Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-02-28 · Heft 18 (28.2.1900) · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 18 (28.2.1900)
Date
1900-02-28
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449067--50196-2500633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

F3f51?5 72 Diese Massregeln haben gute Erfolge gehabt. Herr Antebi hat die Hoffnung, welche das Comit6 in seine Fähigkeiten setzte, gerechtfertigt, und der Bericht, welchen er über die Hebungen des Jahres 1898 an das Central- ComitA gerichtet hat, lässt erkennen, dass er den Unterricht in guten Bahnen leitet. Er verdient für seine Aufopferung und für seine Klugheit grosses Lob. Bis zur Gegenwart lehrte mau in den verschiedenen Werkstätten nur die Schmiedekunst, die Kesselgiesserei, die Schreinerei und die Bildhauerei. Im Jahre 1898 hat das Central- ComitA dort auch das Steinmetzereihandwerk eingeführt, und dieses Unternehmen ist vollständig gelungen. Die Steinschneiderlebrlinge haben auf dem Eigenthum der Schule Arbeit gefunden, und sind bei dem Baue der Elementarschule beschäftigt. Dank den Bemühungen der jüdischen Kolonial* Gesellschaft wird die Weberei der Stoffe bald den übrigen dort gelehrten Handwerken beigefügt werden. Man wird auf diese Weise bald ein wenig dem grossen Elend, welches in Jerusalem herrscht, abhelfeu können. (Forts, folgt.) Reisebilder von Dr. Heinrich Loewe. (V. Fortsetzung.*) Sklavenhändler waren ja die: Phönicier in weitestem Umfange, aber ihre Stammesgenossen zu verkaufen, galt als der grösste Frevel. Dieses Gefühl des betrogenen Bruders veranlagte die Juden, zu betonen, dass nicht Sems Söhne in Sidon wohnten, sondern die des sittenlosen Ham. Und Noah flucht nicht dem Ham für seinen Frevel, sondern direkt dem Kenäan, d. h. den Phöniciern. Eine gemeinsame Kultur von bedeutendem Umfange erstreckte sich über das ganze hebräische Gebiet. Nur stellten die Phönicier mehr das industrielle Handelsvolk der Städte, die Juden den ackerbautreibenden Theil der Bevölkerung vor, während die Edomiter und Ostjordanier den Uebergang zum Beduinenthum bildeten. Aber es gab auch jüdische Seeleute und Beduinen, wie sich auch viele Sidonier von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang nährten. In späterer Zeit sind die Phönicier in den Kolonien, ebenso wie die Edomiter im Binnenlande durch Annahme seines Kultus in das jüdische Volk übergegangen. Die Küstenphönicier bilden dagegen noch heute den Grundstock des arabischsyrischen Ufervolkes. Von der alten Herrlichkeit ist wenig übrig geblieben. Mit dem Sturze des kanaanäischen Karthago war das Loos Phöniciens, aber auch das der Juden besiegelt. Von dem alten Tyrus, das ein Sanherib uneinnehmbar fand, das dem Nebukadnezar und der babylonischen Weltmacht in 13jähriger Belagerung trotzte, das ein Alexander kaum zu überwinden vermochte, ist eine unbedeutende Stadt von kaum 25,000 Einwohnern der traurige Best. Das erzreiche Sidon zählt heute wenig mehr als 10,000 Einwohner. Nur das unbedeutende Berythos blüht als Bei r üt neu empor. Auch die jüdische Geschichte hat Erinnerungen an Berythos. Liess doch hier Herodes *) 8. Nr. 72«. seine, dem hasmonäischen Geschlechte der Mariamne entstammten Söhne, Alexandres und Aristobulos enthaupten. Der vorletzte jüdische König Agrippa liess die befreundete! Phönicierstadt schmücken, und baute dort prächtige Porticus, Theater und Bäder. Aber nicht lange danach feierte Titus hier seinen Triumph über Jerusalem an seines Vaters Geburtstage durch blutige Gladiatorenkämpfe der gefangenen jüdischen Freiheitshelden. Das war eine andere Zeit, als wo der mächtige König von Jsrael mit seinem lyrischen Freunde HiromTdiefZedern des Libanon besuchte und besang. Aber Beirüt ist noch heute, und heute mehr wie jemals eine Stadt orientalischen Weltverkehrs, eine grosse Stadt, die sich allmählich wieder zur Gressstadt auswächst. Beirüt, das alle Stürme des Alterthums und des Mittelalters, besonders aber der Neuzeit überdauert hat, zählt heute schon über 125,000 Einwohner. Das milde Klima verdankt sie dem Schutze des Libanon und dem Mittelländischen Meere. Ein unendlicher Blumengarten zieht sich die Höhen hinauf, überragt von mancher Dattelpalme. Der hohe Grat des 8 anin bildet mit seinen hellröthlichen Querstreifen einen wirkungsvollen Hintergrund. Aber die Stadt selbst entspricht in keiner Weise der herrlichen Lage. Die Romantik des Orients ist durch europäisches Leben verdrängt, ohne dass dieses sich zur Geltung hätte bringen können. Der Bazär hat dadurch seine ei gen - thümliche Anziehungskraft eingebüsst. Der Stadtpark am Kanonenplatz ist unbedeutend. Schönere Gebäude mit einladenden Fagaden haben, wie überhaupt im arabischen Orient, nur das Regierungsgebäude und die Anstalten der christlichen Missionsgesellschaften. Hat doch die Hochschule der amerikanischen Mission ein eigenes Observatorium für astronomische und meteorologische Beobachtungen. (Forts, folgt.) Druck der Joh. Wirth’schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft, Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.