Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1899)
- Date
- 1899-11-23
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Orthodoxe ÄudenlhunW OS ES v^ 23. Nov. 1899] lNr. IS. 'MT. iS WMW i&X;- foaus zur Meschuosi. “*#•/*** ’*5y»** "#J»‘ Krzäylung aus dem Leben - Von Jlon Werad. Ein trüber Dezemberabend senkte sich auf daS Städtchen Neustein herab, dichter Nebel hüllte die Straßen des belebten und sonst freundlichen Ortes ein, die wenigen Fußgänger eilten über das schlüpfrige Pflaster, welches die vereinzelt herabsinkenden Schneeflocken sofort aufsaugte und es zu keiner weißen Decke kommen ließ. Die wenigen Straßenlaternen, die bereits angezündct waren, ließen ihr dunkelrothes Licht durch den dichten Nebel nur wenig erkennen und vermehrten fast noch mehr die Düsterheit. Noch trüber sah es im ßaufe des Kaufmanns Jsak Kcnpf aus. Das stattliche Gebäude, an der Hauptstraße des Städtchens gelegen, barg in seinem Erdgeschosse das Schnittwaarenuitd Landesproductengeschäft, im ersten Stocke die Wohnräume des Besitzers. Das Aeußere, wie das Innere des Hauses zeugte von solidem Wohlstände und das seit länger als einem hallen Jahrhundert bestehende Geschäft erfreute sich , ,oegen seiner Leistungsfähigkeit als auch wegen der Redlichkeit seines Inhabers, des besten Rufes. Das große Wohnzimmer, das sonst bei Anbruch des Abends der Sammelplatz der ganzen Familie war, wo man nach vollbrachter Tagesarbeit sich heiteren Gesprächen hingab und welches stets das Bild eines glücklichen Heims bot, schien heute verödet, trotz deS vollzähligen Vorhandenseins seiner sämmtlichen Bewohner. Herr Jsak Karpf war soeben aus der Synagoge gekommen, wo man heute den Beginn deS ChanukafesteS gefeiert, und die für ihn und den noch abwesenden Sohn Josef bereit gestellten Chanukaleuchter ließen erwarten, daß auch im Hause die festlichen Lichter bald aufleuchten würden. Die Mutter und zwei blühende Töchter saßen in leisem Gespräche in der Nähe des sanfte Wärme ausströmenden Ofens und erhoben sich gleichzeitig beim Eintritte deS Vaters. Dieser war trotz seiner vorgerückten Jahre eine noch immer stattliche Erscheinung. Er begrüßte mit einem innigen Händedruck die ebenso stattliche Frau und sah ihr ernst und bittend in die verweinten Augen. „Ist Josef noch nicht angekommen?" fragte der Vater. Eben wollte es die Schwester verneinen, als die Thüre sich öffnete und derselbe, ganz das Ebenbild des Vaters, nur jünger und elastischer, eintrat. Aber auch bei ihm war nichts von dem Jugendmuth und der Fröhlichkeit, die ihm sonst innewohnte, zu bemerken. Rach einer kurzen und herzlichen Begrüßung sah ihn der Vater fragend an und der Sohn