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Der Israelit · 1900-01-29 · Heft 9 (29.1.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 9 (29.1.1900)
Date
1900-01-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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179 selb Adelebsen, betraut; eine diesbezügliche Mittheilung soll durch die jüdischen Zeitungen bekannt gegeben werden. Perl in, 26. Jan. (Impotenz des R a b - b i n e r v e r b a n d e s.s Schon sofort nach der Consliluirung des Allgemeinen Rabbinerverbandes habe ich an dieser Stelle ans die Ungeheuerlichkeit und Unmöglichkeit hingetvicsen, die eine Verbindung von Rabbinen dedentet, welcbe in den aktuellsten Fragen so vollständig iin Veiten anseinandergehen. Gs gibt keinen Verband, de: stark genug >väre, um Gegensätze auszusöhnen, die knie Tag und Rächt, wie Sein unö Schein sich schroff einander gegenüber sieben. Man kann schon eine Zeit lang Versteckens und Verbandchcns spielen, aber dasi diese Täuschung -- im günstigsten Falle Selbsttäuschung nicht dauernd vorhält, das tonnte man ebne viel prophetische Begabung vorauSsehcn. Dasi aber selbst zum Schein dieses Verbandsspiel nur möglich ist, so lange der Verband absolut nichts Npii, tvcil die Geister aufeinander stoßen, sobald sie nur Miene machen, sich zu einein Thätchen aufzuraffen, das bat die Sitzung des Centralausschust'eS bewiesen, die vorigen Monat hier siattfand und über welche Sie eingehend in Rr. 2 des „Israelit" berichteten. Danach hatten die zehn versammelten Rabbiner des Ausschusses folgende sieben Gegenstände zu erledigen : 1. Petition um Einführung von obligatorischem Religionsunterricht. 2. Petition um Einführung einer Religionsnote ins Abgangszeugnis;. Gründung einer Pensionstaste. 4. Lehrmittel für den Religionsunterricht. 6. Autorisation der Rabbiner. <!. Petition an den Gemeindebund betr. Stellung der Rabbiner. 7. Befreiung der preußischen Rabbiner von Rom munalsteuern. Und wie bat das rabbinische Deeemvirat diese Gegenstände durch seine Verhandlung erledigt oder doch gefördert? Betreffend Punkt 1 lautet der Beschluß, von der Abscndnng der Petition Abstand zu nehmen. Also Resultat: null. Punkt 2 soll in suspenso gehalten werden; ein schönes Fremdwort für null. Punkt -“> wird durch den Beschluß erledigt, eine Kommission zu ernennen, um einen Aufruf zu redigiren! Wer die parlamentarische Bedeutung dieser Kommissionen als anständige Begräbnißform schwieriger Anträge kennt, schwankt, ob er diese Art der Gr lcdiguug mit null oder mit Minus null bewerthen soll. Bei Punkt 4 müßte man eigentlich die Verhandlungen noch einmal abdrucken, um den vollen Gindruck der Nullität zu eonstatiren. Gr gipfelt wiederum in dein Beschluß, eine Kommission zu bilden. Punkt 6 wird nach langer, fruchtloser Debatte beschlossen. auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen; also wieder null. Punkt 6 beschließt , ein kurzes Schreiben an die Gemeindevorstände mit der Aufforderung zu richten, einen Vertreter zu der Versammlung des Gemeindebundes zu senden. — Die Taxirung dieses Beschlusses behalten wir uns vor, bis die Stellung der Rabbiner sich durch ihn gebessert haben wird. Punkt 7 ist keine Folge zu geben: also null! Für Regeldetrie-Kenner fügen wir noch die Frage bei: Wenn der Verbands-Ausschuß, der nur ein Min jan Rabbiner präsentirt, als Frucht seiner Thätigkeit sieben Nullen zu verzeichnen hat, wie viel Nullen werden dann zu erwarten sein, wenn im Sommer 00 der Verband erst wieder in Pleno berathen und Beschlüsse fassen wird? Berlin, 26. Jan. Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg hat sein Mandat als Vorsitzender der deutsch-sozialen Reform-Partei niedergelegt und zwar mit der Begründung, daß seiner Ansicht nach die Politik, die er anderen Parteien und Richtungen gegenüber für nöthig hält, durch die Wahl der Parteileitung nicht gewährleistet sei. Rheydt, 26. Jan. (S ch ä ch t f r a g e.) Gegen das neuliche Urtheil des Bezirksausschusses zu Düsseldorf in der Angelegenheit der Einschränkung des SchächtenS im hiesigen Schlachthause haben die betheiligten Metzger Einspruch beim Oberverwaltungsgericht in Berlin erhoben. Rußland. Petersburg. Ein typischer Fall russischer Gerechtigkeit gegen Juden wird aus Nowo Krainko berichtet. Nach den Aufständen, die in Nikolajeff gegen die Juden stattgesunden hatten, petitionirten die Juden von Nowo Krainko beim Gouverneur um besseren Schutz, da sie auch in ihrer Stadt Grund hatten, Judenexcesse zu fürchten. Der Gouverneur wies jedoch die Bitte zurück und der Prokurator hat jetzt eine Verfolgung gegen die Unterzeichner jener Petition eingereicht, weil dieselben angeblich falsche Nachrichten verbreitet haben sollen. — Graf Da wisch hat 160,000 Rubel zur Begründung einer Ackerbauschule gegeben und dabei die ausdrückliche Bedingung gestellt, daß diese Schule jedem ohne Unterschied der Religion offen stehen solle. Je seltener ein Act derartiger Toleranz in Rußland ist. um so dankbarer muß er anerkannt werden. — Die Jewish Colonisation Association hat der Golonie Kraswaseli im Gouvernement Tsdhernigow 10,000 Rubel bewillig! für die Vergrößerung dieser Ansiedlung. Die Summe soll in 60 Jahren ohne Zinsen zurückgezahlt werden. — Während der Regierung Alexanders III. hatte der Senat eine Verfügung erlassen, welche die Anstellung von Juden als Steuer-Jnspectoren untersagte. Diese Verfügung ist jetzt mit der Begründung aufgehoben worden, daß gerade Juden dieses schwierige Amt ihren Glaubensgenossen gegenüber besser verwalten würden, als Nichtjuden.

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