Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1899)
- Date
- 1899-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWMWWWWWWWWMMz'MWWWWM^MMM'r 1731 Löbele war fleißig und bei seiner großen Bekanntschaft in Bauernkreisen, wurde es ihm nicht schwer, ein Weib zu ernähren und dazu war er ja auch ein Familiant. Er hielt unter den Töchtern des Landes Umschau und sein Auge fiel auf die reiche und vornehme Bella Gans, die dtzautö der Gemeinde. Bella merkte Löbeles Absichten und sie ermuthige ihn in seinem Liebeswerben, durch die freundlichen Blicke, die sie ihm zuwars; wohl war dies nicht ihr Ernst, doch die verliebten Blicke Löbeles machten ihr Spaß. Löbele wollte seiner Bella imponieren, und so oft er an ihrem Laden vorüberging — sie fyattt von ihrem Vater ein großes Gemischtwaarengeschäft geerbt, dem sie an der Seite einer kranken Mutter Vorstand — redete er den einen oder anderen Bekannten an, ob er nicht einige hundert Metzen Weizen oder Roggen kaufen wolle, die er in N. liegen habe. Bald waren es einige hundert Zentner Stroh, die er zu veräußern hatte; er wollte Bella glauben machen, daß er berechtigt sei, seine Augen zu ihr zu erheben. Eines Tages hielt Löbele es an der Zeit, um Bellas Hand abzuhalten, doch bevor er der Mutter Jawort einholen wollte, mußte er sich der Tochter Neigung vergewissern. Löbele ging zu Bella ins Geschäft, erklärte ihr seine innige Zuneigung und Liebe, diese lachte ihm aber ins Gesicht und beschämt verließ er Bellas Laven. Da kam das Jahr 48, die ersehnte Freiheit brach herein, jeder bekam das Recht eine Frau zu ehelichen und Löbele büßte seinen Vorzug, Familiant zu sein, ein. Dadurch blieb Löbele ledig. Nur nicht herunter steigen, war Löbeles Prinzip in Heirathsangelegenheiten. Ein Mädchen geringer Herkunft wollte er nicht, ein Mädchen aus besserem Hause, die sich ehemals vielleicht entschlossen hätte, den albernen Familianten zu freien, nun hatte sie eine größere Auswahl, und so blieb Löbele ledig. Hatte das Gesetz von 1848 Löbele seinen Vorzug genommen, so brachte es ihm anderseits die Befriedigung, daß er Hasche! Chorus mit gleicher Münze heimzahlen konnte. Doch dazu müssen wir etwas weiter ausholen. Unter den ersten, die das neue Gesetz mit Freuden begrüßten, waren Liebele, die Tochter des Brauhauswirthes und David, der Sohn von Reb Gedaljo Nicolsburger. Liebele war eine holde Mädchenerscheinung, ausgestattet mit allen edlen Gaben des Herzens und Geistes, auch mit Schönheit- und Liebreiz von der Vorsehung bedacht, still und züchtig, eine ächte jüdische Tochter, die ihre Herrlichkeit in den stillen Räumen des Hauses fand, ganz ausgehend im häuslichen Wirken. Der Erwählte ihrer Herzens war David Nicolsburger, ihrer ganz würdig und ebenbürtig. Bis zu seinem 18. Lebensjahre besuchte er die Pinristenschule zu N., eine berühmte humanistische Anstalt, nebenbei auch den verschiedensten Disziplinen der jüdischen Wissenschaft mit großem Fleiß obliegend. Sein gelehrter Vater führte ihn schon frühzeitig in Talmud und Schulchan-Aruch ein, denn er sollte sich dem Rabbinerstande widmen. Allein sein Vater starb, als er das 18. Lebensjahr erreicht hatte, nachdem aber sein älterer Bruder bereits verheirathet war, so mußte er ins Geschäft eintreten, um seiner Mutter Rochel Nascherin zur Seite zu stehen. Gleiche Seelen finden sich und David und Liebele» Herzen schlugen so heiß für einander, trotzdem zwischen ihren Eltern eine alte Feindschaft herrschte. Ehe Liebeles Vater der Pächter des Brauhauses wurde, war er ein Nachbar von Reb Gedaljo. Reb Gedaljo stellte alljährlich eine Sukkoh 71) aus Bretterwänden vor seiner Hausthür auf. In dem sehr engen Gäßchen durfte dies wohl den neben anwohnenden Parteien ein klein wenig hinderlich gewesen sein, doch dies geschah ja alljährlich und niemals hatte einer der Nachbaren daran Anstoß genommen. Da hetzte Haschele Chozef den Boruch Wurstsuppe, er möge Red Gedalje beim Oberamt verklagen, daß er ihm den Eingang versperrend, gezwungen werde, die Sukkoh wegzuräumen. Süßel hatte am Tage vorher eines verbrannten Kuchens halber mit Röchele Nascherin einen Streit, Süßel behauptete, Rochel habe ihr das Rezept zum Kuchen falsch gesagt, damit er in der heißen Bratröhre verbrenne und sie bestärkte ihren Mann zum Oberamtmanne zu gehen; Boruch ließ sich überreden. Der Oberamtmann Peregrin Weinbeißer nahm den warmen Händedruck Boruchs in Form von zwei Silbergutten entgegen und sagte ihm, Reb Gedaljo müsse die Sukkoh noch heu!e abräumen und werde vom Oberamtmann für zwei Uhr Nachmittag vorgeladen, um das strenge Urtheil zu vernehmen. Der fromme, gelehrte Reb Gedaljo ohne Sukkoh, das wäre Un Hauptspaß für Haschele Chozef gewesen, der Reb Gedaljo immer beneidete, weil er mit der Morenu zur Thora gerufen wurde und auch bimkom bojin72) war. Allein Reb Gedaljo war ebenso klug als gelehrt, als er hörte, daß Boruch zwei Gulden gegeben, da dachte er fünf Gulden werden mehr als zwei Gulden erwirken. Reb Gedaljo übergab dem Oberamtmanne einen fünfer Bankozettel, der wirkte mehr als alle Einschreiben. „Wie lange brauchet Ihr die Laubhütte", so fragte der Oberamtmann. „Ueber die Fefizeit", so antwortete Reb Gedaljo; 71) Laubhütte. 72) An Stelle des RabbinatSaffefforS