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Der Israelit · 1899-11-27 · Heft 94 (27.11.1899) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 94 (27.11.1899)
Date
1899-11-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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WWWWWMWWWWWWWW 1960 „Ob Jud', ob Christ ist Einerlei, in der Race rc." Darum ist es keineswegs über alle Zweifel erhaben, ob dem Judenplatz der neue „christliche und verdienstvollere" Name fammt dem Tauspathen Dr. Lueger etwas nützen wird. Dazu ist der Judenplatz wirklich ein zu verbissener Semit. Bis 1421, erzählt Professor Umlauft, war hier der Hauptsitz der Juden, dort befand sich das Judenspital, die Judenschule, die Synagoge, die Judenbadstube (!), und in der Mitte das HauS des Rabbi. (!!) Bis l 529 hieß der Platz „unter den Juden", dann wurde er Kästenmarkt genannt, weil hier Kastanien, im Volksmund Kästen, feilgeboten wurden. Warum man auf den Namen Judenplatz zurückgriff, ist uns unbekannt. Jahrelang nahm man daran keinen Anstand bis der edle Pichler aufstand, um dem christlichen Volke die Kastanien auS dem Feuer zu holen und gegen den verunzierenden Namen des ehemaligen Käftenplatzes Front zu machen Wie viel schlaflose Nächte mögen vorübergezogen sein, bis aus dem Kopfe Zeus-Pichler's dieser geharnischte Athene-Gedanken entsprang! Aber jetzt ist der Anfang gemacht. Fortsetzung folgt. Herr Pichler ist doch kein feiler Regierungssklave. .Was er that — denn sein Antrag ist eine That — geschah doch nicht blos der schönen Augen der Grasen Clary wegen. Schon harrt die Judengaffe ihres Befreiers. Und die Marokkanergaffe ist doch auch semitisch. Und die Afrikanergaffe. (!) Auch hier ist das zweifelnd anklagende Rufzeichen nicht unbegründet. Sollen diese und andere Gassen, Straßen, Plätze weiter verunziert bleiben, nur weil sich dort kein Ministerium befindet? An die Arbeit, edler Pichler! Der Lohn wird nicht auSbleiben. Das ehemalige Brünnlfeld lechzt nach Namensänderung. Belgien.? Brüssel. Die belgische Judenheit hat durch den Tod von Jaques Wiener, der am 4. Nov. verstarb, eines ihrer besten Mitglieder verloren. Der Verstorbene war 1815 in Hoorstgen in der Rheinprovinz geboren und kam schon als Kind von zwei Jahren mit seinen Eltern nach Venloo (Holland), wo einer seiner Spielkameraden der später berühmte General Brialmont war. Wiener wurde Graveur und bildete sich in diesem Berufe künstlerisch aus. So entwarf er die Stempel, nach denen die ersten belgischen Briefmarken angesertigt wurden. 1872 verlor er leider sein Augenlicht, doch blieb er bis in die letzten Tage seines hohen Alters, er wurde 84 Jahr alt, sehr rüstig. Bis zuletzt bekleidete er auch die Würde des Präsidenten des jüdischen Central- Consistoriums von Belgien. Von den Orden, die der Verstorbene besaß, seien der belgische Leopold-Orden und der preußische rothe Adlerorden genannt. Am Montag fand bei enormer Betheiligung jüdischer, wie christlicher Kreise das Begräbniß statt, bei dem . Bloch, Oberrabbiner von Belgien, Zadok Kahn, Oberrabbiner von Frankreich und Baron Lambert-Rothschild, in Brüssel sprachen. Der König von Belgien und die Prinzessin Klementine hatten in eigenhändigen Schreiben kondolirt. Amerika.? New-Uork. Der Bericht der jüdischen „Gesellschaft zur Hilfe für jüdische Gefangenen" ist jetzt erschienen und geht aus demselben hervor, daß die Zahl der jüdischen Strafgefangenen im letzten Jahr trotz der stetig wachsenden Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung wieder um 74 abgenommen hat. Im ganzen befanden sich im Berichtsjahre 109 Kinder im Tuvenile Asylum, 150 Knaben und Mädchen im Zufluchtshause, 157 in der Elvira Besserungsanstalt und 237 Gefangene in den Gefängnissen des Staates New-Aork. Bei 400 000 Juden, die zum größten Theil sehr arm sind, ist diese Ziffer wahrlich sehr gering und ein Ehrenzeugniß für die jüdische Moralität. -£• Vermischtes. < Gtirttgart Die beiden vakanten Rabbinate in Oberdorf und Göppingen sind nunmehr definitiv besetzt worden, ersteres durch Herrn Dr. H. Kroner, Sohn des Kirchenrathes Dr. Kroner, letzteres durch Herrn I. Straßburger. Beide Herren haben die betreffenden Stellen bisher als Nabbinatsverweser verwaltet. Briefkasten der Redaction. I. K. in F.r Wo das Stück „Haman als Judenfresser" erschienen ist, können wir Ihnen leider nicht sagen, vielleicht kann einer unserer Leser darüber Auskunft geben d Herrn W. in Sldltt: Sie sind erstaunt in Sigl's Vaterland, vom 16. Nov. d. I. folgende Anerkennung des „Israelit" zu finden. „Die Lektüre des „Israelit" glauben wir übrigens allgemein empfehlen zu können, besonders dentitl. Centrumsredactionen, der selbe sollte in keinem christlichen Hause fehlen und derselbe belehrt mehr, als die antisemitische Presse über die Juden'" Wenn Sie Blätter vom Schlage des Vaterlands regelmäßig lesen würden, und wüßten wieviel Spalten dieselben mit Be'chnüsielung und Benörgelung des „Israelit" fällen, so würden Sie selbst bei Dr. Sigl eine solche Regung der Dankbarkeit begreiflich finden. M. G.: Wie wir hören, wird Tropon aus Schellfischen gewonnen und darf den Spftsen beigemischt werden._ CTsie soeben zur Ausgabe gelangte Nr. 44 des „Reporter", Jllustrirtes Wertbtatt, Berlin, (Preis 10 Pfg., Postzeitungsliste 6327) hat folgenden Inhalt: Wer war es? — Der zerstreute Herr Oberst. — Das Modell. — Die Distanzfahrt Berlin—Cotis (mit 1 Illustration). — Eine Liebestragödie (mit 1 Illustration). — Neues aus dem Wintergarten (mit 2 Illustrationen). — Königin Wilhelmine von Holland (mit 1 Illustration). — Die Balleteuse (mit 1 Illustration). — Panik bei einem Stierkampf (mit 11llustration). — Feuerwehr und Bär (mit 1 Illustration). — Mlle. Bichonnet (mit 1 Illustration). — Llixeäpiekles. — AnsichtSkarlen-AuStaufch. — Unter uns.

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