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Der Israelit · 1899-10-30 · Heft 86 (30.10.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 86 (30.10.1899)
Date
1899-10-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI« Jahrgang. Beilage ju M 86 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten «nd Eorrefpondenzen. Deutschland. Posen, im Oct. pam bv bzr. In einer Zeit, wie die jetzige, Ln welcher rro und ew nur spärlich vorhanden sind, bedeutet das Hinscheiden eines solchen Mannes einen unersetzlichen Verlust. Einen solchen hat unsere Nachbargemeinde Grätz erlitten. Der Kaufmann B’-rweE^p pnap n, ein Schüler des in weiten Kreisen bekannten „Grätzer 21", des ■UDKOtM nHx "i prcn, ist nach mehrjährigen Leiden im Alter von 82 Jahren aus dem Leben geschieden. Was dieser Mann dem Judenthume und speziell seiner Gemeinde war, in derer auch als s""fungirte, wie sehr und mit welchen Opfern er mVa:: rrnay rrrn gepflegt hat, ist zwar in Folge seiner Bescheidenheit nicht in weite Kreise gedrungen, aber wie groß die Verehrung war, die ihm gezollt wurde und welche Thcilnahme sein Hingang erregte, zeigte sich bei seinem Leichenbegängnisse. Nicht nur die Gemeinde, der er angehörte, war fast vollständig vertreten, sondern auch aus unserer Gemeinde und anderen benachbarten Gemeinden waren zahlreiche Personen dazu erschienen, so daß es sich zu einer großartigen Kundgebung gestaltete. An der Bahre sprach der Oberrabbiner Herr Dr. Silberberg in ergreifenden Worten über die Verdienste und die Vorzüge des Hingeschiedenen, indem er die Psalmworte no y« '2- -Hn und rzi nrr> *öj «zu Grunde legteer schilderte die Größe des Verlustes, den der Familienkreis, den die Gemeinde erlitten. Darauf ergriff der Rabbinatscanditat, Herr Dr. Mannes aus Posen, das Wort, und an der Hand des aus dem Wochenabschnitt des vorangegangenen mv entnommenen Wortes "jS entwarf er ein treues Lebensbild des Hingeschiedenen, den er als Menschen, als Familienvater, als Jehudi schilderte. Tief ergriffen von den hinreißenden Worten der beiden Redner verließ die zahlreiche Trauerversammlung den Friedhof. Oesterr.-Un gar. Monarchie. Wien, 31. Oct. (Eine verhüllte Blutbeschuldigung.) Im Morgenblatte des „Deutschen Volksblatt" ist ein Artikel unter dem Titel: „Ein in jüdischen Diensten gestandenes Mädchen — verschollen", erschienen, welcher bedeutendes Aussehen erregt Hat, weil in demselben in verdeckter, aber döch deutlicher Weise der Federnfabrikant Joseph Lecker, Mariahilf, Esterhazigasse 29, verdächtigt wird.! an dem Verschwinden einer bei ihm bedienstet gegewesenen Arbeiterin, Beatrix Duschek, betheiligt zu sein. Die in diesem Artikel aufgefüyrten Thatsachen sind zum größten Theile vollständig aus der Luft gegriffen und ist gegen das „Deutsche Volksblatt" die Ehrenbeleidigungsklage anhängig gemacht. Herr Lecker versichert, sich weder an den Namen noch an die Person der Duschek zu erinnern, welche nur wenige Tage bei ihm bedienftet gewesen sei und mit Hinterlassung ihres Dienstbuches verschwand. Nachträglich wurde festgestellt, daß Beatrix Duschek am 12. November den Dienstplatz bei Herrn Lecker verlassen und am 15. November auf der Ringstraße promenirend gesehen wurde. Sie habe dort eine Beziehung angeknüpft, mit welcher wahrscheinlich ihr Verschwinden im Zusammenhang steht, denn sie sagte zu ihrer Freundin Marie Voigt: „Ich habe jetzt einen so guten Dienftplatz wie noch nie." Wien, 27. Oct. (Gemeinderath.) Als Referent über die Verleihung der Salvator-Medaille an Pfarrer Deckert fungirte Stadtroth Tomola, welcher den Antrag stellte, es sei dem Pfarrer Dr. Joseph Deckert anläßlich seines 25jährigen Pfarrer- Jubiläums und in Würdigung seines vieljährigen und verdienstvollen Wirkens in der Seelsorge wie auf humanitärem Gebiete die große goldene Salvator- Medaille zu verleihen. Sonntag beantragt wieder, den Gegenstand in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Schuh gab die Erklärung ab, daß er sich als Protestant der Abstimmung enthalten müsse. Dr. Nechansky: Ich bin für die Verleihung der Salvator-Medaille an wahre Priester, Deckert war aber immer ein Fanatiker des Hasses. Bei diesen Worten wird der Redner von Dr. Lueger unterbrochen und gefragt, ob er den Ausdruck „Pfaff" gebraucht habe. (Protestrufe der Liberalen,) Dr. Nechansky: Ich habe von Pfaffen nichts gesprochen. Aber ich bin immer ein Gegner der Fanatiker gewesen. Trotzdem will ich die über Deckert vorliegenden Dinge nicht berühren. Deckert war immer ein politischer Agitator, berühmt durch sein Schimpfen von der Kanzel. Deckert hat sein priesterliches Amt mißbraucht. Professor Zemann nannte Deckert den Typus eines Hetzpfaffen. Er sei kein katholischer Priester. Bei diesen Worten geriethen die Antisemiten in große Aufregung und unterbrachen stürmisch den Redner. Dr. Lueger ermahnte den Redner, derartige Ausdrücke zu unterlassen, sonst müsse er ihm den Ordnungsruf ertheilen. Professor Zemann will die lügenhafte Broschüre Deckert's über Luther besprechen und wird vom Bürgermeister zur Ordnung gerufen. Hierauf bemerkt Zemann, daß man so wie der Pfarrer Deckert

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