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Der Israelit · 1899-12-14 · Heft 99 (14.12.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 99 (14.12.1899)
Date
1899-12-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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3066 So sei ein Telegramm, welches konfiscirt worden war, noch zweimal gebracht worden, was eine direkte Auflehnung gegen das Gesetz bildete. Der Staatsanwalt bittet, mit Rücksicht auf diese Erschwerungsumstände das Strafausmaß zu bestimmen. Der Vertheidiger Dr. Meyer führt juristische Gründe an, welche die Anklage als nicht begründet erscheinen ließen. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Vice-Präsidenten Dr. v. Holzinger spricht den Angeklagten der Vergehen nach Artikel 7 und 8 der Preßnovelle schuldig und verurtheilt ihn zu ei-nem Monate Arrests. Was den Artikel 1 betreffe, so sei es gleichgiltig. ob die veröffentlichten Mittheilungen direkt den Akten entnommen oder durch Ausfragung der Zeugen erlangt wurden. Zur Begründung des Thatbestandes des Artikels 8 führt der Vorsitzende dieselben erdichteten oder entstellten Umstände an, auf welche der Staatsanwalt sich berufen hatte. Der Vertheidiger meldet die Nichtigkeits-Beschwerde an. Wien, 3. Dez. (Die Schächtungsfrage im Wiener Thierschutzvereine.) Der Stadtrath hat an den Wiener Thierschutzverein die Aufforderung gerichtet, zu der „Schächtung" Stellung >,u nehmen und gegen die bei den Schächtungen angeblich vorkommenden Tierquälereien Schritte bei den Behörden einzuleiten. Hierüber fand am 9. l. Mts. unter Vorsitz des Präsidenten v. Trukler eine eingehende Discussion der Vereinsleitung statt. Das Referat war dem zugleich der Vereinsleitung angehörenden — Magistrats-Vicedirettor Preyer übertragen. Seine Anträge gehen, abgesehen von mehr gewerbepolizeilichen Vorlehrungen, dahin, die nachträgliche Beibringung d^es Betäubungshiebes an geschachteten Thieren anzuordnen. Sie bezwecken ferner die Einschränkung der Schächtungen auf den wirtlichen Bedarf der israelitischen Bevölkerung. Eine Minorität der Vereinsi'eitung erachtete diese Modalitäten erst einer vorausaehenden näheren Untersuchung bedürftig und beantragte die Vertagung behufs Einholung fachlicher Gutachten. Trotzdem wurde das Referat des Magilirats-Vicedirektors mit Stimmenmehrheit angenommen. Dasselbe wird demnächst veröffentlicht und den Behörden behufs entsprechender weiterer Verfügung mitgetheilt werden. Presiburg. Mittwoch, den 6. d. Ai. fand in Drohobyez (Galizien) die Vermählung des einzigen Sohnes vom r,J pKin me» mit der Tochter feines Bruders, des bekannten dortigen Großindustriellen Herrn Jg. L. Schreiber statt. Aus diesem Anlasse ließ '".3 yijc« seinen zahlreichen Schülern am Hochzeitstage ein Fest geben, damit auch sie, denen es nicht vergönnt war, an dem Freudeniage ihres geschätzten und beliebten ehemaligen Kollegen und nunmehrigen Vicedirektors persönlichen Antheil zu nehmen, diesen Tag im Freundeskreise festlich begehen mögen. Das aus dem Schooße des Jeschiwah sich konstituirende fünfzehngliedrige Arrangements-Comitee entfaltete eine fieberhafte Thatigkeit. um den großartigen Erwartungen, die an das Gelingen des Festes geknüpft wurden, gerecht zu werden. Und wahrlich, es war ein Verbrüderungsfest, wie es herrlicher und erhebender nicht gedacht werden kann, ein Fest, welches die Herzen der Hunderte von Schülern miteinander sowie mit ihrem hochverehrten ''z v aufs Reue innig verband; es war eine einzige große Familie, die an diesem Abende einen neuen Ring an die grüße Kette der ihrem geistigen Oberhaupte entgegengebrachten Huldigungs- und Derehrungsbeweise reihte. — Das Festbankett begann präcise um sieben Uhr Abends, und trug zu dessen glücklichem Erfolg auch wesentlich die Anwesenheit des greisen, allverehrten und allseitig ehrfurchtsvoll begrüßten Rosch-Beth-Din. des Rabbiners Neumann bei. der in Begleitung seines Sohnes, des Rabbiners zu Zsambokret, des ehrw. Rabbinais-Asseffor Friedmann und des Talmudgelehrten Kohn erschienen war. Nicht minder herzlich wurde der verdienstvolle Präses der Kultusgemeinde, Herr Joel Wolf ''2 , der durch eine Deputation emgeholt worden war, bei seinem Eintritte begrüßt. Nach dem ersten Gange erhob sich der Neffe von *mt, Herr L. Rubinstein, Vorsteher der „Jeffode Thora", würdigte in einer wohldurchvachten, gediegenen Rede die Bedeutung des Festes und schloß nrit einem vielhundertstimmigen brausenden Widerhall findenden Hoch auf die Person des tick und seines Sohnes; diese Ovationen wiederholten sich übrigens im Verlaufe des Festes unzählige Mal und legten beredtes Zeugniß von der wahrhaft hingebungsvollen Liebe und Anhänglichkeit der Schüler für ihren großen ab. Nun bestieg Herr Schlenger, Vorsteher der „Chewraß Bachurim". das Podium. Wer schon je Gelegenheit gehabt hatte, den gewiegten Redner zu hören, konnte die allgemeine Spannung begreifen, mit welcher seinen Worten entgegengesehen wurde; die anerkannte Virtuosität des Herrn Schlenger bewährte sich auch bei dieser Gelegenheit glänzend, und reicher Beifall lohnte die geistvollen Ausführungen des Redners, als derselbe zum Schlüsse die Hörer der nanr ermahnte, auch fernerhin brüderlich zusammcnzuhalten. zusammenzustreben und auch in Zukunft in Verehrung und Liebe für ihren 'n eines Sinnes zu sein. — Rach aufgehobener Tafel, bei welcher auch namhafte Summen der v^na man zugewendet wurden, vereinigte ein gemüthliches, engeres Zusammensein das Arrangirungs-Komitee bis in die späte Nacht, und kam die animirte Stimmung der Mitglieder in den geistsprühenden Toasten derselben lebhaft zum Ausdrucke. — Üm das Gelingen des schonen Festes hatten sich besonders die Herren Neufeld. Austerlitz, Kohn, Fischer und Löwi verdient gemacht. M. A. Fürst. Rußland. Nadomisel. Nach langen qualvollen Leiden ist hier ein arbeitsvolles Leben zur ewigen Ruhe gegangen.

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