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Der Israelit · 1900-02-01 · Heft 10 (1.2.1900) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 10 (1.2.1900)
Date
1900-02-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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! 204 llcbelftänbc gemacht worden, eö ist jedoch beim bloßen Versuch geblieben, und so sieht man am Morgen eines jeden Schabbos die mit Fleisch beladenen Wagen der jüdischen Fleischer vor ihre Verkaufsläden Vorfahren und das Fleisch abladen, welches theilweise am Schabbos verkauft werden soll. Der Gemeinde-Vorstand hat zwar auch den guten Willen zu erkennen gegeben, diese Mißstände zu beseitigen, in dem er einem jeden Fleischer, welcher wegen dieser Handlungen offiziell zur Anzeige gebracht wird, den Schochet entziehen will, cs will sich jedoch kein Ankläger finden und so sind denn nicht allein der Herr Rabbiner, sondern auch die glaubenstreuen Gemeindemitglieder gezwungen, ihren Bedarf an Fleisch von den hiesigen Fleischern zu entnehmen. lieber die Schule und Mikweh berichte ich ein andermal. Heute will ich nur noch einer Einrichtung erwähnen, welche der seit einem Jahre hier amtirende Rabbiner Herr Simon B a m b e r g e r , der Sohn des berühmten Districtsrabbiners Herrn Bamberger aus Würzburg, in's Leben gerufen. Auf besonderen Wunsch vieler Frauen ertheilt derselbe seit zwei Monaten allen nicht mehr schulpflichtigen jungen Damen Unterricht im Hebräischen und in Religion. Als Kuriosum bezüglich dieses Unterrichts will ich nur anführen, daß fast alle Damen noch einmal das Aleph-Beth lernen mußten und daß von biblischer Geschichte keine Spur von dem ans der Schule Gelernten mehr vorhanden war. -7 Stuttgart (Hoftheater). Die Zeitung „Deutsche Bühnengenoffenschast" schreibt: Unser Institut trifft die Vorbereitungen zu einer seltenen Feier, die gewiß geeignet erscheint, auch die weitesten Kreisen der Bühnen-Angehörigen zu interessieren. Am 3. Februar c. feiert der Nestor der deutschen Tenöre, der weithin berühmte Meister des Gesanges, der König der Kantilene, Heinrich Sontheim, seinen achtzigsten Geburtstag und wird bei diesem Anlaß — zu Gunsten unserer Genossenschaft — nochmals auf unserer Bühne, der Stätte, von der aus er so manchen frenetischen Beifall entfesselt, erscheinen. Zu diesem Zweck wird Raimunds „Verschwender" neu einstudiert (welch' feine Anspielung, wie verschwenderisch der große Heinrich mit dem Gold seiner Töne um sich werfen durfte!) und der Jubilar erscheint in der Soiree des reichen Flottwell als Ehrengast, um zwei köstliche Perlen aus dem Schatze seiner Kunst auf dem Altar der Wohlthätigkeit zu opfern. Wie Cheristanens Perle den glückspendenden Geist Azur hervorzaubert, so werden die herrlichen Gaben des allverehrten und vielgeliebten Sängers die Schaaren feiner Freunde locken und somit dem guten Zweck Heil und Segen werden. Rußland. Moskau. Aus Kiew waren nach der „Düna- Ztg." Frauen jüdischer Handwerker ausgewiesen worden, weil sie sich mit Milchhandel beschäftigten, um ihren Männern bei der Beschaffung der Existenzmittel für die Familie behülflich zu sein. Der Dirigirende Senat hat nun bei Prüfung dieses Falles entschieden, daß kein gesetzliches Hinderniß vorliege, daß jüdische Handwerker, die ihr Gewerbe ausüben, sich nicht auch nebenbei mit anderen Erwerbszweigen beschäftigen können, falls diese den Juden nicht direct verboten sind (wie z. B. Pachtung ländlicher Betriebe u. dgl.) In einem anderen Falle hat der Senat dagegen erkannt, daß das Fleischerhandwerk nicht zu denjenigen Gewerben zu rechnen sei, welche Juden das Recht gewähren, als Handwerker außerhalb des AnsiedlungSrayons zu leben. P a l a st i n a. Jcr»»sale»». lieber die jüngsten Ausgrabungen berichtet Sir Charles Wilson Namens der „Palestine Exploration Fund." Bedauernd wird in dem Jahresberichte festgestellt, daß zahlreiche Antiquitätenhändler sich im Lande aufhalten und von den Eingeborenen alle irgendwie aufzutreibenden Reste der alten Culturstätten auszukausen. Man kann sich leicht denken, wie von den Eingeborenen dabei verfahren wird, hat doch der tüchtige französische Aeghptologe Mariette selber drastische Beispiele erlebt, wie es mit der Alterthumswissenschaft in den „gebildetsten Kreisen" Kairos aussieht. Mariette ließ 3L mächtige mit Hieroglyphen über und über bedeckte Steine nach Kairo transportieren, wwselbst man die Kolosse in der Citadelle als Sehenswürdigkeit aufstellen ließ. Ein hoher Verwaltungsbeamter wurde dann beauftragt, diesen sehenswiirdigen Steinen ein gefälligeres Aussehen zu geben, indem man die Inschriften säubcrlichst — abschleifen ließ. Jerusalem. Wir hatten in den letzten Tagen hier einen lieben Gast, Miß Olga d'Avigdor, welche am 27. Dezember in Begleitung einer befreundeten Dame hier ankam. Sie hatte die Evelina Rothschildschule einer Prüfung unterworfen, dann aber auch die anderen hiesigen Institute besucht. Am Freitag besuchten die Damen die Klagemauer und am Samstag waren sie in der Privatsynagoge des Chacham Baschi, dem Miß d'Avigoor dann einen Besuch abstattete. Nicht geringe Freude bereitete sie dem würdigen Manne dadurch, daß sie sich mit ihm im schönsten Hebräisch unterhielt, und auf seine erstaunte Frage, wie sie dies in England erlernt habe, theilte sie mit, daß sie Rev. Singer in London ihre Erfolge im Hebräischen verdanke. Miß d'Avigdor wird Jerusalem am 10. Januar verlassen, um nach Konstantinopel weiter zu reisen. — Da die hiesige Abarbanell-Bibliothek, die schon 16,000 Bände zählt, nothwendig bessere Räume braucht, so hat das Bibliotheks-Comite unternommen, ein eigenes Gebäude für die Bibliothek zu errichten und schon einen passenden Platz dazu erworben. Es ist freilich ein kühnes Unternehmen, mit so geringen Mitteln an ein so großes Werk zu gehen, allein man hofft hier, daß uns Europa nicht in Verlegenheit lassen wird. Das Comite besitzt freilich nur 6600 Frs., während der Bau im Ganzen ca. 30,000 Frs. kosten wird, indessen sagt man hier, daß von London aus große Beiträge für den Bau zu erwarten seien. Hoffentlich ist dies keine Enttäuschung. _

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