Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1900)
- Date
- 1900-01-15
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Leider hat der Verein im Jahre 1899 einen unersetzlichen Verlust erlitten durch den Hintritt unseres ersten Vorsitzenden, Herrn Rabbiners Dr. J. Hildesheimer s. A. in Berlin. Unser Verein wurde bei der Beerdigung durch Herrn Wilh. 8. Posen vertreten, und der Dank, den wir dem Verewigten zolJen, in der Rede, die Herr Rabbiner Dr. Horovitz am Grabe hielt, mit zum Ausdruck gebracht. Was die Menschheit, was das Judenthum, was die Wissenschaft an Rabbiner Dr. Hildesheimer verloren, ist in Reden und Aufsätzen von anderen Seiten geschildert worden. Uns liegt es ob, uns zu erinnern dessen, was der Verewigte für den Verein Lemaan-Zion gethan hat, und da gedenken wir des Feuereifers, mit welchem er den Gedanken erfasste, unseren Glaubensbrüdern in Palästina eine wahrhaft wirkungsvolle Unterstützung zu verschaffen, und sie an eine selbstständige Erwerbsthfttigkeit zu gewöhnen und dabei zu erhalten. Die Arbeit Hildesheimers war nicht umsonst. Seinem Beispiele folgten viele edle Männer, und der Verein Lemaan Zion, dessen Vorsitz er übernahm, kann sich rühmen, im Sinne des theueren Verblichenen manches Gute geleistet zu haben. Noch sehr viel bleibt zu thun, bis das erreicht ist, was dem herrlichen Manne vorschwebte! Aber wir werden sein Vorbild uns stets vor Augen halten; wir werden sein Gedächtniss bewahren, wir werden es ehren, indem wir in seinem Sinne weiter zu wirken streben. Wir können-unseren Bericht nicht schliessen, ohne ein Ereigniss zu 'erwähnen, welches im Oktober 1898 eine rfreudige^ Aufregung in Palästina und specielljin Jerusalem hervorgerufen hat: wir meinen den Besuch I. I. M M. des Deutschen Kaisers und Seiner erlauchten Gemahlin. Das ganze Leben und Treiben richtete sich wochenlang auf nichts als auf den Empfang des Kaiserpaares, und die Vorbereitungen dazu nahmen alle Klassen der L Bevölkerung in Anspruch Auch unser Vertreter Herr Adel mann (er ist vor einigen Jahren in den türkischen Unterthanenverband ein getreten) gehörte dem grossen Empfangs- Comitö an. ’ Die freundliche Aufnahme, deren sich die Glückwünsche der" jüdischen Gemeinden zu erfreuen hatten, sowie die Huld, welche der Kaiser den beiden Oberrabbinern erwies, gestatten uns, der Erwartung Raum* zu geben, dass vielleicht durch Vermittelung des Deutschen Reiches rdie auch für unseren Verein so lästigen Beschränkungen, welchen der Ankauf von Grundstücken und Häusern durch ausländische Israeliten in Palästina derzeit unterliegt, bald ein Ende finden werden. Wir hoffen dabei auPdie Hilfe des Allmächtigen, die uns bisher nicht gefehlt hat, und die uns auch ferner besehieden sein möge, damit unsere Arbeit gedeihe zur Ehre Seines Namens und zum Besten Seines heiligen Landes! Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1898. (IJI. Fortsetzung und Schluss.*) Dem Unterrichte in der Lämmel-Scliule habe ich mit grossem Interesse beigewohnt. Aus den Antworten der Kinder war zu ersehen, dass sie dem Unterrichte mit Verständniss gefolgt sind. Die Anstalt besitzt einen Lehrkörper, der ausnahmslos Liebe und Verständniss für das Geistesleben der Kinder bekundet, und der nach den neuesten pädagogischen Principien unterrichtet. Die Anstalt ist in hervorragendem Masse geeignet, Kinder auszubilden, die ihren Platz im Leben ausfüllen können gez. Dr. Heinrich Meyer-Cohn Jerusalem, 1. März 1899. Die heutige Semestralprüfung hat mich aber- *) S. Nr. 722. i mals überzeugt, wie vorzügliche Resultate man I mit verhältnissmässig geringen Mitteln erzielen kann, wenn aufrichtige Liebe zur Sache und individualisirendes Verständniss den Unterricht leiten. Neben der ausgezeichnet anschaulichen Unterrichtsmetode, welche sich dem gegebenen Rahmen anschmiegt, möchte ich indessen auch das persönlich innige Verhältnis nicht unerwähnt lassen, welches den Lehrkörper mit den Schülern verbindet, — jenes imponderable Moment, welches gleichwohl so schwer in’s Gewicht fällt, wenn es gilt, nicht nur ein bestimmtes Unterrichtspensum zu absolviren, sondern für das Leben brauchbare, tüchtige Menschen heranzubilden, und die Edler von Lämmel- Schule