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Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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30U Jahrgang. Erste Beilage M M103 des »Israelit". Seiten»«« Artikel. Die Sendung Kloses. (Zu x'xi Tirr^L.) Mainz, 26. Dezember. Wenn in diesen Tagen die ersten Capitel des zwei, ten Buches der Thora in unseren Gotteshäusern Moses, unseren Lehrer, in seiner ganzen unerreichbaren Größe uns vor die Seele führen, so stehen wir staunend vor der lichtumflossenen Gestalt des Gottesmannes stille u. vor der hohen Sendung, sein Voll zu befreien. Jeder Blick ans den Gotterwählten und die Schwierigkeit seiner Lebensaufgabe läßt uns den Gottgesandten und seine Mission in einem anderen Lichte erscheinen. Aber kein Blick dringt so tief, als der Weisheitsblick unserer großen Weisen, die in Moscheh das Ideal ihres Lebens u. in seiner Thora das Vorbild ihrer eigenen Wirksamkeit erblicken. Wenn sie ein treffendes Wort eines Genossen und diesen selbst feiern wollten, so kennt ihre Hochachtung keinen besseren Ausdruck, als daß sie den zu Feiernden geradezu als Moses anreden und sprechen: n»D msxpvsp „Moscheh, Du hast Treffliches gesprochen." Diese unsere großen Lehrer, von denen wir wissen, pp’n xmixn pya fjn pp\m no bs, daß sie Lehren u. Leben der Thora und dem Leben Moschehs nachbildeten. ihnen entging kein Zug dieses erhabenen Lebensbildes. Aber lvir selbst sind diesem hohen Ideale so weit entrückt, daß uns die Anmerkungen unserer Weisen, dieser treuen Jünger und Nachfolger Moses, dunkel und räthselhaft erscheinen und wir uns glücklich schätzen, wenn wir den tieferen Sinn eines derartigen Ausspruches ergründet zu haben glauben. Einen solch' schwierigen Ausspruch enthält der Midrasch Jalkut zu den Worten unseres Wochenabschnittes i'vnzb 'x-pnro rsiwa Sx r nex*!, „Gott sprach zu Moscheh, siehe, ich habe Dich als Gott für Pharao bestimmt" (2. B. M., Cap. 7, V. 1). “pSy noa “jmi xnn x -fr 'nxiptr Vsrs xb rrapn b"x ntpa bx 'x in iv'x x*n pi nyis bv xbx n nnx px "pnrü “ioxjit bv xbx x nnx px >:x vdx nax-i . nyivb x „Der Heilige, gepriesen sei Er, sprach zu Moscheh: daß sich nicht dein Sinn, weil ich dich Gott genannt habe, stolz erhebe. Du bist nur Gott für Pharao. So ist es auch gesagt: Gott sprach zu Moscheh und erläuterte ihm: Ich bin n; du bist nur Gott für Pharao, denn es ist gesagt: ich habe dich als Gott bestimmt — für Pharao." Wir brauchen wohl auf die Schwierigkeit dieses Ausspruches nicht erst aufmerksam zu machen, da sie sich jedem ungesucht aufdrängt. — Vielleicht sind folgende Erwägungen geeignet, darüber einiges Licht zu verbreiten. Wenn wir von der Sendung Moses sprechen, so denken wir zunächst an das letzte Ziel derselben, d. i. die Befreiung Israels aus der egyptischen Knechtung und an die Führung der Befreiten an den Gottesberg in der Wüste, um dort das Gesetz Gottes zu empfangen. Je größer die Liebe u. das Mitleid des Befreiers für seine leidenden Brüder war, umsomehr finden wir es begreiflich, wenn derselbe freudige Genugthuung bei den Züchtigungen und Plagen empfand, die Schlag auf Schlag Pharao und sein Volk trafen, bis er endlich die Geknechteten frei ließ. So menschlich erklärlich ein solches Gefühl auch ist, eines Moscheh wäre es unwürdig gewesen. Denn thatsächlich hatte seine Sendung außer der Befreiung seines Volkes, noch ein anderes Ziel, daß das Bewußtsein von Gottes allmächtiger Waltung auch in das ägyptische Volk dringe und selbst Pharao dafür gewinne. So schwer diese Aufgabe auch schien, so wenig Aussicht nach menschlicher Berechnung auch vorhanden war, je dieses Ziel zu erreichen, es wurde doch füglich erreicht. Demselben Pharao, der am Anfang der Sendung Moses svrach: ich kenne Gott nicht, rangen die wuchtigen Schicksalsschläge Gottes füglich das Bekenntuiß ab: „Gott ist gerecht, ich und mein Volk aber sind Bösewichter." Dieses Ziel wäre wohl niemals erreicht worden, wenn Moscheh, verbittert durch die wiederholte Abweisung seitens Pharao, je die Ausdauer verloren hätte, die hier unerläßlich war. Moscheh mußte sich von Pharao verhöhnen, bedrohen und füglich fortweisen lassen und durste doch nicht einmal einen Anflug von Schadenfreude empfinden über alles Ungemach, das über Pharao hereinbrach, um ihn für Gottes Waltung zugänglich zu machen. Diese Anforderung verlangt vielleicht das Höchste, das einem Menschen zugemuthet werden kann. Sie fordert ein schonendes, liebevolles Eingehen selbst auf die Hartnäckigkeit und Böswilligkeit Pharaos und eine Nachsicht und Geduld, wie sie sonst nur Gottes Langmuth auch dem verworfensten Frevler gegenüber bekundet. Diese nur Gott eigene Langmuth und Liebe hätte Moses nicht Pharao gegenüber bewähren können, ohne besonderen göttlichen . Beistand. Daß er ihm wurde und wie er ihm wurde, das besagen die Worte: „Siehe, ich bestimme dich als Gott, nicht über, nicht gegen, sondern s ü r Pharao. So wie Gott nur straft und züchtigt aus Liebe u. Güte für den Gestraften und Gezüchtigten, so hatte Moses mit der Verleihung dieses göttlichen Attributs Pharao gegenüber zu treten. . ,• Je größer die götttliche Machtfülle war, mit welcher ausgestattet Moscheh vor Pharao trat, desto näher

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