zu haben, ohne Unbescheidenheit in Anspruch nehmen, um so mehr, als der größere Verein vermehrte Pflichten heischte, denen die Herren der Vereinsleitung in den verschiedenen Sektionen arbeitsfreudig oblagen. Unser Vermögen hat sich trotz größerer Auslagen bei Kranken-, Wittwen- und sonstigen Unterstützungen um sl. 467.51 vermehrt: es beziffert sich heute aus sl. 4744.40. Die Kranken-Unterstützungen betrugen beuer fl. 506.70 gegen fl. 842 im Vorjahre, die Ausgaben für Armen- und Wittwen-Unterstützung, Min ian Schiwah-Schmirah Gelder und Wagenbeistellung bei Vegräbnisten zusammen sl. 169.40 gegen sl. 138.5'), die im Vorjahre unter diesen und verwandten Titeln destritten worden sind. In Betreff der Darlehens-Rückzahlungen kann die Vereinsleitung eonstatiren, daß, Dank einer strengen Gensur, wobei die Darlehenswerber thunlichst berücksichtigt wurden, die Rückflüsse regelmäßiger erfolgten. Selbe beziffern sich aus fl. 1306.82 gegen fl. 1110.86 im Vorjahre. Demgemäß konnten denn auch an 57 Darlehenswerbern sl. 1420 gegen 50 per sl. 1155 im Vorjahre votirt werden. Italien. Rom. Am 25. Januar verstarb hier ein Mann, dessen Namen weit über die Grenzen von Italien hinaus bekannt ist. Senator Jsaeeo Artom, der 1829 zu Asti geboren war, batte Jurisprudenz Üubtrt und seine Gramina gemacht, aber schon 1855 trat er in den Dienst des Ministeriums des Auswärtigen, in dem er unter Gavours Leitung schnell emporstieg. Der große Minister wußte die Tüchtigkeit des jungen jüdischen Juristen sehr zu tvürdigen und berief ihn in sein Privateabinet. Später ging Artom als Vertreter Italiens zu verschiedenen internationalen Gongressen, nahm auch 1866 als zweiter Bevollmächtigter neben General Menabrea an den Friedensverhandlungen in Venedig theil. 1876 wurde Artom Senator von Italien und Hai auch als solcher, besonders in finanziellen Dingen, im Senat eine führende Stellung gehabt. Sein Leichenbegängniß fand in Asti statt, wohin seine sterblichen Ueberreste von Rom aus gebracht wurden, und unter denen, die seiner Leiche folgten, waren zwei Minister von Italien, Viseonti-Venosta und Saracco. Auch der König sandte ein Condolenztelegramm an den Sohn des Verstorbenen, Cavaliere Ernesto Artom. Die Hauptrede bei dem Leichenbegängniß hielt der Rabbiner ven Asti, Signor Foa. Frankreich. Paris, 4. Febr. (Zwei Franzosen.) Die Verössentlichung eines an das Journal „La Liberte" gerichteten Brieses in Betreff des englisch-transvaalitchen Krieges hat im französischen und namentlich im Pariser Publikum wahrhafte Sensation erregt. Der Verfasser dieses militärischen Berichtes, Herr Oberst Graf von Villeboi—Mareuil, welcher seinen Degen der Burensache widmete, zählt gewiß nicht zu den Unsrigen, d. b. nicht zu unseren Freunden; er war vielmehr ein Mitarbeiter der „Libre Parole" und ist in der Dreysußasfaire nichts weniger als freundlich gegen uns Israeliten aufgetreten: aber die Wahrheit ist und bleibt Wahrheit. Gr wußte wahrscheinlich nichts von der Gonsession der Herren, über die er berichtete, um so mehr freut uns das lobende und rühmende Zeugniß, das er zwei unserer Glaubensgenossen gibt, indem er ihre Thaten als n a t i o n a l e Ghre und patriotische «Energie schildert. Der Graf schreibt von Pretoria, den 15. Januar: Die Herren G r ü n b e r g und Leon, zwei Franzosen, sind die wirtlichen Direetoren der Artillerie und des Genies. Nachdem sie in Pretoria die bedeutendsten und neuesten Forts sowie drei weitere errichtet hatten, haben sie die südafrikanische Republik mit den in Greu sot hergestellten Kanonen versehen, sie geleitet und gelenkt. Der Berichterstatter schildert dann eingehend die Thätigkeit jedes Ginzelnen. Wir lvußten schon lange, schreiben die „Arch. isr.," wer diese Herren ioaren und >vas sie leisteten; aber wir wollten Politik mit der Gonfession nicht vermischen; unsere Feinde, die Antisemiten sind es, die dieses Geschäft besorgen und jede Gelegenheit ergreifen, uns Israeliten Patriotismus abzusprechen. Der „Matin" hat es für gut gesunden, die Gonsession zu eonstatiren, der diese beiden Diener des Rechtes und der Gerechtigkeit angehören, während die Antifemitenblätter sich dariiber aussckNveigen, weil diese Thaisache nicht in ibren Kram paßt. Rumänien. Bukarest. Bekanntlich verlangt ein großer Theil der jüdischen Bevölkerung Rumäniens nichts sehnlicher, als aus diesem Lande der Selaverei auswandern zu können. Indessen sind die Meisten so mittellos, daß sie aus eigenen Kräften die recht erheblichen Kosten, welche die Auswanderung einer ganzen Familie erfordert, nicht aufbringen können. Da hat sich denn hier ein Verein den vermögenden Israeliten gebildet, der den Armen behilflich sein will, Rumänien zu verlassen. Er führt den Namen „Adjutore" und hat in der letzten Zeit reichlich Gelegenheit gehabt, seinen Ausgaben nachzustreben. Schon waren eine ganze Anzahl armer Familien mit Hilfe des Vereins in der Lage, auszuwandern, als im letzten Augenblicke die Regierung die Pässe verweigerte, ohne daß man den Grund zu dieser Maßnahme erfahren konnte. Sollte der rumänische Staat doch seine Juden nicht entbehren wollen?

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