Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1900)
- Date
- 1900-02-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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299 lic salbungsvoll, „tuo [ofltc das arme Kind bleiben, während die Agitier krank liegt. Hier ivird es ihr an nickks fehlen. (Zs ist doch ein sauberes Kind?" „(Zin bildschönes Kind. Mama, mit hellblonden lockigen Haaren, die seltsam mit ihren großen dunklen Augen tontrastiren; ihre Kleidung ist zwar einfach aber nicht geradezu ärmlich und überaus sauber." Die Baronin nickte befriedigt. „Die Werner muß für sie sorgen, ich Iverde es ihr aus die Seele binden. Die Kleine wird aber hungrig sein, wer >veiß, wie lange sie nichts gegessen hat, ick iverde die Werner sofort beauftragen, daß sie den: Kinde ein gehöriges Abendbrod reicht!" Sie wollte bei diesen Worten aus den Schellenknöpf drücken, Hugo hielt sie zurück. „Laß nur Mama, ich gehe doch hinunter, um zu sehen, ob die Frau sich noch immer nicht geregt hat und ivas die Kleine mackt, ich Iverde der Werner Deinen Auftrag überbringen." „Thue das, mein Sohn, bedenke, daß es sich um ein verlassenes Christenkind handelt, das habe ich sofort an den Hellen Haaren erkannt." Der junge Mann preßte die Lippen aufeinander und verließ das Zimmer. „Und wenn es nun ein Judenkind wäre," flüsterte er in sich hinein. Als er hinunterkam. fand er das kleine Mädchen neben der Chaiselongue, die Hände der darauf Liegenden reibend und hin und Ivieder darauf hauchend. „Die Mutter hat so kalte Hände." klagte es. „Haben Sie nicht eine Decke, Frau Werner?" ivaudte sich Hugo an die Frau des Verwalters, „und noch (Zins, Mama läßt es Ihnen auf die Seele binden, dafür zu sorgen, daß es dem Kinde an nichts fehle, vor allem recht bald ein gutes Abenbrod." „Das soll geschehen," erwiedcrte die Frau des Verivalters, „was möchtest Du denn haben, Kind, ein Stückchen Huhn und Compott?" Die Kleine sah bittend zu ihr hinauf. „Eine Decke für die Mutter — bitte!" „Bringen Sie zuerst eine Decke," stimmte Hugo bei. Die Frau zuckte die Achseln, aber sie erwiederte nichts, öffnete einen Schrank und entnahm demselben einen Plaid, den sie über die Chaiselongue breitete. Die Kleine war ihr dabei behilflich und ehe sie sich dessen versah, hatte das Kind ihre Hand an die Lippen gezogen. „Dank, jetzt Ivird die Mlitter warm werden." Ergriffen neigte sich Frau Werner und drückte einen Kuß auf die klare Kinderstirne. „Jetzt bringe ich Dir gleich was Gutes zum essen, hast Du Hunger?" Das kleine Mädchen nickte bejahend, es hatte in der Thal seit Mittag nichts zu sich genommen, da vernahm man das Rollen eines Wagens auf dem Schloßhofe. „Das ist der Sanitätsrath," sagte Hugo, „jetzt ivird gleich der Doktor zu Deiner Mutter kommen." „Der Friedrich ist's," entgegnete Frau Werner, sie zum Fenster getreten war, aber der Sanitätsrath ist es nicht. Er ist vielleicht nicht zu Hause gewesen." Der Sanitätsrath war allerdings zu Hause geivesen, aber er hatte nicht so bald erfahren, daß es sich um eine fremde Frau handelte, die die Baronin auf der Landstraße gefunden, bei der überdies nach der Diagnose des Kutschers keine Hilfe mehr möglich, als er sein lebhaftes Bedauern aussprach, der Aufforderung der Baronin im Moment nicht entsprechen zu können, aber er fühle sich selbst leidend und dadurch außer Stande, die erforderlichen Wiederbelebungsversuche vornehmen zu können. Friedrich möge in die nächste Straße zu einem jungen Arzte fahren, der sicher bereit sein werde, ihn zu begleiten. Der .Kutscher war der Weisung gefolgt — und da trat auch schon der herbeigerufene Arzt mit leichtem Gruße in das Zimmer. Kaum hatte er einen Blick in das bleiche, starre Antlitz geworfen, als er sich an Hugo wandte: „Wollen sich der Herr Baron zurückziehen, die Frau muß von allem entkleidet werden. Auch das Kind bitte zu entfernen." „Es will nicht von der Mutter weichen," entgegnete Frau Werner. „Es muß," sagte der Arzt mit Bestimmtheit. Die Kleine fuhr zusammen, sie ergriff die Hand des Arztes und blickte mit ihren großen thränenumflorren Augen bittend zu ihm empor. „Darf ich nickt hier bleiben?" flüsterte sie, „ich Iverde ganz gewiß keinen Lärm machen." „Du bist ein braves Kind," versetzte der Arzt freundlich, „aber jetzt mußt Du auf ein Weilchen in ein anderes Zimmer gehen, ich rufe Dich dann wieder herein." „Komm' Elsa," sagte Hugo, ihre Hand ergreifend und sie sanft mit sich ziehend. „Aber die Mutter wird doch nicht zum lieben Gott gehen," stammelte sie schluchzend, „nicht wahr — nein?" — „Rein Kind, nein," tröstete Hugo, dasselbe an sich ziehend. „Deine Mutter wird hoffentlich wieder gesund Iverden und noch lange bei Dir bleiben." „Ist das gewiß?" fragte es halb zweifelnd, halb hoffend. „Wir wollen es hoffen." erwiderte er, indem er mit ihm in das Wohnzinimer des Verwalters trat, „und wollen den lieben Gott bitten, daß er Deine Mutter recht bald wieder gesund werden läßt — Du bist doch ein gescheidkes Kind und weißt sicherlich, daß der liebe Gott Alles kann." „Ja, das weiß ich," erwiederte es tief aufathmend, „und ich Iveiß auch, daß der liebe Gott Alles sieht, was Ivir thun, und Alles hört, was wir sprechen. — Lieber, lieber Gott," fügte es flehend hinzu, „laß doch die Mutter wieder gesund werden! — bitte, bitte! Ich