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Der Israelit · 1899-11-13 · Heft 90 (13.11.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 90 (13.11.1899)
Date
1899-11-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI* Jahrgang. Beilage zu M 90 des «Israelit". Leitender Artikel. Nie KoWSriWk» >» MSHlkN vor dem Wir. A>iWll»ttre»lMr. Wien, 9. Nov. Abg. Dr. Zaczek (Jungczeche) erklärt angeblich auf Grund von eingehenden Erhebungen an Ort und Stelle und auf Grund der Aussagen von Augen- und Ohrenzeugen, daß die Schilderung der Ereignisse in Mähren seitens des Ministers den Thalsachen nicht entspricht. Er proteftirt dagegen, daß man die Ereignisse in Prerau, Holleschau und Wsetin einfach als Judenhetzen classificirte. In Prerau sei das Einschreiten des Militärs absolut unnütz und überflüssig gewesen. Wären dort nicht unnütze Vorkehrungen getroffen worden, so hätte die ganze Demonstration nach Schluß der musterhaft verlaufenen Protestoersammlung ein ruhiges Ende genommen. Es sei aber das Militär requirirt und die ganze Stadt an allen Enden mit Cavallerie besetzt worden. Es entspreche auch nicht der Wahrheit, daß einige Cavalleriepferde scheu geworden seien, wobei, wie der Minister sagte, einige Personen niedergestoßen und leicht verletzt wurden, sondern es wurde ganz einfach das Commondo zur Attaque gegeben (Hört! Hört! bei den Jungczechen) und die Cavallerie sei in die Menge hineingeritten. (Lebhafte Hört! Hört.'- Rufe bei den Jnngczechen.) Redner kommt sodann auf die Vorgänge in Holleschau zu sprechen. Es sei richtig, daß am 21. October, Abends, in der Judenstadt einige kleinere Demonstrationen vorgekommen seien. Bei diesen wurde der Buchdrucker Klabusay von dem Bürgermeister der Judenstadt ganz blutig geschlagen. (Bei diesen Worten wirft Abg. Sileny eine Anzahl von Porträts des verletzten Buchdruckereibesitzers Klabufay unter die umstehenden Abgeordneten) Abg. Schneider (ein Bild vorweisend): So ist er geschlagen worden.! Abg. Zaczek kann diese Vorkommnisse im Interesse der Juden nur auf» äußerste bedauern. Bei dieser aufgeregten Stimmung habe ein anderer Vorfall auch größere Bedeutung gewonnen. Aus der Branntweinschänke Grätzer sei ein Arbeiter mit solcher Wucht herausgeworfen worden, daß dabei die Glasthür des Geschäftes vollständig zertrümmert wurde. Grätzer sei herausgegangen und habe von dem Arbeiter die Bezahlung der zerschlagenen Scheiben verlangt. Die Menge zerschlug nun unter den Rufen, wir werden dir die Scheiben bezahlen, auch die anderen Fensterscheiben. Die Leute zogen sodann in die Jndenstadt, um dort ebenfalls die Fenster einzuschlagen. Als nun die Menge die Judenstadt, nachdem sie ihr Müthchen dort gekühlt, wieder veclasien wollte, stellte sich ihr in dem engen Thors, das zur Judenstadt führte, Gendarmerie mit gefälltem Bajonnette entgegen. Ohne die geringste Aufforderung zum Auseinandergehen (Hört! Hört! bei den Jungczechen) wurden dann ganz einfach in die neugierige Menge aus einem Engpässe zwei Salven abgegeben. (Lebhafte Rufe der Entrüstung seitens der Jungczechen; Abg. Udrzal: Gemeine Mörder!) Es sei unnütz uud leichtsinnig in die Menge geschossen worden. Selbstverständlich sei die Menge durch die Schüsse in die heftigste Aufregung versetzt worden und nun gegen die Gendarmen losgegangen. Die Gendarmen aber flüchteten aus Furcht vor der erregten Menge in Folge Auftrages de» Bezirkshauptmannes aus der Stadt und marfchirten in die außerhalb derselben gelegenen Kaserne. Jetzt wendete sich die aufgeregte Menge, der sich Zuzügler au» den benachbarten Gemeinden angeschloffen hatten, gegen diejenigen, welche sie für die Schuldtragenden hielt, gegen den Bezirkshauptmann, welcher unter den Schutz des Bürgermeisters sich begeben mußte, und gegen drei Judengeschäfte. Es wurde geplündert, und in der Branntweinbrennerei des Grätzer, in welcher ein Spiritusfaß in Brand gerieth, wurde die gefammte innere Einrichtung ein Raub der Flammen. Provozirt haben die Organe der Regierung, gemordet haben die Organe der Regierung, und Schulo an der nachträglichen Plünderung tragen ebenfalls die Organe der Regierung. (Lebhafte Zustimmung der Jungczechen.) Als das Militär einlangte, trat Ruhe ein. Aber auch beim Leichenbegängnisse ereignete sich wieder eine Scene, durch welche die Bevölkerung in höchstem Grade provozirt wurde. Ein junger Bursche, welcher den Militärcordon zu durchbrechen versuchte, wurde, statt daß man ihn einfach zurückgeichoben hatte, durch einen Bajonnetstich verwundet und ist bald darauf gestorben. (Rufe bei den Jungczechen: Unerhört! — Abg. Sokol: Da» ist auch ein Mord!) Auf diese Weise hat das Einschreiten de» Militär» die Bevölkerung nicht beruhigt, sondern nur noch mehr aufgeregt. Nun kommt der dritte Act diese» Drama» in Wsetin. In Wsetin zog die Menge zum israelitischen Tempel und warf dort die Fenster ein, ebenso bei

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