Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-12-28 · Heft 103 (28.12.1899) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 103 (28.12.1899)
Date
1899-12-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449048--49744-2500190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r L. Jahrgang. JK 108 Ei» Aentral-Hrgan für das orLHodore Sudenthum Begründet von Dr. ffe&mann in ISX&ini Dorttterstag, de« 28. Dezember 5660 (1899). Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint Dienstag, den 2. Januar. Mn nächster Nummer beginnen wir mit dem Abdruck einer überaus spannenden historischen Erzählung: Ex odio fidae, von Mathias Kisch. Der Verfasser versteht es, die jüdischen Lrchtgestalten, an der Prags Vergangenheit so überaus reich war, aus den Gräbern erstehen zu lassen und ihnen frisches, warmes Leben einzuhauchen. Dabei hält er sich streng an den historischen Thalsachen unter Benutzung von theilweise noch unbekannten Quellen. Unseren Lesern wird damit ein Werk von bleibendem Werthe geboten werden. Redaetiou des „Israelit Leitender Artikel. Eine Iayryundert-Wetrachtung. Von I. Wolfs—Berlin. In einer Zeit, wo alle Welt sich rüstet, ein scheidendes Jahrhundert zu Grabe zu geleiten, wo die gesummte Menschheit dem aufsteigenden 20. Jahrhundert hoffnungsfreudig entgegenjauchzt, geziemt es auch uns, wohl Rückschau zu halten auf all das, was speziell uns Juden die letzten 100 Jahre gebracht haben. Es ist eine geschichtliche Thatsache, daß das Judenthum das einzige Volk der Erde ist, welches sich rühmen kann, alle Geschlechter und Zeiten überdauert zu haben. Von Erschaffung der Welt an bis auf heutigen Tag zieht sich sein Leben u. Wirken durch die Culturgeschichte des gedämmten Menschenthums. Gleich einem Quell, der unscheinbar, engbegrenzt, allmählich zu einem stattlichen Gewässer wird, das sich durch Felsen brechend unablässig seinen Weg bahnt und zum stattlichen Strome wird, so sehen wir das jüdische Volk auskleinsten Uranfängen heraus, getragen von seiner heiligen Mission, seinen Weg durch die Länder der Erde ziehen. Oft wird es ihm schwer, all der Hindernisse Herr zu werden, die sich ihm in den Weg stellen. Durch blumige Thäler, über spitzes.Gestein, durch glühenden Wüstensand muß der nimmerrastende Fuß u. oft scheint es, als ob der Wanderer am Wege erliegen muß. Aber immer wieder rafft er sick, auf. — Das ist da» Judenthum. Wo es schon dem Absterben nahe, ermannt es stch wieder und unbeirrt durch den Haß aller Völker und Nationen, folgt es durch alle Zeiten seinen Idealen. Jahrhunderte und Jahrtausende hat es überdauert; es hat Geschlechter und Völker erstehen und vergehen sehen, doch das Judenthum selbst — es ist ewig jung geblieben und was bedeutet i h in ein Jahrhundert? Aus den dumpfen Gaffen des Ghetto hat das 18. Jahrhundert den Juden zur Mitarbeit an Kunst und Wissenschaft berufen; es hat ihm alle Zweige von Bildung u. Industrie erschlossen, von denen es bisher ausgeschlossen war. Selbst der größte Judenfeind muß anerkennen, daß, wo auch immer Juden von dieser Zeit an sich öffentlich bethätigt haben, überall haben sie Hervorragendes geleistet. Konnte es da Wunder nehmen, daß das jetzt zu Ende gehende Jahrhundert von den Juden damaliger Zeit als die Morgenröthe begrüßt wurde, die einen neu anbrechenden Zeitabschnitt in seiner Geschichte unter den Völkern des Erdballes mit ihren verklärenden Strahlen beleuchtete? Haben sich diese Hoffnungen unserer Ahnen erfüllt? — Nun fürwahr'. Könnten wir nicht stolz sein auf all die Errungenschaften des Geistes und des Könnens, des Wissens und der Intelligenz, welche uns Juden in den Stand gesetzt haben, fast in allen Staaten der Welt in hervorragenden Positionen zu wirten? Während der Jude früherer Zeiten zum schmählichen Erwerb durch Wucher verurteilt gewesen, ist er heute eine geachtete Persönlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.