Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1899)
- Date
- 1899-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XX». Jahrgang. M 94. Et» Aentrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Di. Cf|tttsnn in 0t«tns. Montag, de« 2 7. November 5660 (1899). aor Eine MnvK abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat Dezember auf den „Israelit“. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Die Erpediüon des „Israelit". Leitender Artikel. Das Lhanukahwunder. Mainz, 26. Nov. Das Chanukahwunder, besten Gedächtniß unser Chanukahfest feiert und in unverwelklicher Frische erhält, ist ein Zweifaches. Es hat einerseits den Sieg der Schwachen über die Helden, der Reinen gegen die Unlauteren zum Gegenstand, der das entweihte Heiligthum neu geweiht und geheiligt wieder seiner Bestimmung zuführte. Andererseits aber ist es das Lichtwunder, welches bewirkte, daß ein kleines, reines unter hohepriesterlichem Siegel aufgefundenes Krügchen Oel, das nur für einen Tag gereicht hätte, acht Tage ausreichte, bis genügend reines Oel neu beschafft war. Merkwürdigerweise beschränkt sich unsere Ueberlieferung (Talmud Sabbat, Fol. 21 d) auf die Erwähnung des letzten Wunders als Grund der Einsetzung des Chanukafestes. In unseren Gebeten wird dagegen nur das erstere erwähnt, dagegen das letztere ganz mit Stillschweigen übergangen. Welches von den beiden Wundern war das größere? Wenn wir die Bedeutung, die in die Augen fallenden äußeren Consequenzen, die sich an beide knüpfen, in's Auge fasten, so werden wir keinen Augenblick anstehen, die Ueberwindung der Feinde als das größere anzusehen. Fassen wir dagegen das Wunder als solches in's Auge, so werden wir dem Wunder mit dem Oelkrüglein den Vorzug zu geben geneigt sein. Daß an Zahl und körperlicher Kraft überlegene Feinde von einer kleinen Schaar begeisterter Kämpfer überwältigt wurden, ist auch sonst in der Völkergeschichte oft genug vorgekommen, ohne daß man darin ein besonderes göttliches Wunder erblickt hätte. Daß aber ein für einen Tag berechnetes Oelquantum acht Tage lang brannte, widerspricht so vollständig allen uns bekannten Gesetzen, daß wir ein solches Vorkommniß ohne unmittelbares, göttliches Eingreifen nicht zu erklären vermögen. Wenn es auch immerhin wunderbar bleibt, daß der körperlich Schwache den Starken besiegt, so kann es doch Vorkommen, daß der Geist, die Begeisterung, welche den Schwachen erfüllt, diesen stärker und fähiger macht, als den körperlich Mächtigern. Wenn daher von einem Wunder bei der Ueberwindung eines Stärkern durch einen Schwächer» die Rede sein kann, so ist es ein Wunder, das sich innerhalb der Grenzen des Natürlichen und Geläufigen vollzieht. Ein Wunder dagegen, das bewirkt, daß ein geringeres Quantum Oel acht mal so lang brennt, als es nach den uns bekannten Naturgesetzen möglich, erscheint als übernatürlich, weil es sich außerhalb der Grenzen bewegt, welche wir der Natur der Dinge gezogen sehen. Die Frage, welches von den beiden Wundern mehr imponirt, wäre daher allgemein gefaßt die Frage, ob ein Wunder größer ist, welches sich innerhalb der Naturgesetze, oder ein solches, das sich außerhalb derselben vollzieht. Die Frage wird bei einem anderen Anlaß schon