Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 18 (28.2.1900)
- Date
- 1900-02-28
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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364 Treue gegen Gott und ihren jüdischen Beruf sich gegenseitig zu fördern und zu spornen. Deßhalb versprechen wir uns viel von diesem Unternehmen, das einen einigenden Centralpunkt gesinnungstüchtiger, frommer und intelligenter Studenten bedeutet, die mit ihren bescheidenen Mitteln hier wirklich Großes und Nachahmenswerthes geleistet haben. Möge Gottes Beistand und die thätige Sympathie begüterter Gesinnungsgenoffen vollenden, was brave, thatkräftige Jünglinge hier begonnen haben und sich an ihnen das Wort erfüllen: . ~ihc ,-us" frmnxi njwo nm England. London. Die Verlustliste dieser Woche weist nur die Namen von vier jüdischen Soldaten auf, die allesammt bei Potgieters Drift am 6. Februar verwundet wurden. Es sind G. Goldsburg vom West Aorkshire Regiment, E. Lyons vom East Surrey Regiment, F. Davis von der Durham Light Jnfantry und A. Freeman von der Rifle Brigade. Nicht uninteressant ist, daß in einer einzigen Abtheilung der Kolonialtruppen, in den Duke of Edinburghs Qwn Volunteers Rifles nicht weniger als 48 Juden dienen, nämlich ein Corpora! und 47 Soldaten. London. Dr. Schechter hat einen neuen wichtigen Fund gemacht. Unter den Manuskripten der Kairenser Genizah hat er wieder zwei Blätter der häbräischen Urschrift des Ben Sira gefunden. Auf dem einen Blatte steht auf der obern Hälfte ein Stück des schon an anderer Stelle gefundenen Textes des Ben Sirach, worauf dann ein neues, noch unbekanntes Stück folgt. — Eine glückliche Idee hatten die Maccabäer, als sie beschlossen, am 4. März zu Ehren des Lord Mayor von Liverpool ein Diner zu veranstalten, bei dem der gewesene Lord Mayor von London, Sir George Faudel-Philipps, den Vorsitz führen wird. Außer Mr. Cohen aus Liverpool und Sir Philipps werden noch eine ganze Anzahl anderer früherer und jetziger Lord Mayors englischer Städte anwesend sein, die so die Erfolge in ihrer Person repräsentiren, die der englische Jude zu erringen gewußt hat. — Am 12. Februar hielt der Board os Guardians seine Monatsversammlung ab, die diesmal besonders bemerkenswerth war, weil auf ihr die leitenden Persönlichkeiten Gelegenheit nahmen, den gegen die jüdischen Flüchtlinge aus Südafrika bekanntlich in der Daily Mail erhobenen Vorwürfen echt antisemitischer Art kräftig und unter Berufung auf ihre eigenen Untersuchungen entgegenzutreten. — Der Board of Guadians hat bekanntlich von der Baronin Hirsch ein Legat in der Höhe von drei Millionen Francs erhalten, für das die Erbschaftssteuer gesetzmäßig in Oesterreich bezahlt worden ist. Nun kommt die französische Regierung und reklamirt eine Steuer von 25 pCt., weil die Baronin, obwohl eine österreichische Staatsangehörige, doch ihren eigentlichen Wohnsitz in Paris gehabt hat. Der Board wird indessen gemeinsam mit den anderen betroffenen drei Vereinen die französischen Gerichte anrufen. — Viel besprochen wird noch immer die Erklärung von Miß d'Avigdor, welche sie kürzlich in der Anglo Jewish Association abgegeben hat, daß sie selbst die Ueberzeugung gewonnen habe, in Jerusalem müßten die Mädchen in erster Linie in hebräischer Sprache unterrichet werden, weil dies die unter den Juden Jerusalems lebende Sprache und zugleich die denselben einzig gemeinsame ist. Diese Erklärung hat großen Eindruck gemacht und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie auf die Leitung der Evelina Rothschild-Schule von Einfluß sein wird. Holland. Amsterdam. Die hiesige Gemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen. Jacob Aron Mendes Chumaceiro, der Rabbiner der alten portugiesischen Gemeinde, ist am 5. Februar plötzlich verstorben. Chumaceiro war in Amsterdam am 2. März 1833 geboren und hat seine Studien an dem hiesigen portugiesisch-jüdischen Seminar gemacht. 1861 wurde er Prediger, 1866 Lehrer in dieser Gemeinde, 1867 zugleich Rabbiner derselben. Seit einigen Jahren gehörte er auch dem Amsterdamer Chalukah-Comitee an. Zahlreiche Wohlthätigkeitsvereine verlieren in ihm ihren Vorsitzenden oder eifrigen Theilnehmer, der Verstorbene war auch litterarisch häufig thätig. Bei der Krönung der Königin Wilhelmine erhielt er die Riterwürde des Oranien-Nassau-Ordens. Sein Leichenbegängniß wird auf ausdrücklichen Wunsch in größter Stille stattfinden. Afrika. Algier. Das Beruhigungswerk in unserer Provinz schreitet erfreulicherweise fort. In Qran fand kürzlich die Senatorwahl statt und die Antisemiten agitirten für die Wiederwahl des bisherigen Senators Jacques, der mit den Judenfeinden sympathisirt. Derselbe erhielt indessen nur 58 Stimmen, während sein Gegencandidat Saint-Germain, der Judenknecht, mit 180 Stimmen siegreich blieb. Einen so großen Erfolg hatten auch die optimistischsten Juden nicht erwartet, um so mehr, als unter den Wahlmännern in Folge des indirecten Wahlsystems nicht ein einziger Jude sich befand. Der neue Senator Saint-Germain ist ein Advocat und als solcher mit einem Juden Jsaac Karsenty, Mitglied des jüdischen Consistoriums, associirt, mithin so verjudet, als möglich. Alle diese Nebenumstände machen seinen Erfolg um so bedeutsamer. Das scheint auch die Meinung der hiesigen Antisemiten zu sein, die nach dem eclatanten Mißerfolg an ihrem Siege zu verzweifeln scheinen und sich durch Uebergang in das republikanische Lager zu retten trachten. So hat neuerdings der Major Peffau, der oberste Führer der hiesigen Antisemiten, der die Kravalle vom Sommer 1898 auf dem Gewissen hat, seine Partei verlassen und mit den Republikanern seinen Frieden gemacht. Nun wird wohl in Oran Frieden werden.