Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41. Jahrgang. Zweite Beilage;u M10 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Nabrnng des gesunden i Men Magens. Zar Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd. Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) VI. Normale Verdauung. Magenkrankheiten und ihre specielle diätetische Behandlung. Die Nahrungsmittel müssen, bevor ihre Aufnahme in die Körpersäfte und ihre Verwerthung für den Aufbau des Organismus erfolgt, einen gar langen Process durchmachen — sie müssen vorher verdaut, in einen gelösten Zustand übergeführt werden. Die Speisen werden vorerst im Munde durch den Kauakt vermittels der Zähne zerkleinert, wobei sich ihnen der Speichel mit seinem wirksamen Bestandteile Ptyalin zugesellt. Dieser besitzt die Fähigkeit, die mehlhaltigen Stoffe, die Kohlehydrate, in die den Magensäften zugänglichere Form des Dextrins überzuführen. Vom Munde gelangen die zerkleinerten Speisen durch die Speiseröhre hindurch in den Magen, welchem nunmehr das Hauptgeschäft der Verdauung zufällt. Der Magen ist eine in Form eines Sackes gestaltete Ausbuchtung des Verdauungskanals, dessen innere Fläche von Schleimhäuten bedeckt wird, wähl end ihn von aussen kreuz und quer Muskelbündel durchziehen. Der Magen setzt sich in den Zwölffingerdarm und dieser wieder in den Dünndarm fort, an welchen sich der Dickdarm mit dem Mastdarm anschliesst. Die Därme bilden also nur eine Fortsetzung des Magens und hängen mit ihm innig zusammen. Die Magenschleimhaut wird von verschiedenartigen Drüsengebilden durchsetzt, welche, unter dem Einflüsse von Nerven stehend, hei Gegenwart eines Reizes, und mag dieser auch in der mechanischen Einwirkung der Speisen bestehen, die für den Verdauungsprocess so wichtigen *) Vergl. Nr. 89 de« vor. Jahrganges des „Israelit“. Verdauungssäfte — Salzsäure, Pepsin, Labferment — absondern. Einem jeden dieser Säfte fallt für den Act der Verdauung eine besondere Bedeutung zu, eine Hauptrolle spielt dabei das Pepsin, in dem es bei Anwesenheit der Salzsäure auf die Eiweisskörper derart einwirkt, dass sie in eine löslichere Form, in Peptone, umgewandelt werden. Doch wie die Verdauung nicht im Magen ihren Anfang nimmt, so findet sie daselbst auch nicht ihr Ende. Nachdem die Speisen je nach dem Grade ihrer Verdaulichkeit eine Zeit lang der Einwirkung der Magensäfte ausgesetzt waren, werden sie durch die in Action tretende Muskelkraft des Magens weiter in den Darm befördert. Auf dem Wege dahin gesellt sich den Speisen der ausgeschiedene Saft der Bauchspeicheldrüse und der Galle bei, welche die noch unverdauten Bestandteile der Nahrung günstig beeinflussen, indem sie einerseits die Wirkung des Speichels und des Pepsins ergänzen und andererseits die Fette in eine feinkörnige, haltbare Lösung überführen und spalten. Jetzt erst sind die Nährstoffe in einen feinzerstäubten Zustand übergeführt, der es ermöglicht, dass sie durch die dünnen Schichten der Darmschleimhaut durch - sickern und in die Lymph- und Bluthahnen gelangen, auf denen sie ihrer entsprechenden Bestimmung entgegengebracht werden. Zwar gehen schon im Magen gewisse wasserlösliche Bestandteile, zumal die Peptone, durch seine Wandungen in den Körpersaft über; die eigentliche Aufsaugung, Resorption der Nährstoffe, findet aber erst am Schlüsse der Verdauung im Dünndarm statt. Die unverdaut gebliebenen Reste der Nahrung bleiben im Darm liegen und werden vermittels der Muskelbewegungen des Darmes als belanglos aus dem Körper entfernt. Wir haben also gesehen, dass der normale Vorgang der Verdauung an gewisse Faktoren geknüpft ist, die vor Allem in der genügenden Absonderung der Verdauungssäfte und in den austreibenden Kräften der Magenmuskeln bestehen; fehlt einer dieser Faktoren, so muss naturgemäss die Verdauung Not leiden, es treten Störungen ein, welche sich je nach ihrer Quelle und Ursache bald in dieser, bald in jener Weise fühlbar machen. Am häufigsten begegnen wir der sogenannten catarrhalischen Form von Magenerkrankungen, *) bei denen infolge einer Entzündung, einer *) Gerade diese Form treffen wir bei den Juden -<elir häutig an.