Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1899)
- Date
- 1899-10-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI- Jahrgang. Erste Beilage M M 85 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Eppittgeu, 12. Oct. In der jüngsten Zeit wurden drei isr. Neligionslehrer von Sr. Königl. Hoheit, dem Großherzog von Baden goldene Verdienst- Medaillen gnädigst verliehen: Den Herren Lehrern Brandeis in Worblingen, Schwarzwälder in Schlüchtern und Wolf in Sennfeld. Von der Uebergabe an Letzteren haben Sie ausführlichen Bericht gebracht. Auch dem Herrn Elias Schwarwalder wurde die Medaille von dem Herrn Oberamtmann von Böckh auf dem Rathhause in Schlüchtern, in Gegenwart des Gemeinderaths, des Synagogenraths, der katholischen und protestantischen Lehrer, sowie der Angehörigen des Verliehenen feierlichst überreicht. Herr Amtsvorstand von Böckh ließ dem Akte eine erhebende Ansprache vorausgehen. Alsdann wurde dem Decorierten durch den Vorstand des Synagogenraths namens der israelitischen Gemeinde in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste ein silberner Pokal überreicht. Für diese beiden Ehrengeschenke dankte der Gefeierte sichtlich gerührt. In Abwesenheit des Herrn Bürgermeister Besserer brachte Herrr Gemeinderath Rickert ein Hoch auf S. K. H. den Großherzog aus, in welches die Anwesenden becjciftrt einstimmten, ebenso in das von einem Mitglied des Synagogenraths auf Herrn Oberamtmann von Böckh ausgebrachte Hoch. Möge der Decorierte noch lange sich des Ehrenschmuckes freuen. Aus dem Badischen, 22. Oct. Von einem herrlichen Feste, will ich Ihnen heute berichten. Es galt der silbernen Hochzeit unseres verehrten Bezirksrabbiners Herrn Dr. Mayer in Bühl. Ohne dessen Wunsch und Willen drang es in die Oeffentlichkeit, daß am Heutigen der Tag der silbernen Hochzeit sei. Nicht nur von Bühl selbst, sondern auch von verschiedenen anderen Gemeinden des Bezirkes trafen paffende Geschenke und telegraphische Gratulationen ein Auf Veranlassung ihres College» Mayersohn von Rastatt erschienen die Lehrer des Bezirks alle wie ein Mann und gaben ihrer Freude Ausdruck durch ein sinnreiches Present in Gestalt eines schönen Tafelaufsatzes, mit Ueberreichung einer prachtvoll ausgeführten Adreffe der Gratulanten. Herr Mayersohn hielt dabei eine schwungvolle Ansprache, die Herr und Frau Dr. Mayer 'sichtlich tief bewegte. Der Jubilar drückte in ergreifender Rede seinen Dank aus für diese, tvie er glaubte, unverdiente Ovation, die ihn unverhofft so freudig überraschte. Ein bescheidenes Mahl, das im Hause des Jubilars stattfand, verlief in freudigster, humorvollster Stimmung. nrnSnü rratr. rrw Licht und Freude, Jubel und Wonne las man von den Gesichtern der Festgesellschaft, unter welcher auch einige Damen vertreten waren. Verschiedene Toaste wurden ausgebracht, auch abwechselnd nrn nr gesprochen, wodurch die paar schönen Stunden dieses Tages nur zu schnell verliefen. Möge der Allmächtige dem Jubelpaare das Glück schenken, daß dasselbe noch viele Jahre in Gesundheit und Frieden erlebe, daß es nach 25 Jahren noch in Rüstigkeit auch seine goldene Hochzeit feiern könne. England. London. Unter dem nach Afrika gesendeten Militär befinden sich eine ganze Anzahl von jüdischen Soldaten. Der „Jewish Chronicle" veröffentlicht eine Liste von solchen, die bereits verschifft sind, und zählt dabei auf: Major G. F. Leverson von den Royel Enginees, Kapitän E. S. Goldschmidt vom Welsb-Regiment, Lieutenants H. I. Stern von dem 18. Hus.-Regt. und F. G. Cunnot vom Generalstab, sowie 57 Gemeine und Unteroffiziere. Diese letzteren vertheilen sich auf alle Waffengattungen und Regimenter, sogar unter den Schotten und der Garde finden sich jüdische Soldaten, ebenso unter den Lancier- und Husaren, die nach Afrika abgegangen sind. Auch unter den Freiwilligen aus den Kolonien, die an dem südafrikanischen Kriege theilnehmen, befinden sich eine ganze Anzahl jüdischer Offiziere und Soldaten. So stehen bei den Natal Carabiniers die Lieutenants H. M. Landsberg, F. O. Stiebel und I. Abrahams und bei den Kap-Hochländern Lieutenant F. H. Golomens. Viele andere jüdische Soldaten und Offiziere mögen unter diesen Truppen stehen, ohne daß man davon weiß, denn bei dem englischen Militär frägt man nicht nach der Religion der Solvaten. Wenn man indeffen auch nur die oben genannte Zahl von 4 Offizieren und 57 Soldaten unseres Glaubens in Betracht zieht und bedenkt, daß in England nur V* Prozent der Bevölkerung Juden sind, so ist die Bethetligung der Juden im englischen Heeresdienst um so bedeutsamer, als dieselbe bekanntlich hierzulande eine ganz freiwillige ist.? London. Auf dem diesjährigen Kongreß der englischen Kirche las der Dekan von Worcester einen Aufsatz vor über „Die religiöse und soziale Lage der Juden in der Gegenwart". Der Vortrag war zwar bemerkenswerth durch seinen wohlwollenden Ton, aber leider voller Jrrthümer über die Verhält-