Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1899)
- Date
- 1899-11-02
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449033--49395-2499922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1825 In der allen Zeit habe man im Gotteshause an Wochentagen mehr andächtige gefunden, wie jetzt an Sabbat- und Festtagen. Vereine zu Thorastudium und Bauen von Sukkoth's finde man selten; die Vereine der guten alten Zeit sind eingcgangen. Es entspinnt sich eine sehr rege und interessante Debatte. Zunächst bemängelt College Sulzbacher—Biebrich den Ausdruck „Landgemeinden" und will an dessen „Gemeinden" gesetzt wissen. Nicht in den Landgemeinden allein, sondern auch in den Stadtgemeinden ist die Religiosität zurückgegangen. Dem schließt sich auch Herr Vorsteher H e ß—Wiesbaden an, welcher aus eigen gemachter Erfahrung constatiren kann, daß gerade in den Landgemeinden noch mehr Religiösität vorhanden sei, als in den Stadtgemeinden. Im weiteren Verlauf der Debatte betheiligen sich die Herren Rabbiner Dr. Dr. Silber sie in—Wiesbaden, Weingarten—Ems und Landau—Weilburg, sowie die Collegen Lomnitz—N.-Lahnstein, A l t —Diez, Wolf — Blum und Nußbaum — Wiesbaden, Jäckel —Westerburg, Greif —Schwalback, sowie brr Unterzeichnete. Herr Rendant Strauß—Wiesbaden erachtet zur Hebung der Religiösität das Abhalten religiöser Vorträge beim öffentlichen Gottesdienst für nöthig. Ueber diesen Punkt entsteht eine etwas sehr erregte Debatte. Zum Schluß werden folgende Thesen angenommen: Um die gesunkene Religiösität in den Gemeinden zu heben, ist erforderlich: 1) Gründlicher Religionsunterricht. 2) Würdiges Vorträgen der Gebete beim öffentlichen Gottesdienst. 3) Bildung religiöser Vereine. 4) Halten deutscher Vorträge religiösen Inhaltes beim öffentlichen Gottesdienst (Zusatz Strauß—Wiesbaden). Zweiter Punkt der Tagesordnung. Allgemeine Pensionskasse des Lehrer-Verbandes. Vorsitzender Alt giebt als Delegierter Bericht über den Delegirtentag üi Berlin. 3. Pensions- und Unterstützungskasse der Lehrer Nassaus. College Snlzbacher—Biebrich verbreitet sich über den Stand der Kasse und fordert zur regen Vetheüigung und Zuführung von Mitteln zur Kasse auf. Rendant St rau ß—Wiesbaden erklärt, die Gemeinden müssen zur Kasse im Verhältniß zu ihrer Steuerkraft beitragen, denn ohne Subvention der einzelnen Gemeinden ist ein erfolgreiches Resultat nicht zu erzielen. Dabei wollen wir bemerken, daß die Gemeinde Wiesbaden, obwohl sie für die Pensionirung ihrer eigenen Beamten Sorge trägt, unserer Kasse jährlich 100 Mark zuweist (Bravo). College M a g s ch a a l —Montabauer meint, daß Selbsthilfe für den enaeren Kreis nöthig sei, eine allgemeine Verbandskasse nütze nichts, der Unterzeichnete bleibt auf seinem vorjährigen Standpunkt stehen, daß nur durch Eingreifen staatlicher Hilfe nennenwertheS geschaffen werden kann, wie Erhebung einer allgemeinen Kirchensteuer zu einem niederen Prozentsatz. Vorsteher Heß anerkennt im Prinzip diesen Vorschlag, glaubt aber nach Lage der Verhältnisse nicht an der Durchführbarkeit desselben. Er schlägt vor: durch einmalige Zeichnung von Beiträgen von den Glaubensgenossen des Regierungs-Bezirkes Wiesbaden einen Fonds, resp. Grundstock zu bilden, sowie einzelne Gemeindemitglieder als Ehrenmitglieder deS Vereins zu gewinnen. Damit wird Punkt 3 der Tagesordnung verlassen. Es erhält zu Punkt 4 der Tagesordnung College I ä ck e l—Westerburg das Wort zu seinem Referat: „Die Vorbildung des Lehrers (Verbandsthema). Auch dieser Referent hat es an Fleiß nicht mangeln lassen, seiner Aufgabe vollständig gerecht zu werden. Der Vortragende will insbesondere den Schächterdienst getrennt wissen mit der Motivirung „das Schächten wirke verrohend auf den Lehrer." Der Vortragende steht mit seiner Ansicht wohl isoliert da, insbesondere wird von den Herren Dr. Dr. Landau und Silberftein, sowie Herrn Vorsteher Heß geltend gemacht, daß das Schächten ein religiöses Gebot sei und ein solches durchaus den guten Sitten nicht widersprechen kann und darf, umsomehr da nur Männer von makellosem Rufe, streng religiössittlich-moralischem Charakter und Lebenswandel als Schächter autorisiert werden können und dürfen. Im Uebrigen muß, wie bereits oben erwähnt, constatiert werden, daß College Jäckel mit Fleiß und großer Sachkenntniß sich seiner Aufgabee entledigte. Reichen Beifall lohnte den Redner für seinen Vortrag. In dem Vortrag „Vorbildung des Lehrers" wird verlangt. 1) Geeignete Persönlichkeit zum Lehrerberufe. 2) Gründliche Vorbereitung und Vorbildung. 3) Rach dem Austritte ans dem Seminar weitere Fortbildung. 4) Die Seminarlehrer sollen aus dem Votksschullehrerstand hervorgehen. Lehmann, Schriftführer, Weilburg.