Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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192 auch des hohen Thum-Stiffts zu Prag ProbstenS, weiter bist in die Kirchen, unter dem herrlichen Paucken und Trompeten-Schall den Sarg begleitet, auch dem darauf gesungenen Hohen-Ampt im beyseyn vieler tausend Personen mit beygewohnt haben. Nach vollendetem Ampt aber ist der Weyh-Bischoff in einen meisten silberreichen Vesper-Mantel, in gewöhnlichem Bischofflichem Zierrath, zu dem Altar getreten, und hat nach dem im Chor abgesungenen Salve Regina, die Collectam gesprochen, ist hieraus dem Grab zugegangen, wohin man auch den Sarg in voriger Ordnung getragen. Daselbst, nachdem er ihn mit Weyh-Waster besprenget, und mit dem Weyhrauch angerauchet hat, ward der also öffentlich geehrte Cörper dieses Knabens in einem zu Fleiß ausgehauenen Stein eingeleget, mit einem andern vermauert. Bey welchen so feherlichen Functionen all das Voll eine überaus große Andacht und sehr viel Thronen in Augen, mit einer ziemlichen Auferbanung verspüren lasten." So theilt uns der Berichterstatter mit. Als die Kirchenceremonie beendet war, drängte und strömte die Volksmenge aus der Kirche. Aus dem Altsiädter Ringplatz siel es urplötzlich einem Weibe ein, auf die Juden zu schimpfen. Sofort ergriff eine an Wahnsinn grenzende Aufregung Jung und Alt. Fanatische Weiber, von ebensolchen Mönchen aufgestachelt, rannten durch die Straßen und riefen gräßliche Verwünschungen aus die Häupter der unglücklichen Juden herab. Der Pöbel rannte der Judengasse zu, die innere und äußere Thorwache bei Seite stoßend, stürzte in die Häuser der Juden, raubte alles Werthvolle und zerschlug die Möbel. Die Personen wurden mißhandelt, blutend, mit zerrissenen Kleidern und gebrochenen Gliedern, fast leblos aus die Gaste geschleppt. Alles dies, wie sie schrieen, um den Knabenmord zu rächen. Wer weiß, wie schlimm es diesen Armen noch ergangen wäre, wenn der anwesende Statthalter, Graf Sternberg, nicht in aller Eile die Bürgerwache nach der Judengasse geführt und dem Plündern und Schlagen Einhalt geboten hätte. Noch aber war der sogenannten Gerechtigkeit nicht Genüge gethan; man fuhr fort, dem Löb Kurzhandl den Prozeß zu machen. „llnd weylen er durchaus nit gestehen wollen, daß er bey Entleibung des Schimele Abeles nit solte Hand angelegt haben, und trotz aller Peinigung dabei verblieb, daß er unschuldig sei. wurde er mit Josel confrontirt. Letzterer schwur den damals für die Juden geradezu schaudererregenden Eid, daß er gesehen, wie Lazar Abeles mit Hilfe des Löbl Kurzhandl den Knaben mit Holzstücken geschlagen, und trotz dessen jämmerlichen Schreien nicht anfgehört, bis der Knabe todt zusammengesnnken war. Lea Abeles sei ans ihrem Bette gesprungen und habe aufgeschrieen: „Ihr habt mein gutes Kind ermordet." Auch Lea und Reb Livme wurden einvernommen. Die Erstere mußte in den Gerichtssaal hineingetragen werden, sagte unter stetem Weinen und Stöhnen alles, was sie mitangesehen hatte, wahrheitsgemäß aus, bestätigte auch, daß sie, als ihr Kind zusammengesunken sei. trotz ihrer großen Schmerzen ans dem Bette gesprungen und wie angegeben ausgerufen habe: „Ihr habt mein .Kind ermordet," dann sei sie ohnmächtig worden und wisse nicht, was weiter geschehen sei. Genau dasselbe sagte auch Reb Lipme aus. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeömal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. Zf. S l e i n a ck r r, Leipzig, Nohplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. 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