Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1900)
- Date
- 1900-01-15
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Palästinensischer Hilfsverein Elfter Bericht» So gern wir der Haupttendenz unseres Vereins gerecht werden und zur Hebung der Industrie des heiligen Landes durch Gründung neuer Erwerbszweige tbatkräftig beitragen möchten, so wenig konnte uns dies bis jetzt bei der Geringfügigkeit unserer Mittel gelingen. Die Verpflichtungen, die derartige Massnahmen uns dauernd anferlegen würden, haben uns abschrecken müssen, im Grossen zu wirken. Wir haben uns wie seither darauf beschränken müssen, in Palästina lebenden Handwerkern und Geschäftsleuten durch Beschaffung von Materialien, zinsfreie Gewährung von Darlehen und Unterricht sowohl in der Landessprache als im Hebräischen, in der heiligen Lehre und in Elementargegenständen zur Seite zu stehen. Ferner haben wir 26 jungen Leuten, die sich um Lehrgeld an uns wandten, solches im Betrage von 1225 Francs bewilligt. Wir bleiben indess unausgesetzt bemüht, einen Weg zu finden, auf welchem den offenkundigen Mängeln der palästinensischen Industrie abgeholfen werden kann. Inzwischen setzen wir unsere Fürsorge für die Kranken fort. Der seit dem 1. April 1898?neu eingeführte Modus hat sich nach den Mittheilungen des Lokalcomitös und unseres Vertreters Adelmann sehr bewährt. Dadurch, dass jeder Patient die Wahl hat, den Arzt seines Vertrauens su konsultiren und ihn von Lemaan Zion zu den festgestellten Sätzen honoriren zu lassen, wurde bedeutend mehr als früher geleistet und zur rechten Zeit, ohne dass die Ausgaben des Vereins für diesem Zweck sich steigerten. Im Jahre 1898 kosteten uns Arzt und Apotheke 5544 Francs, im Jahre 1897 5878 Francs. Freilich ist mit unserem Arzte dem Bedürfnisse noch lange nicht abgeholfen. Die grosse Mehrzahl der Juden in Jerusalem (sie werden auf ca. 30,000 geschätzt) ist schlecht genährt, lebt in ungesunden Wohnungen, leidet an Fiebern und Augenkrankheiten, und im Ganzen giebt es nur sechs jüdische und vier christliche Aerzte. Ein oder mehrere in Europa ausgebildete jüdische Aerzte würden unseres Erachtens dort ihr gutes Auskommen finden. Dem „8cbaar-Zion“-Hospital in Jaffa übersandten wir 500 Mk., die uns durch Herrn Rabbiner Dr. Horovitz seitens des Herrn Barons W. C. von Rothschild übermittelt wurden, sowie im Aufträge des hiesigen Comitös für die russischen Juden 500 Francs. — Dem Hospitale in Safed, das sein Entstehen der Familie Tulczinsky verdankt, bewilligten wir 200 Francs, die jedoch nicht erhoben worden sind. Wie wir im vorigen Berichte erwähnten, ist für Jerusalem der Unterricht in der Landessprache zentralisirt worden. Wir haben daher vom 1. Juli 1898 ab ausser diesem nur den arabischen Unterricht für Hebron zu bezahlen. Im Lokale der Zentrale findet auch der Abendunterricht der Handwerker und Lehrlinge statt. In Ramieh und Sichern zahlten wir die Kosten für m» und Lehrer. An ersterem Orte verursacht die Unterhaltung unseres Hauses, des Bades und der Synagoge andauernd Ausgaben. In der armen Gemeinde Gaza trugen wir zu den Kosten des hebräischen Unterrichtes bei. U n t e r s t ü t z'u n g 8 n, meist in Form von Arzneien, Bruchbändern, Brillen u. dgl. wurden in Höhe von 694 Francs an eine grosse Anzahl von Personen durch unseren Vertreter auf ausdrückliche Anordnung des Lokal-Comites gegeben. Ferner gewährten wir dem in unseren früheren Berichten mehrfach erwähnten jungen Manne aus Jerusalem, der im Jahre 1899 seine Studien in Konstantinopel beendigt, wiederum 100 Mk. Dass unsere Darlehen auf guten Boden gefallen sind, zeigt sieh aus der Zahl der Rückzahlungen; es waren 22 im Betrage von 1825 Francs. Auch in diesem Jahre sind uns zahlreiche Gaben zugegangen. Ein Legat von 100 fl. des sei. Herrn B. Berkowitz in Budapest wurde uns dursh Herrn Rabbiner L. Pollak daselbst zugesandt; dasselbe beläuft sich nach Abzug von Steuer und Porto auf 151.83 Mk. Allen Spendern sagen wir besten Dank. Besonders dankbar sind wir aber Herrn Rabbiner Dr. Sal vendi in Dürkheim a. d. Haardt für sein unermüdliches Wirken zum Besten des Vereins. Seine Sendungen beliefen sich auf 2300 Mk. wovon 400 Mk. für den Lehrlingsnnterricht bestimmt sind. Im März 1899 schritt der geschäftsführende Ausschuss dazu, sich zu ergänzen, und wählte an die Stelle des sei. Herrn Dr. Heinemann Herrn Prof. Dr. Werner, von dessen Mitwirkung wir uns grossen Nutzen für den Verein versprechen.