Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1899)
- Date
- 1899-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWWWW 1955 Aeuilketp«. Der Lhammer und der schaute. Eine Humoreske aus dem jüdischen Leben der guten, alten Zeit. Von Maurice Ma?on. 11) (Alle Rechte Vorbehalten.) Faißel ftand in hoher Gunst bei dem Bezirksoberamtmann und erfreute sich des Wohlwollens vor dessen Frau in noch höherm Maaße. Der Bezirksoberamtmann Gras zu Müngolstein und Hirtlingshorst zählte zu den reichsten und begütersten aristokratischen Familien des Tyroler Landes. Seine Gemahlin, eine geborene Gräfin Stauffenhorst aus einem verarmten, aber uralten Adelsgeschlecht, brachte ihm nur ihre Reize und Schönheit als Mitgift in's Haus. Sie lebten glücklich und zufrieden auf ihren Gütern, denn damals war noch Graf Mungelstein nicht im Amt, im Genüsse ihres Reichthums. Ihre Festlichkeiter, die sie ab und zu gaben, zählten zu den herrlichsten und glänzendsten der ganzen Provinz und waren selbst von den Mitgliedern der regierenden Familie nicht verschmäht. Ja, selbst das souveraine Paar haben solche Jagdfeste durch ihre Anwesenheit ausgezeichnet. Graf Müngolstein stieg immer höher in der Gunst seines Landesfürsten und es wurde ihm das Bezirksoberamt in P. . . übertragen. Als jedoch die Söhne des Grafen, Otto und Karl heranwuchsen und als Offiziere in das stolze Reiterregiment, welches in P. . . g ftand eintraten, ging allmählig eine vollständige Umwälzung in den Verhältnissen der Familie vor. Dre schmucken Offiziere, welche durch die Schwäche ihres Vaters und zärtliche Liebe ihrer Mutter von jeher gewohnt waren, sich keinen Wunsch zu versagen, auf keine Befriedigung ihrer Genußsucht zu verzichten, trieben es noch viel toller, als sie sich der Aufsicht ihrer Eltern enthoben sahen. Ihre Verschwendungssucht ftand beispiellos da. Unsummen blieben auf dem Spieltisch, Tausende verschlangen die Gelage in loser Gesellschaft. Die Thränen der Mutter und die strengen Vorstellungen des Vaters fruchteten nichts, eine Thorheit um die andere mußte der Vater mit großen Opfern wieder gut zu machen suchen. Die Hypotheken häuften sich auf seinen bisher schuldenfreien Gütern und seufzend mußte der Graf sich eingestehen, daß er durch die Verschwendungssucht seiner Söhne, die auf seinen Antrag aus dem Regiment in ein anderes versetzt worden, nicht weit vom Ruin sei. So standen die Angelegenheiten, als Faißel nach P . . . zog. An einem September Vormittag sah Gras Müngolstein, eine aristokratische Erscheinung, mitten in den Fünfzig, mit vergrämten Zügen, in seinem luxuriös ausgestattetem Speisezimmer seiner Gemahlin gegenüber, bei welcher die Sorge sich vergeblich bemüht hatte, die Spuren der einstigen Schönheit zu verwischen. „Er muß sein, ober Anton!" rief die Gräfin bestimmt, mit schmerzlichem Aufseufzen aus. „Du kannst doch wegen einer solchen Bagatelle Otto nicht im Stich lassen wollen? Bedenke, der arme Junge betheuert, daß das sein letzter Streich sein soll!" „Ehbien ma obere!“ erwiederte der Graf mit bitterem Lächeln. „Aber schenkst Du seinen Betheuerungen noch Glauben? Wie oft haben unsere Söhne schon Besserung versprochen, wie oft haben sie schon betheuert, ein neues Leben beginnen zu wollen, und wie oft erwiesen wir uns schwach, diesen Versprechungen Glauben zu schenken!? Aber leider erwiesen sich noch immer unsere Hoffnungen durch neue Enttäuschungen zerstört!" ..Aber bedenke, lieber Anton," warf die Gräfin nervös ein, „es handelt sich dieses Mal doch blos um die geringfügige Summe von dreitausend Thaler." „Aber auch diese ist mir nicht möglich aufzutreiben," versetzte der Graf in dumpfem Tone, „ohne Wucherer in die Hände zu fallen!" „So wollen wir denn den Familienschmuck verkaufen. Er soll ja das Fünffache werth sein." „Auch das geht nicht, eböie Delphine! Abgesehen davon, daß der Familienschmuck ebensowenig veräußerlich ist, wie das Majoratsgut, so muß ich ein derartiges Aussehen meiner anderen Gläubiger wegen zu vermeiden suchen." „Dann laß uns ihn verpfänden. Wir werden wohl die Bagatelle darauf geliehen erhalten." „Und würde das weniger Aufsehen erregen?" „Mon Dieu! Dann ist der arme Junge verloren. Es bleibt ihm nur noch die Kugel." Ein hereingetretener Diener ließ sie mitten im Satze innehalten. „Euere Excellenz halten zu Gnaden!" meldete der Diener, „Der Jude Braunholz bittet um die Gnade." „Was will Er?" fuhr ihn der Graf an. „Er soll sich zum Kuckuck scheren sammt dem Juden! Ich halte hier keine Bureanstunden ab. Der?Jude mag warten, bis die Zeit für die Petenten da ist!" „Ist es nicht der Jude, lieber Anton," frug die Gräfin, als der Diener sich 'entfernt hatte, „der seiner Zeit die große amerikanische Erbschaft erhielt?" „Ja wohl ma cb6re. Doch was soll jdaS?" „O bitte, lieber Anton, empfange ihn hier.