Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1899)
- Date
- 1899-10-12
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Ruhme des Fort Chabrol zu gelangen, nämlich an der belagernden Polizei, die geduldig Wache hält, damit Niemandem etwas pafsirt. Als nun einige Freunde von Regis beim Generalgouverneur erfahre» hatten, daß zur Zeit kein Grund zum Einschreiten der Polizei gegen Regis vorhanden fei, beschloß dieser, einen solchen Grund zu schaffen. Mittwoch, LO. September, versammelte Regis seine Getreuen und erließ eine Proklamation, in der er alle seine Anhänger aufforderte, mit ihm gemeinsam für die Ehre der Armee zu demonstriren. Die Menge zog dann in der Abendstunde vor den cercle militaire, in dem zu Ehren des scheidenden Generals Larchcy gerade ein großes Banquet stattfand. Bei dieser Gelegenheit kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, wobei aus der Menge Schüsse auf die Beamten fielen. Ein Theil der Manifestanten begab sich in die Rue de Lyra, das Judenviertel und fing hier an die Fenster linzuwerfen und die Läden zu erbrechen, sowie zu plündern. Die Juden setzten sich aber dicsmal zur Wehr, es kam zu einigen Schöffen ans Revolvern von beiden Seiten und erst nach einiger Mühe gelangte die Polizei dazu, die Rvhe wieder herzustkllen. Nun hatte Regis, was er wollte, in einer Ansprache auf dem Markte erklärte er seinen Anhängern, daß er jetzt die Fahne der Empörung erhebe und Algier von dem Joche dieser Regierung befreien werde. Begleitet von seinen Freunden zog er nach seiner Villa, wohin ihm nun bald die Polizei folgte. Hier kam es die ganz; Nacht hindurch zu kleinen Zusammenstößen zwischen den Manifestanten und der Gendarmerie, aber trotz lebhaften Schießens aus der Festung wurde nichts weiter verletzt als ein Käppi. Die Polizei erwiderte da- Schießen gar nicht, sondern beschränkte sich auf die Absperrung. Am Donnerstag wurde eine Untersuchung eröffnet, während Regis neuerdings eine Proklamation erließ, in der er zur Revolution aufforderte. Algier blieb indeffen ganz ruhig, und als die Behörde Ernst machte und Truppen die Villa umstellten, da ergab sich dieselbe ganz ruhig, Regis aber war gefloh<n. Solch klägliches Ende nahmen die Fanfarenaden dieses Maulhelden. Sprechsaal. Für diesrn Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur die virtzgrseyUche Verantwortung.» Bodenfelde, den 2. Oktober 1899. Geehrte Redaciion! Sie gestatten mir wohl, auf eine Angelegenheit zurückzukommen, die allem Anscheine nach bereits in Vergessenheit gerathen. jedoch von nicht geringer Wichtigkeit und keineswegs in befriedigender Weise erledigt ist. Ich meine die Stellung der jüdischen Seminare. Bekanntlich hat nur das Cast'eler Seruinar die Berechtigung, das zweite Lehrer Erameir abzunehmen. Dagegen hat keins der jüdischen Seminare die Berechtigung, ein Zeugnis der Berechtigung zum ein jährigen-freiwilligen Dienste auszustellen. Diese mindergünstige Stellung der jüdischen Seminare wurde seitens des StaatSministeriums damit begründet, daß eine solche Berechtigung nur den staatlichen Semiuarien könne zuerkannt werden. Demgegenüber theile ich mit, daß nach dem mir zugesandten Protokolle der Rheinländisch-Westsälischen Lehrer- Ccnferenz in der betreffenden Versammlung die Forderung gestellt wurde es sollen mindestens zwei jüdische Lehrer- Seminare Staats-Anstalten sein. Mit dieser Forderung kann ich mich nur einverstanden erklären. Ick verkenne zwar nicht, daß der Verwirklichung dieses Wunsches gar manche Schwierigkeiten entgegenstehen — allein, wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Weg. Die Schwierigkeit ist nicht bloS auf Seiten der Regierung, sondern auch auf der der jüdischen Interessenten. Ich kann mir jedoch nicht denken, daß diese Schwierigkeiten unüberwindlich seien. Da heutzutage die Strömung mehr für Con'essionulisirung der (ErziehungS-) Schulen ist, so sehe ich nicht ein, weshalb man jüdische Erziehungs-Anstalten, deren Bestand man staatlicherseits dadurch als nothwendig anerkennt, daß sowohl in den Lehrals Prüfungs-Programmen anderer Anstalten kein Raum für die Pflege deS jüdischen Religions-Unterrichts ist, nun sollen als minderwerchige betrachtet werden, dadurch, daß man sie als nichtgeeignet erklärt, Staatsanstalren zu werden. ES hieße das soviel, als wolle man von vornherein jüdische Lehrer, welche ihre Vorbildung als Religionslehrer genossen, zu Lehrer zweiten Ranges hinstellen, und kann ich mir nicht denken, daß das die wirkliche Absicht der Kgl. Staatsregierung sei. An der Geldfrage braucht die Angelegenhet nicht zu scheitern. Die jüdische Wohlthatigkeit, die sich bisher so glänzend bewährt hat, wird auch in Zukunft nicht erschlaffen. Rach wie vor werden die interessirten Gemeinden schon ihr Scherflein beitragen, sei eS auch nur zur Erhaltung deö Religionsunterrichts, bezw. der Ausbildung jüdischer Lehrer zu Religionslehrern. Daß christliche Seminare (die noch dazu ausdrücklich als christliche bezeichnet werden) nicht jüdische Religionslehrer vorbilden können, das, meine ich, unterliegt keiner Diskussion. Jüdische Lehrer aber, die nicht Religionslehrer, sind meinees Erchtens ganz überflüssig*), und so liefe alles darauf hinaus, daß Juden überhaupt keine Lehrer sein sollen. Es läßt sich ja manches für und wider sagen: ich bin auch weit entfernt, mir einzubildeu, die Sache mit dieser flüchtig hingeworfenen Skizze erledigt zu haben. Meine Absicht ist nur, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand zu lenken, und würde ich eventuell mich freuen, wenn ich mir das Verdienst zuschrciben konnte, die Diskussion über diese Angelegenheit eröffnet zu haben. Hochachtungsvoll __L. Wein berg. > Vermischtes. < Philadelphia Welche pekuniäre Opfer die amerikanischen Juden für ihren Gottesdienst bringen, versteht mau» wenn man die Annoncen in den Zeitungen liest, in denen Smragogenplätze offerirt werden. So kosten diese Plätze in der Adath Jeschurun Gemeinde: 1. Sitz 125 Mk.. 2. Sitz 101 Mk. u. s. w. Der niedrigste Platz kostet immer noch 94 Mk. pro Jahr, und dabei ist Adath Jeschurun noch lange nicht eine unserer fashionabclsten Gemeinden, in denen die Plätze noch viel theurer sind. *) Abgesehen davon, daß sie dann erst recht Lehrer zweiten Ranges sind, da ihnen de Vor bilduug für ein staatlich als höchst wichtig anerkanntes Lehrfach mangelt.