Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1900)
- Date
- 1900-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Br. ITrfrmsinn in Msinr Montag, den 12. Februar 5660 (1900). L eitender Artikel. Das goldene Halb. (Zu »rr r wie). Mainz, 11. Februar. I. Die Erzählung von dem goldenen Kalbe in unserer dieswöchentlichen Sidra gehört zu denjenigen Theilen der Thora, deren einfacher Wortsinn dem Verständniß große Schwierigkeiten entgegen stellt. Moscheh war auf Gottes Geheiß zum Sinaiberge hinangestiegen, um die zwei Bundestafeln von Gott zu erhalten (2. B. M.. Cap. 24, V. 12) und verblieb daselbst vierzig Tage und vierzig Nächte. Bevor uns seine Rückkehr erzählt wird, berichtet die Thora von der durch Gott angeordneten Erhebung eines Beitrages zur Errichtung der ersten Gottesstätte auf Erden und der dazu erforderlichen Geräthe. Unter diesen Geräthen ist das erste und bedeutungsvollste: die heilige, mit Gold belegte Lade—px—zur Aufnahme der Vundestafeln. Nachdem uns erzählt worden ist, daß diese beiden steinernen Tafeln Moscheh von Gott überreicht worden waren, wird uns nun die Rückkehr Moscheh's vom Berge berichtet und werden die Vorgänge erzählt, die sich im Volke wegen der vermeintlich verzögerten Rückkehr des Führers vollzogen haben. Die Darstellung der Vorgänge, welche zur Herstellung des goldenen Kalbes führten, leiten mit den Worten ein:e>L>2'2 Lyn x-,** „Ms das Volk sah, daß Moscheh zögerte, voni Berge herabzukommen, versammelte sich das Volk wider Aharon, und sie sprachen zu ihm: Auf, mache uns Götter, welche vor uns hergehen sollen, denn dieser Mann Moscheh, der uns aus dem Lande Mizrajim heraufgeführt hat, wir wissen nicht, was ihm geschehen ist. (2. B. M.. Cap. 32. V. 1.) Die gewöhnliche Auffassung, welche die zu schaffenden Götter als Stellvertreter Moses ansieht, kann doch nur einen Sinn in der Voraussetzung haben, daß bisher Moscheh göttliche Verehrung bei seinem Volke genoß, und daß in Folge seines Ausbleibens die Nothwendigkeii eintrat, als Ersatz für den nicht vorhandenen Moscheh, andere Götter zu schaffen. Diese Voraussetzung wäre aber durch nichts von alledem gerechtfertigt, was wir über die Beziehungen Moscheh's zu Israel wissen. Wir finden nicht nur nirgends, daß Moscheh von seinem Volke göttlich verehrt wurde, sondern die Vielsachen Klagen und Revolten, die gegen Moscheh gerichtet waren und füglich Moscheh den Ruf erpreßten, daß nur wenig zu seiner Steinigung fehle, sprechen für alles andere eher, als für eine solche abgöttische Verehrung. Als Grund für die Schaffung neuer Götter wird die Nothwendigkeit eines Führers —wdS :2b' uph— an Stelle des abwesenden Moscheh angegeben. War diese Nothwendigkeit wirklich vom Volke empfunden, so lag es doch ungemein nahe, daß an Stelle Moscheh's nun Aharon die Führung übernehmen solle. Traute man ihm aber die Kraft hierfür nicht zu, wie kann man sie einem Geschöpf seiner Hand zutrauen wollen? Außerdem wird hier Moscheh vom Volke ausdrücklich als derjenige bezeichnet, der es aus Mizrajim geführt hat, 2'7L2 pw2 iVx, wie konnte dasselbe Volk diesen Auszug später . seinen neugeschafsenen Götzen zusprechen und sagen: dxw i'.Px r6« c’ij® ps« "^yn. „Das sind deine Götter Israel, die dich aus dem Lande Mizrajim heraufgeführt haben?" Auch die Mehrzahl ist auffallend, da es doch nur e i n Kalb war, dem dieser Ruf galt. Dieselbe Schwierigkeit tritt schon bei dem Verlangen nach mehreren Göttern an Stelle des einen Moscheh hervor. Befremdend dürfte auch der Umstand sein, daß unter allen Schmucksachen von Aharon nur die Ohrringe' verlangt wurden, während wir doch aus anderen Stel