Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 103 (28.12.1899)
- Date
- 1899-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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3037 Frankfurt a. M.. 26. Dez. Unter überaus zahlreicher Betheiligung der Mitglieder hat gestern, den 25. d. M., die ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Religionsgesellschaft Kehilath Jefchurun" in der Aula des Realgymnasiums stattgefunden. Auf der Tagesordnung standen die Erstattung des Jahresberichts und die Vornahme der Vorstands-Ausschußwahlen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Dr. E. Rosenbaum, die Versammlung begrüßt und derselben seinen Dank für das so zahlreiche Erscheinen ausgesprochen, die Scrutatoren und der Schriftführer designirt waren, wurde vom Vorsitzenden, Herrn Dr. Rosenbaum der Jahresbericht verlesen, in dem vom Vorstande der Freude Ausdruck verliehen wird, über den großen Aufschwung, den unsere vor weniger als einem halben Jahrhundert gegründete Gemeinde mit Gottes Hülfe genommen und insbesondere über die Errungenschaft, welche die „Israelitische Religionsgesellschaft" im letzten Jahre aufzuweisen, seitdem der vor Kurzem noch bestandene Zwang, daß jeder hier wohnende Jude der Hauptgemeinde angehören mußte, von der Regierung beseitigt und daß jetzt Jeder in diejenige jüdische Gemeinschaft eintreten könne, in die ihn sein Herz u. feine Gesinnung hinzieht. Der Vorsitzende constatirt mit Befriedigung, daß der Zuwachs, den die Gemeinde an Mitgliedern in diesem Jahre erhalten, auf 239 sich beläuft (Bravorufe). Des Weiteren constatirt der Vorsitzende, daß sich unsere Synagoge als zu klein erweist, und daß die Nothwendigkeit eines Neubaues einer zweiten Synagoge sich dringend geltend macht. Der Vorstand gdenkt hierbei der hochherzigen Spende des Herrn Baron Willy von Rothschild,die derselbe in Höhe von M. 30,000 der „Israel. Religionsgesellschaft" anläßlich seiner silbernen Hochzeit überwies. Dieser Betrag soll für den beabsichtigten Neubau verwendet werden. Indem der Vorsitzende dem Herrn Baron seinen, wie der versammelten Gemeindemitglieder Dank votirt, hegt er die Erwartung, daß der Opfersinn der Gemeindemitglieder den Bau der Synagoge bald ermöglichn werde. Zu diesem Zwecke soll demnächst eine Sammlung bei den Mitgliedern unternommen werden. Dem Herrn Baron wurde von Seiten des Vorstandes außer einer kunstvoll gearbeiteten Adreffe, eine zu Ehren seines Hochzeitsjubiläums geprägte, goldene Gedenkmünze mit dem Namen des Jubelpaares überreicht. Nachdem noch über verschiedene größere Spenden des Herrn Baron und einiger anderer Herren berichtet worden war, gelangte der Rechenschaftsbericht zur Verlesung, der einstimmig genehmigt wurde. Neugewählt zum Vorstandsmitgliede wurde Herr Meyer S. Goldschmidt, zu Ausschußmitgliedern die Heren Dr. E. Rosenbaum und Jul. Hirsch. Frankfurt a. M«, 27. Dez. Unter sehr starker Betheiligung fand heute in dem großen Hörsaale der Jeschibah (Schützenstraße) der Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" statt. Am Vorstandstisch bemerkten wir folgende Herren Ra bbinen: Nathan Bamberger— Würzburg, Dr. Salomon B r e u e r—Frankfurt a. M., Dr. Bond i—Mainz, Dr. Eah n—Fulda, Dr. Carleba ch—Lübeck, Dr. Hirschseld—Gießen. Dr. Kah n—Wiesbaden, Dr. Lerne r—Altona. Dr. Mar x—Darmstadt, Dr. Schiffe r—Carlsruhe. ferner Herrn Justizrath Dr. Naftali H i r f ch—Frankfurt, sowie die Kaufleute Herren Herm. Lehmann und S. Ster n—Frankfurt. Aus den anwesenden Gästen sind hervorzuheben: die Herren Rabbinen Dr. Lang e—Marburg, Dr. Schlesinge r—Bingen und Dr. Sänge r—Mergentheim, Herr Dajan P o - s e n—Frankfurt, Vorstandsmitglieder der Frankfurter Israel. Religionsgesellschaft u. v. A. Nachdem der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Rabbiner Dr. Breuer, die Versammlung eröffnet hatte, gab Herr Justizrath Dr. Hirsch ein Bild über die Thätigkeit und die Entwicklung der Vereinigung, an das er einen überaus warmen Nachruf an das uns erst vor Kurzem entrissene so sehr thätige Mitglied Herrn Jsaac Hirsch—Hannover knüpfte. Die Mittheilungen, die der Redner machte, waren gottlob höchst erfreuliche, wir gedenken die Rede, da es uns heute an Raum gebricht, in einer der nächsten Nummern km Wortlaut wiederzugeben. Nun schritt man zu dem ersten Punkt der Tagesordnung: Die infolge der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches nothwendige Abänderung der Statuten. Diejenigen Abänderungen, die nur die äußere Form betreffen und infolgedessen für unsere Leser von geringem Interesse sind, übergehen wir hierbei. Eine lange Debatte entspann sich darüber, ob es angebracht sei. den Jahresbeitrag von Mk. 3.— auf Mk. 5.— zu erhöhen, der Antrag auf Beitragserhöhung wurde schließlich mit großer Majorität abgelehnt. Seit einiger Zeit besteht innerhalb der „Fr. Ver." eine Rabbiner-Commission, die bei Auftauchen von Fragen, die das gesetzesireue Judenthum angehen, ihre Entscheidungen trifft. Herr Dr. H i r s ch f e l d— Gießen stellt nun den Antrag, daß diese Commission als wichtiges Organ der Vereinigung in den Statuten eine Stelle finde. Hierüber fand nun eine äußerst lebhafte Debatte statt. Da man die genannte Commission nicht dem Vorstande unterordnen konnte, diese aber auch andererseits nicht als gleichberechtigtes Organ in Bezug auf Verwaltungsangelegenheiten angesehen werden kann, so war die Form, wie diese Commission in die Statuten untergebracht werden konnte, nur sehr schwer zu finden. Schließlich wurde der folgende Statutenparagraph einstimmig angenommen: Dem Vorstande steht eine Rabbiner-Commission zur Seite, welche die Stellung des Vereins zu prinzipiellen Angelegenheiten des orthodoxen Judenthums zu begutachten hat. Nunmehr schritt man zum zweiten u. letzten Punkt der Tagesordnung: Neuwahl des Ausschusses. Es wurden durch Acclamation der seitherige Ausschuß wiedergewählt und als Ersatz der leider durch Tod abgegangenen Herren Rabbiner Bamberger—Aschaf-