Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1900)
- Date
- 1900-02-08
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449062--50060-2500518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
41. Jahrgang. eilage zu M \ 12 des „Israelit". ^ettung-nschrtchLeu uus> <5orrefpondenzer» D t rr t s ch l a n d. Mainz, 9. Febr. Ein scheußlicher Viord aus religiösem Wahnsinn fand in einem Dorfe in der holländischen Provinz Gelderland statt. Ein handelt sich um ein veritables Menschenopfer, wie solche sonst nur unter den Fetischanbetern im schwärzesten Afrika vorzutommen pflegen. Die Thäier sind ultraorthodoxe Protestanten, die aus einem Knechte den Teufel austreiben wollten und ihn deßhalb mit einem eisernen Rohre zu Boden schlugen. Der Thäter Scherf behauptet, der Stifter der christlichen Religion zu sein. Gleichwohl erfrecht sich die „Berliner Staatsbürgerzeitung," an diese Mittheilungen folgende Bemerkung zu knüpfen: „Die Mittheilung ist unklar. Da von einem „Ritualmord" die Rede ist, kann nur eine jüdische Sekte gemeint sein. Es wäre von Wichtigkeit, hier vielleicht dem jüdischen Blutglauben näher auf die Spur Zu kommen." Angesichts solcher Gemeinheiten muß man sich unwillkürlich fragen, ob es denn noch Richter in Deutschland gibt, die sich des Rechtes, das in diesem Schmach blatte seit vielen Jahren mit Füßen getreten wird, annehmen? Mainz, 11. Febr. („Der neueste antisemitische Schwindel.") Eine Anzahl antisemitischer Blätter — in Berlin die „Staatsbürgerzeitung," „Tägl. Rundschau" (!), „Deusche Tageszeitung," u. a. — veröffentlichen nach dem Vorgang des Wiener „Deutschen Volksblattes" unter der Üeberschrift: Millionen für — Hilsner" einen Aufruf zu Geldsammlungen, der angeblich von der „Qesterreichisch-israelitischen Union" an hervorragende Juden versendet worden sei. „Ein solcher Aufruf ist niemals beschlossen, an Niemanden versendet, noch sonstwie zu Geldsammlungen benützt worden." Da es sich hier um einen mit dem Namen der Oesterreichisch-israelitischen Union getriebenen plumpen Mißbrauch handelt, warnt die Oesterr.-israelitische Union" die Israeliten ausdrücklich, sich auf Grund dieses Schriftstückes Geld herauslocken zu lasten und bittet dringend, Jedermann, der mit einem solchen Ansinnen an sie herantreten sollte, sofort polizeilich festnehmen zu lassen. Der Vorstand der israelitischen Union hat der Redaktion des Wiener „Deutschen Volksblattes" nachstehende Berichtigung zugesendet: Herrn Georg Ruhsam, verantwortlicher Schriftleiter des „Deutschen Volksblattes," Wien. Auf Grund des Paragraphen 19 des Pr.-G. fordern wir Sie auf, nachstehende Berichtigung in gesetzlicher Form und Frist aufzunehmen: „Es ist unwahr, daß der in Nr. 3983 des „Deutschen Volksblattes" vom 4. Febr. 1900 unter der Üeberschrift „Millionen für — Hilsner" veröffentlichte Aufruf von der „Oesterreichisch-israelitischen Union" versendet wird oder versendet wurde. Wahr ist vielmehr, daß dieser Aufruf vom Vorstände der „Oesterreichisch-israelitischen Union" oder der Leitung des Rechtsschutz- und Abwehrbureaus dieses Vereines niemals berathen, beschlossen, an Niemanden versendet, noch sonstwie zu irgendwelchen Geldsammlungen benützt wurde." Achtungsvoll „Oesterreichisch-israelitische Union." Für den Vorstand: Dr. Anninger, Präsident. Für das Rechtsschutz- und Abwehrbureau: Siegfried Fleischer, Sekretär. Berlin, 9. Febr. In der Budgetcommission des Reichstages wurde heute der Militäretat berathen. Abgeordneter Dr. Lingens wünscht, daß den jüdischen Soldaten die Ausübung ihrer religiösen Bedürfnisse ermöglicht werde. Kriegsminister von Goßler antwortete, daß schon heute die Juden möglichst an ihren Feiertagen vom Dienste dispensirt werden, während des Manövers aber sei das nicht möglich. Dr. Lingens wünscht, daß jüdische Soldaten mindestens monatlich zum Gottesdienste kommandirt würden. Kriegsminister v. Goßler: Die vielen jüdischen Feiertage machen ihre strenge Beachtung für uns unmöglich. In der ganzen Armee stehen nur etwa tausend Juden. Dafür besondere Einrichtungen zu treffen, erscheine unnöthig. (Die Zahl ist offenbar zu niedrig gegriffen, vielleicht ist einer unserer Leser in der Lage, hierüber Genaueres erfahren zu können? Red.) Frankfurt a. M., 6. Febr. („Montefiore, Verein zur Förderung der idealen Interessen jüdischer junger Leute.") Auch in diesem Jahre darf der Verein auf eine Zeit erfolgreicher Arbeit zurückblicken. Die Mitgliederzahl hat sich durch den Eintritt von ca. 90 Mitgliedern (etwa 49 sind wegen Wegzuges ausgeschieden) auf etwa 700 erhöbt und die Vorträge erfreuen sich demgemäß eines immer zunehmenden Besuches. Wir hörten 1899 Vorträge der Herren Dr. Walter, Dr. Kahn, Dr. Levy, Droller, Schott, Dr. Stern, Dr. Neuwirth. Dr. Heinemann, B. Rosenthal, Braun, Dr. Jakob Horovitz und I. Mols, welche sowohl Themata aus der jüdischen Geschichte und Litteratur, wie auch andere behandelten. Neben diesen Vorträgen, die jeden Mittwoch stattfanden, hat der Verein Kurse eingerichtet, in welchen Schönschreiben, kaufmännisch Rechnen, Fran-