Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1899)
- Date
- 1899-11-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449037--49485-2500016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1903 jedes Gutdenkenden richten mußte. Sie suchen die Vornahme der Abstimmung zu hindern auf alle Weise, mit Hintansetzung aller Rücksichten des parlamentarischen Tacies und des gewöhnlichen Anstandes, durch Murren und Schreieil mehr als durch Gründe, die nur vereinzelt für die Vertagung vorgebracht werden. Es war eine compacte Majorität, auf die mit diesen Mitteln gewirkt werden sollte; sie blieb fest und unerschüttert. Nach einer Unterbrechung von mehr als einer Stunde beginnt der Präsident abstimmen zu lassen; mit 378 Stimmen gegen 224 wird die vorgelcgte Frage bejaht, werden den Juden des Südens, den portugiesischen, spanischen und denen von Avignon die politischen Rechte zu rkannt^). Der erste große Schritt zur Emancipation der französischen Juden war geschehen; der 28. Januar verschaffte nicht nur einem Theile von ihnen die vollständige Gleichberechtigung, die Einreihung unter das souveräne Volk, er ließ zugleich auf einen stetigen Fortschritt hoffen, auch für die deutschen Juden auf die Beseitigung jeder Zurücksetzung aus dem neuen Staatsrecht. Daß hier noch Kämpfe bevorstanden und die erstrebten höhern Ziele nicht sofort nach dem ersten Erfolge zu erreichen waren, dafür fanden sich in den stattgehabten Debatten hinlängliche Anhaltspunkte. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 6. Nov. Ueber das rituelle Schächten sind in einigen Orten des hiesigen Amtsbezirkes orispolizeiliche Vorschriften ergangen, die dahinzielen, noch mehr als bisher jede Thierquälerei bei dieser Schlachtungsart nach Thunlichkeit zu meiden, insbesondere bei der Niederwerfung des ThiereS und bei der Lage des Kopfes. Die Verwendung des aus dem Halsfchnitt kommenden Blutes zu Speisezwecken darf nur geschehen, wenn der Schlund unterbunden oder mit einer Zange fest zugehaltcn wird, damit sich dem Blute keine Magenentleerungen beimischen können. 58) Das Gesetz, wie eS aus den Beschlüssen der Bersammlung bervorging, lautete: F'assemblee national« d6crete ijiie tous Jes Juifs connus en France sous le uom de juits Portugals, espaanols et avignonnais continneront de joiur des droits dont ils ont joui jasqu’a präsent et qui sont consacres en leor faveur par des lettres-patentes; et en conseqtience ils jouiront du droit de citoyens activs losqu’iis reuniront d’ailleurs les conditions requises par les decrets de l'assemblee. Noch im Monat Januar erhielt es die königliche Bestätigung. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. 8 Wien. In Josephsthal in Böhmen verschied der hiesige Großindustrielle Friedrich Freiherr von Leitenberger im Alter von 62 Jahren. Obwohl derselbe ein strenger Katholik war, so fühle ich mich doch berechtigt, ihm im „Israelit" einen Nachruf zu widmen, da er ein geschworener Feind deS Antisemitismus war und denselben auf's Heftigste bekämpfte. Er ließ eS sich ruhig gefallen, wenn ihn, den fünfzehnfachen Millionär, die Antisemiten einen Judenknecht nannten, und um diese besser bekämpfen zu können, gründete er hier den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" und ließ auch auf seine Kosten eine Wochenschrift erscheinen, welche die Interessen dieses Vereines förderte. Wie gehaßt der Mann dafür von den Antisemiten war, kann man schon daraus ersehen, daß das „Deutsche BolkSblatt" von seinem Tode gar keine No'iz nadm, obwohl er einer der Großindustriellen Oesterreichs war und seine Kattunfabrik in Kosmanos einen Weltruf genießt. Nun, dafür werden aber wir Juden sein Andenken hoch in Ehren halten und seme Judensreundlichkeit treu im Gedächtnisse bewahren. Friede seiner Asche! England.? London. Die hiesige Gemeinde ist natürlich in erster Linie mit dem Kriege beschäftigt, der obwohl er in weiter Ferne in Transvaal geführt wird, die jüd fchen Verhältnisse nicht unerheblich beeinflußt. Fast selbstverständlich ist, daß die englischen Juden in ihrer Wohlthätigkeit brilliren, zu den Fonds iür die Flüchtlinge aus Transvaal und für die Verwundeten hat jüdische Mildthätigkeit schon beinahe eine Million Mark beigesteuert. Eben jetzt erscheint ein Aufruf des jüdischen Militärgeistlichen Rev. FranciS L. Cohen, der Sammlungen für die Familien der jüdischen Soldaten anregt. Unzweifelhaft wird auch für diesen Zweck eine namhafte Summe zusammenkommen. Lord Rothschild beschenkt jeden Soldaten, der nach Afrika geht, mit einer Tabakspfeife und einem Viertelpfund Tabak. Der Oberrabbiner hat ein besonderes Gebet verfaßt, das in allen Synagogen gesprochen wird. Auch unter den zuletzt abgegangenen Verstärkungen für Südafrika befinden sich wieder eine Anzahl jüdische Streiter, von denen Jewish Chronicle acht namhaft macht. Schon haben auch die ersten Schlachten da» Blut tapferer jüdischer Soldaten gefordert. Bei Eland« L ragte fielen Ben Mayer, Gemeiner im ersten Bataillon des Manchester Regiments, und Sergeant S. Abrames von der King Royal R fles. Verwundet wurden in derselben Schlacht H. I. Harri», S. Morris, C. Samuel, alle drei von den King Royal Rrfle«, Henry Marks vom ersten Bataillon des Devonskire