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Der Israelit · 1900-01-04 · Heft 2 (4.1.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 2 (4.1.1900)
Date
1900-01-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4L Jahrgang. Zweite Beilage juJ 2 des „Israelit". Leitender Artikel. Die GMiizkplltioii der Wen In Frankreich Aus beu Quellen bearbeitet von Prof. Emarruel Leser. *) (Fortsetzung.) Gleich in der folgenden Sitzung wurde ein Antrag gestellt, der einer Ausdeutung des Gesetzes vom 28. auch zu Gunsten der deutschen Juden Vorbeugen wollte. Der Deputirte Schwends, den die Stadt Straßburg gewählt, verlangte zu dem gefaßten Beschlüsse den Zusatz, daß die Versammlung in keiner Weift über die Juden des Elsaß beabsichtigt habe, eine Verfügung zu treffen. Er stellt, wenn nicht durch die Annahme seines Antrages jedes Mißverständnis; verhütet werde, Unruhen in den östlichen Provinzen in Aussicht, durch welche die ganze Existenz der Juden in Frage gestellt werden könnte; allein ohne Rücksicht auf diese Argumentation weist die Versammlung, in der die am vorigen Tage bewiesene Energie noch zu leben scheint, die Motion als der Tagesordnung fremd kurzer Hand ab. Aber es standen dem Hause neue Kämvft bevor, die durch die Frage nach der Stellung der Religionen zum Staate hervorgerufen wurden. Es waren ansehnliche Zugeständnisse an die Toleranz gemacht worden; einem guten Theil der nicht katholischen Bewohner des Landes hatte man allmählich die vollen politischen Rechte ertheilt, und es war geschehen öfters ohne offenen, oft auch ohne irgend einen wesentlichen Widerstand von Seiten der feudalen und clericalen Partei. Allein jetzt beginnt diese, die Consequenzen aus der angebahnten Ausgleichung der Rechte der verschiedenen Religionsgenossenschaften zu fürchten; sie verwahrt sich dagegen, daß, wenn den Richtkatholiten die gleiche staatliche Stellung mit den Bekennern des katholischen Glaubens gegeben sei, damit zugleich die katholische Religion selbst ihren staatsrechtlichen Vorzug vor den übrigen Bekenntniffen, ihren öffentlichen Charaeter eingebüßt haben; die klugen Leiter der reactionären Tactik sahen dabei sicherlich auch ein, welch' eine mächtige Hilfe ihnen erstehen konnte, wenn es gelang, die religiöse Leidenschaft gegen die liberale Partei in den Kampf zu führen »8). *) Siehe Nr. 91 des vorigen Jahrgangs. 58) Wir erinnern an das Wort das dem Abbe Maary am 12. April nach der Sitzung entfallen sein soll: Cette fois ils U6 peuvent nous ecliapper; cette motion de Dom Gerlos est uue nu'che allumße sur un baril de poudre. Auch in Schon am 13. Februar während einer erregten Debatte über die Kirchengüter, die für die Bedürfnisse des Staates sollten verwendet werden, forderte der Bischof von Nancy eine Erklärung darüber, ob man die katholische Religion als die nationale anerkenne, und die Linke hatte alle Mühe, um die Abschweifung zu einer Diskussion über diese Frage zu verhüten; eine neu gebildete, aus wesentlich conservativen Elementen bestehende Fraction, die sich die der Parteilosen nannte, nahm in ihr Programm den Satz auf, daß auch fernerhin die katholische Religion allein berechtigt sein solle, mit ihrem Ritual und ihrem Cultus sich öffentlich zu zeigen bs). Was so entschieden betont ward von einer Partei, die immer noch nach der Herrschaft strebte, mußte endlich auch zur ausgiebigen Erörterung in der Nationalversammlung gelangen. Am 12. April wird der Antrag, den katholischen Glauben für den nationalen zu erklären, förmlich gestellt und von der Geistlichkeit und ihrem Anhang mit leidenschaftlichem Eifer unterstützt und vertheidigt; es war für diese eine Gelegenheit, die einen Triumph über die Linke verschaffen konnte, und sie sollte genutzt werden. Man begnügte sich dieses Mal nicht damit, im Hause selbst Alles aufzubieten, um den Beschluß durchzusetzen; als die Versammlung die Debatten abbrach und ihre Entscheidung vertagte, da zogen die Clericalen aus unter ihren Führern, um in besonderen Zusammenkünften die Haltung der Majorität der Volksvertreter mit Heftigkeit anzugreifen und auf neue Demonstrationen zu sinnen, um für den Fall, daß ihr Antrag in der Nationalversammlung eine definitive Ablehnung erführe, zur Hilfe gegen die siegreichen Liberalen aufzurufen. Allein es zeigte sich ein mächtiger Gegner all dieser entworfenen oder vorbereiteten Pläne in der öffentlichen Gesinnung, wie sie das Volk von Paris, die Intelligenz des Landes, zum Ausdruck brachte. Als am 13. nach der erregtesten Discussion, bei der die reactionäre Partei mit der ganzen Fülle ihrer verzweifelten Mittel auftrat, die Nationalvertretung schließlich die ihr angesonnene Erklärung durch Uebergang zur Tagesordnung beseitigt hatte: da zeigte die Pariser Bevölkerung so volles Einverständniß mit diesem Besckilusse und ertheilte denen, die ihn hatten bekämpfen der Presse findet der Gedanke an das Tendenziöse der aufgeworfenen Streitfrage vielfachen Ausdruck. Vergl. die Aunales patriotique vom 13. April iNr. 196): 11s tentent de soulever les pTostestants contre les ^atholiques les jtiifs contre les chrätiens: des prölats . . . cherchent ä fomentre les troubles et ü. exciter une guerre de religion. 59) Principe« des impartiäux VIII. Nul sans doute ne doit etre inquiete pour ses opinions religieuses nipour le culte rendu en commun ä la divinitS; mais I'expfcrience des sieeles passes n’a que trop appris combien la tranquilüte et Unterst meine de l’etat exigent que la religion catholique continue ä la jouir seule dans le royaume & titre de religion nationale de la solennite de culte public.

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