Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1899)
- Date
- 1899-10-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1769 in hohem Maaße, so daß ein Jeglicher von ganzem Herzen an seinem Jubeltage Antheil nimmt. - T>2< hi S22 onnax DK. -ä- München, 26. Oft. Am 19. ds. er öffnete der Verein für Jüd. Geschichte und Litteratur seine Thätigkeit für die Wintersaison im großen Saale des Museums. Der zweite Vorstand. Herr Justizrath Dr. G o 1 t h e l f, begrüßte die erschienenen Herren und Damen, indem er dabei hervorhob, der Verein könne hinsichtlich des verflossenen Jahres auf ein ersprießliches Wirken zmückblicken. Hervorragende Redner, erprobte Kräfte auf dem Gebiete der Wiffenschaft haben von den Ergebniffen ihrer Geistesarbeit und ihrer Forschungen theils in öffentlichen Vorträgen, theils in Diskufsionsabenden hören lassen und damit noch vielen Richtungen hin befruchtend und anregend gewirkt. Auch für das nun beginnende Jahr fei es der Leitung des Vereins gelungen, ansehnliche und berufene Kräfte zu gewinnen, wodurch ein gedeihliches Vorwärtsschreiten des Vereines gesichert erscheine. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Werner einen Vortrag über „Salomo Gabriol und JehudaHalevi". Mtt der ihm eigenen seltenen Begabung entwarf der Redner ein in Farbenpracht leuchtendes, berückendes Gemälde von jener Zeit in den hiberischen Landen, auf welche wir nicht ohne Neid, nicht ohne tiefe Schwermuth, nicht ohne schmerzliches Sehnen zurückblicken können. Die lebendige, bilderreiche Schilderung ließ vor unserem Auge erstehen, jene für unser Volk glänzende Epocke, welche wir Juden das goldene Zeitalter des Mittelalters nennen dürfen, jene Zeit, da jüdische hohe Würdenträger, jüdische Minister, jüdische Künstler, jüdische Dichter und Gelehrte ein Wirken und ein Schaffen entfalten konnten, das ihnen und dem gesummten Judenthum ewigen, unvergänglichen Rahm gesichert hat. Den zwei glänzendsten Sternen jener Epoche, Salomo Gabirol und Jehuda Halevi galt die Besprechung des Abends. Der hohe Geist, der durch die Werke und Dichtungen dieser beidln Großen weht, die Tiefe der Empfindung, die Innigkeit, Zartheit und Feinheit ihrer Poesie, nicht minder ihre glühende Liebe zum Judenthum, ihre verzehrende Sehnsucht nach dem heiligen Lande, alles dies wußte Herr Dr. Werner so ergreifend, so lebenswahr zu schildern, daß die Hörer wie fasc'mirt der feurigen Beredsamkeit lauschten. Von den Werken Gabirol's widmete der Redner u. A. den Schöpfungen Keser Malchus, Mekor Chajim, Mivchar Hapninim, Buch der Temperamente eingehende Betrachtung, um aus dem großen Kranze der Ruhmesarbeit dieses GeifteSheroen einige Blüthen herauszugreifen. Wir hörten sodann schildern, wie Jehuda Halevi es verstanden, in seinen Werken voll Schwermuth, voll Weltschmerz die Dornenkrone der Vergangenheit zur Geltung zu bringen, um aufgerichtet durch religiöse Zuversicht und durch gottbegeisterten Glauben dann auch wieder die Zukunft im leuchtenden Strahlenkränze emportauchen zu kaffen. Der Vortragende schloß ungefähr mit den Worten: Wenn der trübe, düstere Aspect unserer heutigen Zeit manchmal unsere Stimmung und unser jüdisch-nationales Bewußtsein auf den Gefrierpunkt sinken zu lasten droht, wenn wir angesichts der wüthigen Anfeindungen, der schweren Bedrückungen und der grimmigen Bedrohungen, denen unser Judentbum ausges-tzt ist, uns manchmal gepreßten und beklommenen Herzens fragen, warum gerade wir diesem gehaßten und verfolgten Stamme angehören müssen, dann sollen wir uns daran erinnern und uns vor die Seele rufen, daß dieser viel verlästerte Stamm so edle und herrliche Früchte getragen, wie Salomo Gabirol und Jehuda Halevi. -d- München, 23. Oct. Eine ebenso geistreiche, als von vornehmer Gesittung zeugende Handlungsweise, leistete am 16. Juli l. Js. der 21 Jahre alte Priratstudirende August Falkner von Sonnenberg aus Landshut, der mit einem Freunde in einer Pension an der Kanalstraße, gegenüber der Synagoge der Gemeinde 2pr Sn« sich eingemiethet hatte. Genannter übte sich auf einer Luftpistole und wählte als Ziel die kostbaren bemalten Fenster der Synagoge, theure alte Kunstwerke der Glasmalerei und zwar geschah dies am 2x2 v zwischen acht und neun Uhr Morgens, also während des Gottesdienstes. Wegen verbotenen Schießens wurde er vor Gericht gestellt. Der Angeklagte entschuldigt sich damit, daß er geglaubt habe, mit einer Luftpistole dürfe man schießen, wie man wolle. (!!) Das Gericht verurlheilte ihn wegen zweier Reate zu je Mark 6 Geldstrafe, eventuell zu zwei Tagen Haft. Dieser harmlose Ausgang dürfte der Schwere des DelicteS in keiner Weife entsprechen; sollte cs nicht angezeigt erscheinen, in solchem Falle Störung des Gottesdienstes, sowie groben Unfug, verübt an einem Orte religiöser Verehrung zu constatiren und demgemäß Schritte einzuleiten? Denn auf eine solche Sühne hin dürften noch öfters geistvolle jSpaßvögel Lust zu derartigen Vergnügungen empfinden. Wie, wenn der junge Herr seine Schießfertigkeit an den Fenstern einer Kirche erprobt hätte? Wahrscheinlich hätte er da für seine Kunst eine Prämie erhallen, die ihm die Lust an solchen Leistungen für lange Zeit hinaus gründlich versalzen haben würde! — Die bekannte Manier der Radau-Anitsemiten, überall, wo es ihnen in den Kram paßt, Juden zu wittern, führte zu einer Gerichtsverhandlung, welche des komischen Beigeschmackes nicht entbehrt. In Nr. 106 vom 9. Mai 1899 „des Bayer. Vaterlandes" erschien ein Artikel aus Regensburg folgenden In-