Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-11-16 · Heft 91 (16.11.1899) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 91 (16.11.1899)
Date
1899-11-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449037--49483-2500014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XJL. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 91 des Jtetftdif Keuillet-n. Die EiimzlMtimi der Me« l« KMM. Aus den Quellen bearbeitet von Prof. Ernarruel Leser. *) (Fortsetzung.) IV Die Emattcipatiou Der Beschluß vom 24 December und die Debatten, die ihm vorar.gegangen waren, führten die öffentliche Meinung dazu, auch ihrerseits in der Angelegenheit der Juden ihre Stimme vernehmen zu lassen. Und wie es in den letzten Monaten öfter sich ereignet hatte, daß das Volk sich unzufrieden zeigte mit der Haltung der konservativen Deputaten, die auf der rechten Seite der Nationalversammlung ihren Platz genommen, und die Beschlüße bekämpfte, die durch ihre Bemühungen durchgesetzt worden; so stimmt sein Nrtheil auch in dieser Frage nicht mit denAnsichten überein, zu d.nen sich die Majorität seiner Vertreter bekannt hatte. Was gegen die Juden vorgebracht worden war, ohne in der Versammlung selbst die rechte Widerlegung zu finden, das wird in der Preffe auf's Neue beleuchtet und dem öffentlichen Unheil unterworfen; Maurys Auslassungen insbesondere haben in einer Pariser Zeitung eine eingehende Kritik zu bestehen, die von einer gewandten Feder geübt wird^). Hier ist widerlegt, daß der Abbö vom jüdischen Religionsgesetz Ungünstig s gesagt hatte; war diesem der Vorwurf gemacht, daß durch die vielen Feiertage, die es gebiete, die Thätigkeit seiner Anhänger gehindert und ihre Kraft gelähmt werde, so dient der Hinweis auf Israels einstige Größe, auf die Blüthe seines ehemaligen Staatswesens, um zu zeigen, wie die jüdische Nation durch ihre Institutionen auch jetzt nicht von einer nutzbringenden Theilnahme am politischen und öconomischen Leben der Völker abgchalten sein könne. Das liberale Blatt bringt dann sogar die jüdische Religion mit bem Christenthum in eine Parallele, die nicht zum Nachtheile jener ausfällt 51), es rühmt die wirthschaftlichcn *) Man vergleiche Nr. 46 des „Israelit". 50) Vergl. Nr. 260 des «Journal de Paris. 51) Les Juifs, quoi qu’en dise Monsieur l’abbe Muury ne peuvent pas avoir beaucoup plus de fetes que nous; presqne toutes celles qu’ils ont nous les avons et nous en avon3 institue bien d’autres eneore pour honorer cette multitude de säints dont le christianisine a peuplö le eiel. Eigenschaften der Juden5<2) und ist bemüht, namentlich den Vorwurf des Wuchers von ihnen abzuwälzen53). Daß diesen Ausführungen die Forderung der Freiheit und der politischen Rechte für die Juden folgte, erscheint fast selbstverständlich. Die öffentliche Stimmung gegen dieselben war in den letzten Monaten immer milder und freundlicher geworden, una zwar hatte ihre eigentliche Haltung wesentlich zu dem Umschwünge beigst ragen. Seit dem Beginne der Revolution leisteten die Juden überall im Lande der gemeinen Sache, der Freiheit und dem Fortschritte willige Unterstützungen; die Jünglinge ließen sich in die neugebildeten Bürgerwehren einreihen, und übten hier den Dienst gemeinschaftlich mit allen Mitbürgern und von dem gleichen Eifer beseelt; wer es vermochte, steuerte zu den freiwilligen Geldspenden"), die der bedrängten Staatskasse von allen Seilen zuströmten. Manchmal auch hörte man besondere Verdienste rühmen, die sich einzelne Juden um das Vaterland erworben, sei es, daß sie die Feinde der Revolution wirksam bekämpfen halfen^) oder durch Thaten voll Selbstverleugnung zur Veredelung des öffentlichen Geistes beitrugen. In der an Proben einer reinen Gesinnung reichen Zeit bemerkte man es gleichwohl, als ein polnischer Jude — Hurwitz hieß er — der an der königlichen Bibliothek zu Paris eine kleine Anstellung gefunden, in der Krise des Staates auf ein Viertel seiner dürftigen Besoldung vollständig Verzicht leistete. Unter diesen Umständen zeigten namentlich die Bürger der Hauptstadt viel Sympathie für die Juden, und als diese im Anfänge des neuen Jahres an den Pariser Gemeinderath eine Deputation abordneten, um sich das dauernde Wohlwollen dieser einflußreichen Körperschaft zu erbitten, da sprach der zeitweilige Präsident, ein Geistlicher mit Namen Mulot, in seiner Erwiderungsrede die bemerkenswerthen Worte: Ich werde der Erste sein, den Beschlüssen Beifall zu zollen, die Ihrem Volke günstig sind^). 52) Ardens pour l’acquisition de la fortune, intelligena pour bien choisir les moyens, qu’est-ce qui leur manquerait dans les travaux, ou tous les hommes rfeussissent? 53) In diesem Zusammenhänge findet sich die für den öffentlichen Geist characteristische Aeußerung: Oe inot d’usure est nn de ces fantömes nes dans les temps d’ignoraaoe et qui doivent s’evanouir dans les jours de lumi&re. 54) Den dons patriotiques. 55) Camille Desmoulins erzählte einen Vorfall in seiner Zeitschrift (R6volutions de France et de Brabant I. 106): Le Juif Issaclier ä qui les Bfenfedictins avaieut vendu leur argenterie, depuis la chässe jusqu’ä la fourchette, a dfenonce ces bons peres. 11 y a eu descente de juges etc. 56) Ansprache der Deputation und Gegegenrede des Präsidenten sind wieder abgedruckt im Oktoberheft 1868 des „Tlnivers. israelite“, offenbar aus dem Moniteur vom 2. Febr. 1790 (Nr. 33.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.