Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 16-17 (22.2.1900)
- Date
- 1900-02-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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die Ücinberbanf die ihr ungünstige Konkurrenz aus dein Felde geschlagen. Die Sache ist gar nicht dumm gemacht worden. Wäre die Geschichte in Amerika passirt, und wären die Konkurrenten zwei große Millionäre gewesen, so könnten tvir uns gar darüber amüsieren. Aber hier liegt der seltene Fall vor, daß ein Großbetrieb bei aller größeren Fackkenntniß und trotz der praktischsten Maschinen mit dem primitiven Kleinbetrieb nicht kon kurriren kann und zu Mitteln bedenklichster Art greift — mit dem Erfolge, daß Tausende von Existenzen vernichtet werden. Es ist fast unglaublich, daß in einem Rechtsstaat solche Dinge Vorkommen können. Die Staatsbehörden haben auch gegen das Vorgehen der Bergpolizei protestirt — es hatte nur keinen Werth, denn die Bergpolizei ist autonom. Die Autonomie solcher Behörden wie der Bergpolizei ist an und für sich sogar sehr berechtigt. So wie etwa eine Sanitäts-Kommission besser geeignet ist, über die Nothwendigkeiten von Quarantäne-Maßregeln zu entscheiden, so sind auch Fachmänner eher berufen, über die Zulässigkeit eines Minen-Betriebes zu entscheiden, als der Staat, der weder medizinische, noch montanistische Kenntniffe besitzt. — Fraglich ist nur, ob Galizien, wo diese Dinge sich zugetragen haben, ein „genügend europäisches Land" ist, um so weise Einrichtungen auch segensreich wirken zu lassen. Wie die Sachen liegen, ist also Schließung der primitiven Minen zum 15. Februar 1899 verhängt worden, und als es sich doch als zu riskant erwies, wurde der Termin noch um ein Jahr verschoben, also bis zum 15. Februar 1900. Während dieser Gnadenfrist sollten die Schächte einer nach dem andern geschlossen werden — hübsch allmählich, damit nicht zu viel Staub aufgewirbelt werde und die Bevölkerung sich langsam zerstreuen und nach und nach auswandern könne. Die Rechnung hat auch so ziemlich gestimmt. Wer Geld genug hatte, um sich eine neue Heimath zu suchen, ging in die Nachbardistrikte und nach anderen Provinzen Oesterreichs, in's Ausland und viele auch weit übers Meer. Von den mittellosen Arbeitern fanden viele Beschäftigung jenseits der russischen Grenze — in den Kohlenbergwerken. Eine Anzahl wird ja auch für den Betrieb der Länderbank weiter in Boryslaw Beschäftigung finden. Aber ganz stimmt das Exempel nicht — ein Rest ist geblieben, und dieser Rest ist sehr merkwürdig und gibt Gelegenheit zu mancherlei Betrachtungen. Wir haben oben bemerkt, daß besonders viele Juden bei dem Beginn der neuen Industrie sich in Boryslaw zusammengefunden hatten, und diese bildeten auch bis in die neueste Zeit die Majorität der Bevölkerung. Diese jüdischen Arbeiter waren von der Beschäftigung in den russischen Kohlenminen ausgeschlossen, da ihnen ja die Einwanderung nach Rußland verboten ist. Für den Betrieb der Länderbank kanien sie gleichfalls nicht in Betracht, da sie Samstags und auch Freitag Nachmittaas schon nicht arbeiten. Da andererseits diese Werte Sonntags feiern, so hätte das eine Arbeitszeit von nur 41- Tagen pro Woche ergeben, was bei dem kostspieligen Maschinenbetrieb sich von selbst verbietet. Die jüdischen Arbeiter haben also den Hauptpro zentsatz zu der Auswanderung gestellt und nur die gänzlich mittellosen sind geblieben. Je mehr Schächte geschlossen lvurden, um so knapper wurde die Arbeitsgelegenheit, und um so mehr griff Roth und Hunger um sich. Schon vor Monaten hatten die Arbeiter nur das trockene Brod, und die Beschäftigung der Kinder hatte längst einem regelmäßigen Schulbesuch Platz gemacht. Inzwischen ist es natürlich noch schlimmer geworden, und die allernächste Zeit dürfte mancherlei traurige Folgen bringen. Ich habe beim Besuch der Minen überall Roth und Verzweiflung gefunden. Gegenüber diesem ziemlich seltenen Schauspiele, welches uns die hier körperlich schwer arbeitenden jüdischen Bergleute bieten, muß es uns besonders in Erstaunen letzen, daß allen landläufigen Vorstellungen zuwider. ihre Religionsgenossen diesen Vorgängen so wenig Aufmerksamkeit schenken. Von irgend welcher durchgreifenden Hilfsaktion kann nur äußerst wenig bemerkt werden und wahrscheinlich wird die Provinzial¬ oder Landesregierung Mittel und Wege finden müssen, um den Tausenden, die jetzt dort völlig subsistenzlos werden, anderweitig einen neuen Lebensunterhalt zu schaffen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. Mainz. (Geprellt!) Unter diesem Titel schreibt uns ein Leser des „Israelit" aus Baden: Dieser Tage führte mir ein glücklicher — oder unglücklicher Zufall die Belletristische Beilage der Heidelberger Zeitung „Heidelberger Familienblätter" zu. Daselbst war eine ganze Reihe anerkennender Schreiben abgedruckt, welche dem Verfasser eines Buches über Thierschutz zugegangen waren. Es fanden sich darunter mehrere Fürstlichkeiten, wie der Großherzog von Baden, König von Württemberg, die deutsche Kaiserin, die Königin von England, welche dem Verfasser auf seine Anfrage gestatteten, ihnen ein Exemplar seines Buches vorzulegen und ihm dann den üblichen Dank aussprachen. Daran reihten sich die Schreiben sonstiger Persönlichkeiten und besonders Vertreter des Thierschutzes, welche sich alle sehr anerkennend über das Buch äußerten. Unter diesen Anerkennungsschreiben zog besonders das Folgende meine Aufmerksamkeit aus sich: Tübingen,?. Dezember 1899. Ihr Buch ist eine positive Leistung im besten Sinne und ich könnte wirklich daran nur einzelnes Nebensächliche ausstellen u. s. w.