Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1899)
- Date
- 1899-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449044--49650-2500092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
304b „Der Rabbi war also bei Dir?" frug die Gräfin gespannt. „Welche Entschuldigung konnte er für das unwürdige Benehmen der jüdischen Gemeinde gegen unfern Faißel Vorbringen?" „Daß er überhaupt Nicht Auskunft zu geben vermöge, ob Faißel ihatsächlich insultrrt werde. Im Uedrigen stammen diese Jnvekliven nicht von hier, sondern von seinem früheren Wohnort." „Und was wtll der Rabbiner für Faißel thun?" „Zuerst lehnte er jegliches Hineinmengen in Privatverhältnrffe ab, schien sogar Mißachtung und Unwillen gegen Faißel zu empfinden, weil er voraussetzle, daß ich auf Veranlassung Faißel's intervenirte. Als ich ihm jedoch offenherzig erzählte, wie hoch ich Faißel schätze und zwar nicht nur, weil er gegen uns so generös gehandelt, sondern weil er stets für seine b drängten Glaubensgenossen eintrat, daß er dem Krugpächter Wolf Britsch seinen Erwerb zu erhalten gesucht haue, ohne darauf zu achten, daß er dadurch vielleicht meine Gunst verlieren könnte, dabei noch so bescheiden war, daß er mich bat, mit Ntemanven davon zu reden, da war der Rabbiner außer sich, daß er einen solchen Mann in seiner Gememde habe und er und die Gemeinde keine Kenntniß von diesen Vorgängen haben. Er versprach heute noch, ihm Genugthuung zu verschaffen." „Wre eigenthümlich! veisetzie vre G ästn. „Die Juden schemen dre Würdigkeit er Glaubensgenossen w.n g.r nach ihren sozialen V.rhälirnffin zu betmffen, alS hauptsächlich nach ihren V rd.enuen M gemeinnützigen Weiten. Wibst Du es noch bi stierten, daß solche Menschen gute Bürger d.S SiaaleS werden? Doch täusche ich mich nicht? Ich sehe dort Faißel kommen! WaS mag ihn hierhe, führe».?" „Er iss von mir hierher besohlen, um ihm einen Verweis zu enhecken!" „E nen Verwe>S? Wie soll ich das verstehen?" „H-be em wenig Geduld, Du wirst es balö erfahien." „Herein!" rief der Graf, als schüchtern an die Thüre geklopft wurde. Die Thüre lyal sich auf und Faißel trat in das Zimmer. „Erneu schönen guten Tag, tochwohlgeborne Gnadenleb. n!" sagte Facht! mit tiefer VelNeigung, während er ferne Augen voller Spannung auf den G.af richtete — „Euere hochwohlgeborene Gnadenleben haben befohlen." „N chts mehr mit Euerer hochwohlqeborene GnaöenUben l Er ist in dem Augenblicke hier vor semem Ankläger! Verstanden!" „Ankläger?" — rief Fache! erschrocken aus. — „Wo ist der Ankläger? Wen klagt er an? Was wll j der Ankläger? Sropfen ihm Euere hochwohlgeborene Gnaden den Mund zu, daß er nicht anklagt! Hast Du eine Schlechtigkeit! Hm anzuklagen! Der Rabbi ist unschuldig!" „Wer 'pricht von Seinem Rabbi? Ec ist der Angeklagte." „Ich? . . . Eine schöne Maase - Maion das. Zuerst m es der Rabbi uns nachher ich! — Was habe ich getban hochwodlgeborene Gnalunleb n?" „Was er gethan hat? Einen Verrath hat er begangen!" „Einen Verrath? Ich Faißel Braunholz einen Verrath? Verstehst Du es Faißel? Ist Euere hochwohlgeborene Gnadenleben meschugge g> worden? Gegen wen soll ich einen Verrath begangen haben?" „Sieh mal einer den Schwernöther, wie er stch verstellt!", lachte der Graf. „Ich bin nicht meschugge; aber Er hat einen Verrath gegen mich begangen, Faißelleben!" „Gegen Euere hochwohlgeborene Gnadenleben? Und da sollen Euere hochwohlgeborene Gnadenleben noch nicht einmal meschugge sein? Wie ist es möglich?" „Na, na, Faißel, will er sein Spiel nicht aufgeben? Sage Er mal, was heißt Chamaur auf deutsch?" „Chamaur", verbesserte Faißel, „heißt^Esel. Doch was hat der Chamaur mit dem Verrath zu schaffen? Was sucht der Chamaur bei Euere hochwohlgeborene Gnadenleden?" „Sthr viel und wenn er es noch nicht erfaßt hatte, dann ist er eben ein Chamaur! Doch, was heißt Scbaute auf hebräisch?" „Das beifet Schaute dockwohlgeborcne Gnadenleben; denn, was hat der Caamaur und oer Schaute mit dem Verralh zu sch. ffe >, den Fache! Braunholz beganren haben soll?" „Insofern bat es mit dem Verrath zu schaffen daß ich i'tzt selbst glaube, daß dre Leute nicht ganz unr.cht baden, daß er ein ausg. machler Chamaur und Schaute ist! Diese Annahme will ich als mildernden Grund für smen Verrath an meiner Freundschaft gelten lassen! Es ist nicht hübsch von Ihm, Fltßel, daß Er sich Jah^ und Tag durch einen unbeabsichtigten W'tz ein.s SyliaaogendienerS sch mpfen und schmähen läßt ohne seinem Gönner zu sagen, wo Jbm der Schuh drückt. Ist das kein Verratb?" „Wie heißt Verrata? A Spaß ist bas ein Verralh? Wo der Schuh drückt! MemeSchube drucken Nicht. Emen Verralh aegen dieFreundsch ist habe ich begangen? Meine Freundschaft mit Rebb Schnuaun Ros nzweig ist viel älter, als die mir Euerer Hochrvohlgkborene Gnadenleben und soll ich gegen diese einen Verralh begehen? Ne ein solcher Schaute bm ich dock mcht, wenn auch S'mon mir es schriftlich gab. Wo ist also da Der Verrath?" „Was faßelt er da tn einem fort von Simon