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Der Israelit · 1899-11-09 · Heft 89 (9.11.1899) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 89 (9.11.1899)
Date
1899-11-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1856 mm Bornahme von Trauungen vom Cultusvorstande unter möglichster Berücksichtigung der verschiedenen in der Gemeinde üblichen Ritualformen auch Rabbiner von Bethausvereinen bestellt. § 56. Auch haben sie ()iese Vereinscabbiner) keinerlei Gehalt»- oder Pensionsansprüche an die CultuSgemeinde. Nachdem hier die obligatorische Civilehe nicht existirt, der Trauungsakt also eine staatliche Funktion ist, die nur den Organen der CultuSgemeinden übertragen ist, war die Ernennung S. E. des Herrn Rabbiner Fürst für die Wiener Orthodoxie eine Nothwendigkeit, der die CultuSgemeinde fceundlichst Rechnung getragen hat. Diese Ernennung hat weiter keine amtlichen Beziehungen mit der Cultusgemeinde zur Folge und gibt keinen Anlaß zu berechtigter Kritik. Wer um jeden Preis nörgeln will, den wird keine Aufklärung hiervon abbringen. Wien, 8. Rov. (Abgeordnetenhaus.) In der Debatte über die Beantwortung der Interpellation betr. die Exzessen in Mähren erklärte Zazek (Tscheche), daß die Juden dort deßwegen die Opfer der Exzesse wurden, weil sie politisch immer zu den Deutschen hielten. Die böhmische Bevölkerung sei nicht antisemitisch. Wenn die Juden sich aus ihre Seite stellten, könnten sie mit ihr in vollem Frieden lebe». Von einem Klassen- oder einem religiösen Haß könne bei den Böhmen keine Rede sein (?!) Prag, 7. Nov. Professor Masaiyk von der hiesigen czechischen Universität veröffentlicht eine Broschüre über die Nothwendigkeit der Revision des Polnaer Mordprozeffes. Der Verfasser erklärt in der Einleitung, er wolle durch die Analysirung des Prozesses die Schande gut machen, die den Czechen von ihrer Journalistik bereitet wurde, welche durch lügenhafte und hetzerische Schilderungen eine czechische und österreichische Dreyfus - Affaire bereitete. Der ganze Polnaer Prozeß fei unter antisemitischem Drucke und unter dem Aberglauben vom Rilualmorde durchgkführt worden. Die Ehre des czechischen und österreichischen Richterstandes und der Juristen werde hoffentlich von Denjenigen vertheidigt werden, welche die Sache in erster Linie angehe. In der Besprechung der Polnaer Affaire seitens der czechischen OÖffentlichkeit liege so viel Widersinniges, Undenkbares, leidenschaftlich Ueberreizte», ja geradezu Unmenschliches und Grausames, daß eine solche Erscheinung sich nur mit der nervösen Ueberreiztheit und dem abnormalen Zustande deczechischen und österreichischen Lebens überhaupt erkläre. Für Di.jenigln, welche den Stand der Dinge einigermaßen aufmerksam beobachten, sei der Polnaer Prozeß ein blutiges Memento. Masaryk zweifelt nicht daran, daß es zur Revision des Prozesses komme und kommen müsse. Prag, 7. Nov. Die Broschüre des Professors Dr. Marsaryk über den Polnaer Mord, welche gestern tm Verlage von Merci erschienen ist und eine Darlegung darüber enthielt, daß die ermordete Hruza nicht an dem Orte, wo ihre Leiche gefunden wurde, sondern in ihrem Geburtsort Klein-Wesnitz getödtet worden sei, wurde heute von der Staatsanwaltschaft confiscirt. > vermischtes. < Cassel Am 19. Ort. d. I. fand iin hiesigen Israel. Seminar, unter Vorsitz des Herrn Provinzialrathes Dr. Otto, die diesjährige zweite Lehrerprüfung statt. Sieben Kandidaten traten in die mündliche Prüfung ein, von denen fünf dieselbe bestanden. München Herr Eduard S i l b e r m a n n, bisher Rach am Kgl. Landgericht München l wurde zum Staatsanwalt am OberlandeS-Gericht München ernannt. Herr Silbermann ist ein sehr eifriger Besucher der Synagoge Ohel Jakob. Pari- In der kommenden Saison wird die komische Oper ein neues Stück „Der polnische Jude" aussühren, von einem jungen Komponisten Camille Erlanger, der schon den den großen Preis von Rom davongetragen hat und zur Zeit Chordirektor der Synagoge in der Rue des Tournelles ist. - Auch von hier sind mehrere jüdische ("elehrte zum Orientalistenkongreß nach Rom gegangen, so der berühmte Jules Oppert. dann auch Rabbiner Israel Levy, der Professor an der Ecole des Hautes Etudes. Letzte Nachrichten. Frankfurt a. M., 6. Nov. Ueber die goldene Hochzeit im Hause Rothschild berichten Frankfurter Blätter: Der Gothaer Hofkalender bezeichnet den 21. November als Vermählungstag, und dieser wurde daher auch als Tag der Feier in den Blättern angegeben, die heutige Feier ist ober nach dem jüdischen Kalender berechnet. Obgleich von diesem Datum nicht« in die Oeffenllichköit gedrungen war, sind doch zahlreiche Glückwünsche von hier und auswärts eingelaufen. Freiherr v. Rothschild und seine Gemahlin erfreuen sich bei ihrem Jubelfest voller geistiger und körperlicher Frische. Aus Anlaß des Ereignisses stnd, wie wir hören, Stiftungen in erheblichem Umfang gemacht worden, u. a. der Israelitischen Religionsgefellschaft M. 80,000, je M. 10,000 der Israelitischen Volksschule und oem Pensionsfonds seiner Beamten, denen außerdem ein Vierteljahresgehalt als Gratisikalion angewiesen wurde, welche Sunime ebenfalls rund M. 100,000 beträgt. Briefkasten der Redaetio«. Herrn 9t. 9t., Mülhausen i. V : Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Auskunft. Inzwischen haben wir auch aus dem Lande der bisherigen Wirksamkeit des betr. Herrn

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