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Der Israelit · 1900-01-29 · Heft 9 (29.1.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 9 (29.1.1900)
Date
1900-01-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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m 41. Jahrgang. «WWW» 9 des »Israelit". Leitender Artikel. lamm Mts üas bei uns ln Dklilschlnn» nicht? Von M\bb. Dr M. L. Bamberger Schildberg. In Stummer ö biete? Blatte? lunrbe von der höchst iiculichcn Erscheinung in der Schweiz berichtet, dnst ninlict) in Basel und in Zürich Bote Niidroschim sind,; Venen allabendlich gelernt wird, und zwar von Baale mini, die nach de? Tage? Mühen im pren annnlnng und Erholung finden. „Warum gibt? da? 'i an? in Deutschland nicht," lautet der Borwurs, den ncr Rcisebeschreiber „Aus der Winterfrische" uns zulsi! Der Borivnrs ist ja nicht unbedingt berechtigt, ■ gibt ja G. s. D. noch viele .Lehillaus in Deutschland, i B. Frankfurt, Hamburg, Würgburg, Posen u. a., 1 venen noch Baale Battim zum Schiur ins Beth-Halidrosch kommen. Dieser Borivnrs hat trotzdem gang und voll seine tzrcchtigung für Deutschland im Allgemeinen, denn uic Lehillaus, in denen noch gelernt ivird, sind so weig 22N2' pp Woher kommt es aber? Was ist die iisache dieses Schwindens des „Lernens"? Soll etwa liiere materialistische Zeitströmung die Schuld aus sich elnuen? Das kann keineswegs behauptet iverden; man sogar geneigt, die Behauptung ausgustellen, daß der gidc i'n Gegensatz gu seiner nichtjüdischen Umgebung, ch ciivas Idealismus gerettet hat, ivenn auch unsere;eintc uns stets des Mamonisuius geihen! Als Beweis könnten die gahlreichen Litteratur eicine, mit ihren noch zahlreicheren Bortrügen, gelten.?c!che nie und nimmermehr als Ersatz für Talmud- Dora Bereine angesehen iverden dürfen, aber immerin uns geigen, daß der Jude auch wissenschaftlichen Gingen Interesse entgegenbringt, wo immer ihm solche cboten iverden. Biclfach wird die Sache von den Mitgliedern der ütic-raturvereine derart ernst behandelt, daß man klar >ro deutlich die Empfindung hat, die Leute glauben m dem Anhören eines Litteraturvortrages eine nxc - n - L' rci! erfiillt gu haben. Ist dies nun gerade uch nicht immer — oder doch vielleicht nur höchst sel- - - ber Fall, so ist solcher Eifer für wissenschaftliche Erträge immerhin anerkennenswerth. Sehen mir nus nun einmal um nach dem geistigen iuter dieser Litteraturvereine in den großen, noch mehr oer in den kleinen Kehillaus! Fast überall begegnet) ns als solcher der Rabbiner ---- oder, da wo ein Rabbiner nicht am Orte ist — der Lehrer als der Gründer und der Leiter dieser Vereine. Ihrem Einflüsse gelingt e? in den meisten Fällen, die Angehörigen ihrer Gemeinden zur Theilnahme an den Vorträgen zu geivinnen. Warunr machen die Herren nicht auch nach der anderen Richtung hin ihren Einfluß geltend? Warum gewinnen sie ihr Publikum nicht auch für pnin 112b Wie ich bereits früher einmal in diesen Blättern geschrieben, dürfen die Litteraturvereine nicht als Selbstzweck aufgefaßt iverden, sie sind einmal kein Ersatz für p 'rrn. können es nicht sein, sie können im günstigsten Falle nur als Mittel zuni Zweck dienen, 'pHpr; wrriji’znx anzuregen. Warum aber — so ist man iveiter zu fragen geneigt — vergessen leider so viele Rabbiner und Lehrer, Thora gu verbreiten? Sehr naheliegend ist die Antwort! Biele Rabbiner und Lehrer — ich will rn nicht allen diesen Vorwurf machen — glauben, wenn sie ihr Examen bestanden haben, das Thora-Studium nicht mehr pflegen zu brauchen, halten es für eine unnöthige Mühe, die sie auf sich nehmen, wenn sie selbst lernen, geschweige denn, wenn sie mit andern lernen wollten! Da werden jahrein, jahraus so und so viele Lehrer¬ und Rabbiner-Versammlungen abgehalten, es wird über „Hebung des Standes," über „Pensionsverhältnisse" gesprochen und debattiert, niemals wird jedoch etivas darüber zu lesen sein, daß unter den Kollegen eine Aussprache über eine schwierige Talmudstelle, über ein Tosaphot oder gar über einen „harben Rambam" stattgefunden hätte. Wenn die Rabbiner und Lehrer wüßten, daß bei ihren Versammlungen auch einmal „gelernt" würde, dann würden sie sicherlich auch zuhause lernen, man will doch nicht durch Unwissenheit glänzen und n 2 t? x: n 2 b s S b> "p n ö , dann würden sie aber auch zuhause lehren, weil bekanntlich durch das Lehren man sich am besten Gründlichkeit im Lernen aneignet a'rss “irr '-v2ch".2i! Ein einziger Verein ist mir bekannt, der wirklich nTr “TsSn pflegt, und zwar mit sichtbarem Erfolge, es ist dies jene Gruppe von c’Jii im Elsaß, die alle 2—4 Wochen zusammen kommen, über ein pJV das von Allen zu Hause gelernt wurde, sich aussprechen, sich gegenseitig belehren und anregen, das ist in der That eine 2'2v> X'NV n'272 ' die allgemeine Nachahmung verdient, und wenn sie solche findet, auch geeignet ist, der Frage „Warum gibt's das bei uns in Deutschland nicht," die Berechtigung zu entziehen. Auch dem Herrn Correspondenten aus Baden in Nummer 5 d. Bl. möchte ich diesen Rath zu ertheilen mir gestatten. Sorgen Sie „durch Gründung eines Vereins gesetzestreuer jüdischer Männer, der sich über ganz Baden erstreckt," für die Hebung des religiösen Le-

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