Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1899)
- Date
- 1899-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 99. Der Israelit. Ein HenLrat-Hrgan für das ortyodore Iudenthum. Begründet von Dr, fe^munn in Ittiiini. Donnerstag, de« 14. Dezember 5660 (1899). Nur noch dreimal erscheint der „JSraelii" in diesem Kalenderjahre. Wir bitten deshalb um rechtzeitige Sreubestellnng bei dem in Frage kommenden Postamte. Leitender Artikel. Zum achten Tebeth. Mainz, den 10. Dez. II. Die Mendelssohn'sche deutsche Bibelübersetzung hat innerhalb der deutschen Judenheil ähnliche Folgen gehabt, wie die griechische Übersetzung, die am 8. Tewethihren Abschluß fand. Sie ersuhr dieselbe gegensätzliche Beurtheilung der jüdischen Mit- und Nachwelt, wie damals die griechische. Bevor wir die Grätz'sche Darstellung hier folgen lasten, gestatten wir uns über Gratz' Geschichte der Juden überhaupt und über die Behandlung des uns hier beschäftigenden Gegenstandes, eine allgemeine Bemerkung. Bei der Beurtheilung und Verurlheilung des genannten Geschichtswerks scheint uns ein Moment noch nirgend erwähnt, das einem aufmerksamen Leser sich von selbst auforängt. Der Verfasser war ein fleißiger Sammler, der sich naturgemäß die Notizen und Daten für sein Werk vorher gesammelt und 6e dann zu einem Ganzen verarbeitet hat. Diese Verarbeitung ist an vielen Stellen derart, daß man ihr da» Bestreben ansieht, die verschiedenen, sich oft widersprechenden und gegenseitig ausschließenden Angaben in der versuchten einheitlichen Darstellung unterzubringen, ohne daß die» recht gelingt. Die Fäden, mit welchen der Verfaster seine Notizen zu verbinden sucht, entnimmt er der Phantasie, der Tendenzriecherei, und ähnlichen Sigenthümlichkelten, die dann der ganzen Darstellung das eigenartige Colorit geben, an welchem die nüchterne Forschung mit Recht Anstoß nimmt. Auch in unserem Falle schiebt der Verfaster den handelnden Personen kleine und kleinliche Motive unter, verurtheilt die eine und die andere Richturg, gibt beiden Recht und beiden Unrecht und läßt eine entschiedene Stellungnahme zu der einen oder anderen Anschauung vermissen. Dazu kommt dann noch die überlegene kathederhafte Profestorenmanier, die alle abkanzelt, alles bester weiß, und den eigenen luftigen Hypothesen zu Liebe concrete Thalsachen ignorirt und in ihr Gegentheil umwandelt. Diese Manier äußerst sich dann am widerwärtigsten in der absprechenden Weise, mit der über unsere größten Männer geurtheilt wird. In unserem Falle sind übrigens z. B. die rabbinischen Bekämpfet der Mendelssohn'schen Übersetzung noch glimpflich weggekommen, ei werden ihnen wenn auch kleinliche, so doch wenigstens kein^" unlauteren Motive unterstellt. Es erklärt sich das aus dem Umstande, daß es sich um eine Parthie handelt, die im letzten Band dieser Geschichte dargestellt wird. In diesem Bande zeigt sich in vielen Punkten eine entschiedene Sympathie des Verfassers für das sonst so heftig bekämpfte Überlieferte, historische Judenthum und seine Vertreter und ebenso eine Abneigung gegen dar Reformjudenthum und seine Wortführer. Nach dieser Voraussetzung mag hier im Auszug eine Wiedergabe der Würdigung folgen, welche die Mendelssohn'sche Bibelersetzung in diesem Werke findet; nebst einigen Anmerkungen zu denjenigen Behauptungen, welche die Kritik besonders herautzsordern. „Wie Mendelssohn", schreibt Grätz „ohne es zu wissen und zu wollen, Lesstng zum Schaffen eines Ideals angeregt und durch ihn Vorurtheile gegen Juden bannen geholfen hatte, so hat er in derselben Zeit ebenso absichtslos die geistige Befreiung seiner