Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1900)
- Date
- 1900-01-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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41. Jahrgang. Jjg Z Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Vr. ITrTjmmw in n%. Dienstag, den 2. Januar 5660 (1900). Leitender Artikel. Rückblick. i. Ma.in^, dtzL Der Blick, den wir an dieser Stelle mit Beginn eines jeden neuen Jahrgangs über das abgeschloffene Jahr gleiten lassen, streift dieses Mal unwillkürlich auch das Jahrhundert, das mit dem neuen Jahre zur Neige geht. Wenn auch eine jüdische Zeitschrift keine besondere Veranlassung hat, rückwärtsschauende Betrachtungen an den Zeitpunkt zu knüpfen, an dem 1900 Jahre seit der Geburt des Stifters der christlichen Religion verflossen sind, so fehlt es doch nicht an allgemeinen Gesichtspunkten, welche zu einem solchen Rückblick veranlassen können. Wohl zählen wir Juden nicht das 19., sondern das 57. Jahrhundert. Unsere Jahreszählung, die nicht von der Geburt eines Menschen, sondern von der Schöpfung des Weltalls datirt, ist somit genau dreimal so alt, als die allgemein übliche. Sie entspricht der Mahnung, die uns unser größter Lehrer und Führer in der Scheidestunde mit den Worten hinterlassen hat: rrn* lat. „®ebenfe der Tage der Welt!" (V. B. M. Cap. 32, V. 7.) Wenn Juden im geschäftlichen Verkehr mit der großen Gesammtheit ihre Jahre und Tage in der allgemein üblichen Weise zählen, so wird Niemand etwas dagegen zu erinnern haben. Auch der „Israelit" trägt aus postalischen und anderen äußeren Rücksichten des Verkehrs die allgcmeine^üblicheIJahreszählung an der Spitze jeder Nummer und beginnt aus denselben Erwägungen seinen neuen Jahrgang mit dem Beginn des bürgerlichen Jahres. Man braucht aber noch lange nicht wie der „Israelit" auf dem Boden des orthodoxen Judenthums zu stehen, um es zum mindesten eigenthümlich zu finden, wenn Juden in ihrem Verkehr unter sich ihre Jahre nach dem Stifter des Christenthum« zählen. Wenn gar im jüdischen Gemeindeleben, bei Aufschriften auf Synagogen, Grabsteinen u. a. m. die allgemeine gebräuchliche, statt der specifisch jüdischen JMesLäMNL.,nach^LrschaS»MC der Welt gLÜLUlcht wird, so ist dies ein Verfahren, das gewiß nicht zu billigen ist. Man wende nicht ein, daß die große Mehrzahl derjenigen, die nach der g wöhnlichen Jahreszählung ihre Jahre zählen, gar nicht mehr daran denkt, daß es sich um eine Zählung nach der Geburt des christlichen Religionsstifters handelt. Eine Handlungsweise, die für ihre Rechtfertigung zur Gedankenlosigkeit der großen Masse ihre Zuflucht nehmen muß, kann, wenn sie in Wirklichkeit unstatthaft ist, dadurch niemals rehabilitirt werden. Wir sehen daher hier auch ganz davon ab, daß nach zuverlässigen Geschichtsforschern unsere allgemein übliche Jahreszählung nicht einmal ganz correct ist und die Annahme, daß genau 1900 Jahre seit der Geburt des christlichen Religionsstifters verflossen seien, mit der Wirklichkeit um einige Jahre differire. Ebenso wenig brauchen wir Stellung zu der Frage zu nehmen, ob das neue Jahrhundert denn tatsächlich mit diesem o er nicht erst mit dem folgenden Jahre beginnt. Uns bestimmt lediglich der Umstand, daß man allgemein in diesem Jahre den Abschluß eines vergangenen und den Anfang eines neuen Jahrhunderts tatsächlich erblickt, ohne jede Rücksicht darauf, ob diese Annahme h ftorisch zutreffend ist oder nicht. Diese allgemein verbreitete Anschauung ist in der