Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1899)
- Date
- 1899-11-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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? XX. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 89 des „Israelit". Leitender Artikel. Sie Nehrung des gesunden i Mi Magens- Zar Verhütung and Linderung ron Magenkrank* heiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jttd. Speieegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) Im Allgemeinen wird bei allen Erkrankungen der Verdauungsorgane, die nicht mit Verstopfungen einhergehen, dem Thee und wohl auch dem Cacao der Vorzug gegeben vor dem Kaffee, weil dieser einige andere Stoffe, durch das Rösten des Kaffees entstandene Produkte, enthält, die dem Magen nicht recht zuträglich sind, und weil seine Wirkung demgemäss auch eine intensivere ist. Thee und Cacao bilden wie in chronischen, so doch vor Allem in acuten Krankheitsfällen, welche mit Diarrhöen und mit Durstgefühl einhergehen, ein vortheilhaftes und angenehm erfrischendes Getränk. Dagegen eignet sich der Genuss der genannten Getränke keinesfalls für Magenkranke, die an starker Säureentwicklung oder nervösen Beschwerden leiden. Da die genannten Genussmittel in ihrer Qualität sehr bedeutend variiren, ist es angezeigt, für Magenkranke nur die besten Sorten zu verwenden, minderwerthige Ersatzmittel zu meiden und vor betrügerischen Zusätzen auf der Hut zu sein. Für echten Kaffee kommt eine Reihe sogenannter Surrogate, aus Roggen, Gerste, Rüben, Feigen, Datteln, Eicheln oder Cichorie hergestellt, in den Handel, welche, mögen sie auch dem Kaffee an Geschmack gleichen, allesammt wegen des Fehlens an seinen wirksamen Bestandteilen nie einen ausreichenden Ersatz für ihn gewähren; sie stellen samt und sonders werthlose Getränke dar, mit denen Magenkranke nicht unnütz ihre Verdauungsorgane beladen sollten. Dasselbe gilt natürlich auch von den Surrogaten des Cacaos oder Thees. Der Cacao findet in einem seiner beliebtesten Präparate, in der Chocolade, die weitgehendsten Verfälschungen. Abgesehen von den minderwerthigen Zusätzen von Mehl, gerösteten Eicheln, gepulverten Kastanien,Holz, Kartoffeln, Soda interessirt uns am meisten die Beimischung von Stearin, Paraffin, Rindernierentalg, Kalbsfett oder Hammelsfett zu Chocolade. Solche Zusätze machen natürlich die Chocolade schwer verdaulich und zum Genüsse Magenkranker untauglich. Bei einer Zuthat von fremdem Fett sind derart zubereitete Chocoladen ausser von hygienischen, auch noch vom religionsgesetzlichen Standpunkte zum Genüsse verboten. Reine Chocolade darf als Bestandteile nur Cacaopulver und seine Reizstoffe sowie einen geringeren Zusatz von Zucker und allenfalls ein Gewürz wie Vanille enthalten. Ein fremder Fettzusatz zur Chocolade muss geflissentlich gemieden werden, da eben der Cacao den Fettgehalt in der Cacaobutter zur Genüge liefert. Zwar ist anzunehmen, dass die theueren Sorten des Handels frei von solchen fremdartigen, minderwerthigen Zusätzen sind, da aber in dieser Beziehung eine genaue Controlle dem Consumenten fehlt, ist es rathsam, die Chocolade aus rituell zuverlässiger Quelle zu nehmen, aus einer Quelle, welche Garantie für ihre Reinheit und Echtheit bietet, welche dafür bürgt, dass keine tierische» Fettzusätze stattgefunden. Im Grossen und Ganzen bildet Chocolade, wiewohl ihr ein bedeutsamer Nährwerth zukoNMt. für Magenkranke keine empfehlenswerte Nahrung, da sie sehr schnell den Appetit verlegt und wegen des Gehaltes an Cacaobutter, Zucker und Gewürz nicht so leicht verdaulich ist. Magenkranke werden darum ihren Verlust sehr leicht missen können. Für die Güte der aus Kaffee, Thee oder Cacao bereiteten Getränke spielt ausser der Qualität des dazu verwandten Materials noch ein anderer Faktor mit, dass nämlich die wirksamen und aromatischen Reizstoffe in den Wasseraufguss — am vorteilhaftesten wird weiches, kalkarmes Wasser verwandt — in genügenden Mengen übergehen. Was den Kaffeetrank anbetrifft, so genügen für eine mittelgrosse Tasse desselben durchschnittlich 8—14 gramm gerösteter Kaffeebohnen, die kurz vor dem Gebrauche gemahlen werden. In diesem Zustande wird der Kaffee in ein Filter oder Säckchen getan und über ihn dann kochendes Wasser allmählich, langsam gegossen. Die vorteilhafteste Bereitungsweise des Theegetränkes besteht darin, dass zu denTheeblättern — für eine Tasse reichen 3—5 Gramm — j kochendes Wasser geschüttet wird und die Theeblätter dann in dem zugedeckten Gefässe der Einwirkung des heissen Wassers etwa 3 Minuten *) Vergl. Nr. 59 de« „Israelit“.