Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1899)
- Date
- 1899-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XI«. Jahrgang. M 98. Der Israelit. Au AenLrak-Hrgan für das orlhodore Audenlhum Begründet von Br. f^murni in fltstn). Motttag, de« 11. Dezember 5660 (1800). Nur noch viermal erscheint der »Israelit" in diesem Kalenderjahre. Wir b tten drshalb um rechtzeitige Nenvestettnng bei dem in Frage kommende« Postamt«. Leitender Artikel. Jsaac Hirsch "1"?. Von der verehrlichen Schriftleitung um eine Biographie des Mannes, der von der allergrößten Bedeutung für unsere Gemeinde und für die verschiedensten Institutionen derselben gewesen, ersucht, sind es zwei Faktoren, die mir diese so schöne Arbeit erschweren. Zunächst ist noch frisch die Wunde, die sein Heimgang mir verursacht, der ich zeitlebens ihn als meinen einstigen Vorgesetzten schätzen und lieben werde. Auch ohne dies dürfte es seine Schwierigkeit haben, das so überaus thatenreiche Leben des so jäh uns Entrissenen zu schildern. Darum will ich im Folgenden nur eine kurze Skizze geben. Als dritter Sohn des großen Samson Raphael Hirsch ist Jsaac Hirsch am 28. Nissan 1836 zu Oldenburg geboren, wo sein Vater Landrabbiner gewesen. 1841 siedelte die Familie nach Emden, dann nach Nikolsburg über. Bis zu seinem vierzehnten Jahre besuchte der kleine Jsaac die Schule der Piaristen in Nicolsburg. Alsdann kam er nach Wien zu einem Kaufmann in die Lehre. Durch die herrliche Erziehung im Elternhause (der Vater war inzwischen nach Frankfurt übergesiedelt) sowie durch fleißiges eigenes Studium im religiösen und allgemeinen Wissen war er inzwischen zu einem seiner Kenntnisse wegen geschätzten jungen Manne herangewachsen, als er 1855 in das Geschäftshaus von Simon May in Hannover eintrat. Daß er auch jetzt noch dem Thorastudium Tag und Nacht oblag und sich an der Herausgabe des „Jeschurun" betheiligte, wird uns bei seinem bisherigen Bildungsgänge nicht allzusehr in Erstaunen setzen. Von 1860—1889 führte er mit einem noch lebenden Herrn ein Engros-Geschäft; dasselbe erforderte von ihm eine rege Thätigkeit. Dennoch verstand er es, hinreichend Muße zu finden, sich schriftstellerisch sowie mit Gemeinde-Angelegenheiten zu beschäftigen. 1861 führte er seine Gattin Martha geb. Cohn aus Wassertrüdingen heim. Einer hochangesehenen, streng frommen Familie entstammend, hat sie, ein Esches chajil. es verstanden, ihrem ihr so jäh entrissenen Gatten das Leben nach jeder Richtung hin zu verschönen. Man muß Zeuge dieses von echt jüdischem Geiste getragenen Eheglückes gewesen sein, um es ganz würdigen zu können. Als im Jahre 1869 im Mai die neue Verfassung der Synagogen-Gemeinde Hannover eingeführt wurde, berief man Jsaac Hirsch in das Repräsentantenkollegium, in welcher Körperschaft er lange Jahre den Vorsitz geführt hat. An den Aufgaben der Chewra kadischa hatte er sich von jeher in der schönsten Weise betheiligt, und als Ende der 80 er Jahre Hirsch Oppenheimer starb, wurde Hirsch in den Vorstand derselben gewählt. Wie er als solcher gewirkt, davon gab unser allverehrter Landesrabbiner am Grabe Kunde, indem er darauf hinwies, daß von all den vielen hier auf dem neuen israelitischen Friedhofe Ruhenden wohl Keiner sei, an dem er nicht Gemilus chesed schel Emes geübt und in den letzten 16 Jahren wohl Wenige be-