Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 6 (18.1.1900)
- Date
- 1900-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Audenthurn. Begründet von Dr. 1T> fjmatm in Utainf Donnerstag, den 18. Januar 5660 (I960). Für Msvkr abonnirl man bei allen Postanstalten für den Monat Februar u. März auf den ,.Israelit ". Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnsitzes des Bestellers ooer bet dem betreffenden Landbriefträgrr aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Dir Grpr-Uion des „Israelit". Leitender Artikel. Der Austritt aus der ZMagvgeu-GkMinde iu KöuWers i. Dr. Mainz, 17. Januar. Es ist das alte Lied. In einer alten jüdischen Gemeinde gelangt das Heft der Gemeinedeverwaltung im Laufe der Jahre in die Hände neuerungssüchtiger Reformjuden, die sich im practischen Leben über die fundamentalsten Gesetze des Judenthums serupellos für ihre Person hinwegsetzen. In der Gemeinde lasten sie das Alte, Hergebrachte anfänglich ruhig weiter vegetiren, iu der unausgesprochenen, sicheren Erwartung -iy nyr nKnrtrt'aft es mit der Zeit schon von selbst verwittern u. Versalien werde. Dieses religiöse Manchesterthum geht soweit, daß die Gemeinde nicht einmal mehr eine eigene Schechita hat, sondern diese die Reinheit unseres genießenden Lebens ermöglichende Institution Metzgern überantwortet hat, die damit ohne jede Controlle schalten und walten. Wie es unter der Leitung eines Vorstandes und Rabbiners, die sich mit solchen Einrichtungen begnügen, mit den anderen Gemeindeinstitutionen, mit dem Jugendunterricht, mit der Belehrung der Alten, mit Schule und Kanzel, mit Mikwe und allen anderen Anstalten einer jüdischen Gemeinde aussehen mag, kann sich Jeder an den Fingern abzählen. Wenn dann der Zersetzungsprozeß sich immer noch zu langsam vollzieht, so bietet ein neuer Synagogenbau erwünschten Anlaß zur Einführung eines christlichen Kircheninstruments in den neuen Tempel, um dann die unbequenien Alten mit Orgeltönen aus der gemeinsamen Stätte des Gebets zu treiben. Den so Verdrängten wird allerdings mit wohlwollender Herablassung das Recht eingeräumt, sich eine eigene Stätte des Gebets zu gründen, selbstverständlich auf ihre eigenen Kosten. Auch nimmt man huldvoll nach wie vor die Gemeindesteuerbeiträge der Hinausgeorgelten „Alten" entgegen, schlägt sich dann salbungsvoll auf die Brust ob der geübten Toleranz, die den Exmittirten keine Dragonaden ins Haus legt, sondern sie ruhig nach ihrer Facon selig werden läßt. Sollten die so Geduldeten aber je sich erkühnen, eine Faust auch nur in der Tasche zu machen und über Majorisirung und Vergewaltigung sich zu beschweren, sollten sie gar den Anspruch auf eine entsprechende Rückvergütung ihrer Gemeindesteuern erheben zur Schaffung u. Erhaltung der Institutionen, zu welchen sic die Unduldsamkeit der Majorität nöthigt, dann hat die Toleranz der Toleranten ein jähes Ende. Sofort erhebt sich dann die harmlose, lammfromme, lilienreine Reformzunft gegen diese orthodoxe Zumuthungen, und ihre journalistischen Handlanger hüllen sich noch fester in ihren fadenscheinigen Schafpelz, aus welchem der Wolf aus allen Ecken und Enden lugt, und erörtern mit viel hohlem Pathos die alte Frage, wer Wolf und wer Lamm sei und wer in Wirklichkeit das Wasser getrübt habe. Sie wittern überall außerhalb des Kreises der Ausgetretenen Anstifter und Organisatoren, die nur, wie in einem Marionettentheater, an einem Draht zu ziehen brauchen, um die Trennung einer Gemeinde zu bewerkstelligen. Sie beweisen, oder behaupten wenigstens beweisen zu können, daß nicht wahrhaftige Frömmigkeit das Motiv des Austrittes ist. daß sie vielmehr aus Kurzsichtigkeit und Verkennung