Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1899)
- Date
- 1899-10-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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WWW 1696 jüdische Geschäftsmann Baruch (Bernhard) Schöntag in die Nationalgarde ein, wo er bald durch seine Tapferkeit und Bravour zum Offizier avancirte. Er machte fast alle Schlachten des Freiheitskrieges mit, bis er zuletzt in die Hände der Oesterreicher als Gefangener fiel. Vom Kriegsgerichte zum Tode verurteilt, wurde er am 23. Juni 1849 hier in seiner Vaterstadt gehenkt. Unter den hiesigen Bürgern ist nun das Projekt aufgetaucht, diesem Märtyrer des Freiheitskrieges ein Denkmal zu errichten, für das nun auch schon gesammelt wird. Arr der Urüartion neu emgegangene Kiicher. (Besprechung Vorbehalten). Blutritual? Jüdische Moral? Rede am Schlußfeste, den 26. September 1899, gehalten von Rabbiner Dr. I. Hirsch, Prediger in Prag-Karolinenthal. Prag 1899, Verlag von Jakob B. Brandeis. Vermischtes. Frankfurt a. SB«, 10. Oct. Zu dem Bericht über die Feier des Vereins Mekor Chajim sei noch nachgetragen, daß der Präses in seiner Festrede auch Herrn Rabbiner Dr. Breuer dankte» der einige Zeit in dem Vereine Vorträge gehalten bat, und sein lebhaftes Bedauern über die Abwesenheit desselben aussprach. Aus Württemberg. Dem Regierung- - Rath Dr. Schmäh l—Stuttgart, Mitglied der Kgl. Israel. Oberkirchenbehörde, wurde von Sr. Majestät König Wilhelm H. das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens gnädigst verliehen. A. in A. Pari-. (Ein Geschäftsbuch aus dem 14. Jahr- Hund e r t.) Man schreibt: Im neuesten Bande der „Notices et extreits des manuscrifts d« la BibJiotheque Nationale“ veröffentlicht Paul Meyer Bruchstücke aus dem Geschäftsbuche eines Tuchhändlers Ugo Teralh in Forcalquier, die er im Inneren eines alten Einbandes entdeckt hat. Diese Blätter stammen auS den Jahren 1330—32 und enthalten die Verkäufe TeralhS mit den Namen der Käufer, der Beschreibung der Maaren und dem Datum der Lieferungen sowie der zu leistenden Zahlungen. Die Eintragungen sind zum Theil von dem Verkäufer, zum Theil von den Käufern Provenzalifch und Lateinisch geschrieben; sehr merkwürdig sind,diejenigen der jüdischen Künden, die ihre Einkäufe in hebräischer Sprache niederschrieben. Wie der Herausgeber mittheilt, dürften diese Blätter die frühesten uns erhaltenen kaufmännischen Urkunden dieser Art sein. Setzte Nachrichte«. Wie«, 10. Oct. (Ein Protest Meeting.) Der politische Volksverein berief für heute Abend in den großen Saal des „Hotel Continental" eine Protestversammlung gegen die Blutbeschuldigung anläßlich des Polnaer Prozesses ein. Die Versammlung war massenhaft besucht und lange vor Beginn mußte der Zugang zum Versammlungslokale durch Ordner abgesperrt werden. Der Saal und die Galerien waren bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Während der Versammlung wurde ein Teilnehmer ohnmächtig und mußte aus dem Saale getragen werden, was einige Aufregung verursachte. Aus zahlreichen Gemeinden Böhmens und Mährens waren Zustimmungs-Telegramme eingelangt. Unter Anderen wohnte Reichsrathabgeordneter Hofrath Kareis der Versammlung bei. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Herrn Eltbogen ergriff, stürmisch acclamirt, Rabbiner Dr. Bach aus Ottakring das Wort zu seinem Referate. Er sagte: Mit aller Entrüstung müsse das gesammte Judenthum gegen die Beschuldigung des Blutrituals protestiren. Da man bei der Leiche der Hruza nur wenig Blut vorfand, mußte es abgezapft worden sein; da es abgezapst wurde, mußte es von Juden abgezapst worden sein. Das ist die Logik der Antisemiten. Dieselbe Logik verfolgt man dem Talmud gegenüber. Weil man nicht weiß, was darinnen steht, folglich steht alles Schlechte darin. Die ganze jüdische Lehre legt feierliche Verwahrung ein gegen die ungeheure Lüge des Blutrituales. Wie konnte es aber geschehen, daß an einer Stelle, wo im Namen des allverehrten und geliebten Schützers des Rechtes Gerechtigkeit gesprochen wird, vom Leiter der Verhandlung, der das Gesetz beschworen hat, Dinge zugelaffen wurden, die gegen das Gesetz gesprochen wurden? (Stürmischer Beifall.) Fünf Percent der Bevölkerung wagt man es zuzurufen, daß sie von religionswegen Mörder sind! (Stürmische Pfui- Rufe.) Der Redner schloß mit folgenden Worten: Ein Blulrituale zu beweisen, ist unmöglich, dagegen steht der Schwur von Rabbinern, vor denen man Achtung haben muß, daß das Rituale nie befohlen wurde, n'e geübt wurde, nicht befohlen und nicht geübt wird. Wir nehmen den Kampf auf, den Kampf um das Recht, um Gerechtigkeit und um die Wahrheit. (Stürmischer langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Herr Rappaport bespricht einzelne Details der Prozeßführung gegen Leopold Hilsner. Wir Juden, sagte der Redner, wollen strenges Recht; wenn Hilsner schuldig ist, soll er bestraft werden. Wir wollen aber nicht, daß aus einer Rechtssache eine Rechtskomödie wird. (Stürmischer Beifall.) Der Redner theilte ferner mit, er habe erfahren, daß das Gericht eine Untersuchung gegen die Mutter und den Bruder der Hruza eröffnet habe (Rufe: Hört!), allein man müsse vorläufig vorsichtig im Urtheile sein, da eS fraglich sei, ob es zu einer Klage gegen Beide kommen werde. Der Redner schloß mit den Worten: Das Judenthum müsse sich organisiren, daß sei die Lehre, die es von Polna zu ziehen habe. (Stürmischer Beifall.) Dr. Ascher verlas sodann die im Musikvereins-