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Der Israelit · 1899-12-21 · Heft 101-102 (21.12.1899) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 101-102 (21.12.1899)
Date
1899-12-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XL Jahrgaüg. Zweite Seil. M M101 & 102 des „Istnelit“. Le»t««»«r Artikel. Das ntse irrsMstze Waistuhaur w Cassel aad feint SiaweihLaz. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten der Provinz Hessen-Nassau nimmt das israelitische Waisenhaus zu Kassel unstreitig den ersten Platz ein. In stiller Zurückgezogenheit hat diese Anstalt, die Philipp F e i d e l- und Emilie G o l d s ch m i d t 'sche 3 t i r t u n ci genannt, während des 43 jährigen Bestehens ihre segensreiche Thätigteit entfaltet.*) Begründet wurde das Haus durch eine Schenkung des Bankiers Philipp Feidel, der als letztwilliges Vermächtniß in seinem Testamente vom 27. Februar 1855 den Betrag von 20 000 Thalern zum Zwecke der Errichtung eines Waisenhauses bestimmt hat. Philipp Feidel, geb. den 16. Juni 1803 (26. Sima n 5563) gehörte einer angesehenen und einflußreichen Familie Kassels an, deren Name durch eine Reihe gemeinnütziger Schenkungen und Stiftungen, welche noch gegenwärtig segenbringend fortwirken, sich verewigt und auch in weiten Kreisen ein Anrecht auf dankbares Gedenken sich erworben hat. Der Großvater Philipp Feidels, der Ofer-Hofagent Feidel David, aus Breitenbach bei Kassel stammend, hat durch seine Beziehungen zum damaligen landgräflichen Hose sich eine geachtete Stellung erworben, ivelche sein Sohn, der Bankier Levi Feidel, ungeschmälert zu behaupten wußte. Aus des Letzteren Ehe mit Hanne, geb. Schloß, entsprossen vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter, ivelche alle durch persönliche Wirksamkeit wie durch reiche Zuwendungen in innigster Beziehung zur Waisenanstalt standen. Der Aeltere der beiden Söhne, Philipp Feidel, war ihr Begründer. Sein jüngerer Bruder, Älbrecht Feidel, welcher 14 Jahre das Amt des Kassirers im Kuratorium des Waisenhauses bekleidet hat, hinterließ diesem außer wiederholten und ansehnlichen Schenkungen bei den verschiedensten Anlässen als Vermächtuiß das Älbrecht Feidel'sche Legat im Betrage von 20 000 Thalern. Die Aeltere der beiden Schwestern, Julie, war vermahlt mit Samson Selig Goldschmidt, der als Sekretär des Kuratoriums einer der eifrigsten Förderer der Stiftung geworden ist; ihnen verdankt unsere Anstalt das Samson Selig und Julius Goldschmidt'sche Legat von viertausend Thalern; ihnen verdanken aber auch seit mehr als dreißig Jahren Studirende aller Berufszweige aus ganz Deutschland die Erleichterung, zuweilen die Möglichkeit *) Das israelitische Waisenhaus zu Cassel. Festschrift von Landrabbiner Dr. Prager. zur Erreichung ihres Zieles durch die namhaften Unterstützungen, die aus der Samson Selig und Julie Goldschmidt'schen Stipendienstiftung während ihrer ganzen Studienzeit erhalten. Mit dem Namen der jüngeren Schwester Emilie, vermählt mit Rüben Elias Goldschmidt, bleibt unsere Anstalt, genannt die „Philipp Feidel und Emilie Goldschmidt'sche Stiftung", dauernd verbunden. Zur unvergänglichen Ehrung ihres Andenkens ist das der Stiftung gegenwärtig gehörende Grundstück Giesbergstraße 6 nebst dem darauf befindlichen Hause, der bisherigen Heimstätte unserer Waisen, als Schenkung überwiesen worden. Tie hier einfach aufgezählten Thatsachen haben eine beredte Sprache, sie legen ein herzerfreuendes Zeugniß ab von dem Geiste und der Gesinnung, die in der Familie des Stifters lebten. Wohl war es zu allen Zeiten in allen jüdischen Gemeinden als eine der heiligsten religiösen Pflichten angesehen worden, für hilflose Waisen zu sorgen, sie nach Möglichkeit in einzelnen Häusern unterzubringen und ihnen bei ihrem Fortkommen behilflich zu sein. Man war sich bewußt, daß Gott selbst sich den Vater der Waisen nennt — aber bei Philipp Feidel galt es, nach dem damals allein geltenden Systeme ein gemeinschaftliches Haus, gemeinschaftliche Pflege und gemeinschaftliche Erziehung für die Waisen zu schaffen. Genau 9 Wochen, nachdem sein Vermächtniß geschrieben war, ist Philipp Feidel aus dem Leben geschieden. Unverzüglich ging das zur Ausführung des Vermächtnisses bestellte Komite an seine Arbeit. Es bestand aus folgenden 11 Mitgliedern: Landrabbiner Dr. Adler. Qbergerichtsrath M. Alsberg, Bankier Älbrecht Feidel. Jonas Flescher. Samson Selig Goldschmidt, Rüben Elias Goldschmidt, Rüben Samson Goldschmidt, Siegmund Elias Goldschmidt, Abraham Honnet, Dr. Saloman Leviseur und Louis Rosenzweig. Das Resultat der Vorarbeiten über Plan und Ziel, über Verwaltung und Einrichtung des neu zu gründenden Instituts nach Maßgabe des Stiftungsvermögens wurde in den neu entworfenen, am 26. Februar 1856 Unterzeichneten Statuten niedergelegt, welche die Gesinnung und den Geist des Stifters charakterisiren. Sie bezeichnen als Zweck der Stiftung: „Armen israelitischen Waisenkindern beiderlei Geschlechts in einer abgesonderten Anstalt Nahrung, Kleidung, Erziehung und — soweit es die Mittel der Anstalt zulassen — Unterricht zu gewähren." ($ 1.) Die Anstalt soll es sich zur Aufgabe machen, „die ihrer Obhut anvertrauten Waisenkinder mit elterlicher Liebe zu sittlich guten, gottesfürchtigen Israeliten und für das praktische Leben brauchbaren Menschen heranzubilden." (§ 12.) Die Beköstigung und Lebensweise sowie das häusliche Leben

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