Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1899)
- Date
- 1899-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWW 1691 Feuilleton. ^ypen aus dem Mhetto. Von Dr. H. Sigmundsohn. 10) Nachdruck verboten. V. Lövele Haschele Chorus, ein Pseudogelehrter, der in der Nachbargemeinde B. auf die Hände de» großen Rabbi Oser Wasser gegossen^) aber nichts gelernt hatte, saß neben Reb Kafmonn. Haschele Chorus, konnte sich trotz seines Vermögens nicht die Achtung der Gemeindeglieder erwerben, weil er als Familiant und Heirathsberechtigter ohne Kidduschin^o) sich verehelichte. Seine Kinder gingen auch in seinen Fußtappen und so genoß er das Ansehen, dessen er sich würdig gemacht. Er spielte sich gerne auf den Frommen und Gelehrten hinaus und krakehlte stets mit den Gemeindevorstehern, ihm war niemand fromm genug, er sah niemals die Balken im eigenen Auge, bemerkte aber die kleinsten Fehler anderer. Neben Haschele Chorus hatte auch Jzrole Stückmaul und Reb Moscheh Wangenfresser 41) Platz genommen, letzterer hatte seinen Namen, weil er einst bei einem Chewraeffen eine lederne Hose als den beliebten Kuhmagen gegessen. Einen zweiten Tisch umringen Reb Jizchak Katz, Reb Mordche Szegal, Reb Janoson, Wollhändler, Reb Koppel, Branntweinbrenner, Reb Esriel Bendeteus, Reb Eisik, Leimsieder, der Emporkömmling, mit seinem an Größenwahn leidenden Sohn Awromele Blosbalg, der die üble Gewohnheit hatte, die Backen und Nasenflügel aufzublähen und die jünger» Leute aus besseren Häusern. Am Tische in der Mitte der Gaststube saßen die Produktenhändler und auch Reb Feisch den DajiNS, Moscheh Penez und Jzekel Glesmor gesellten sich zu diesen. Die Fuhrleute und Arbeiter vom Hofe saßen abseits an einem seperaten Tische. Die Gäste aßen und tranken, manche hatten vom Hause kaltes Fleisch u. dgl. mitgebracht, andere nahmen ihr Nachtmahl bei Süßel ein, oder vervollständigten dort das im Hause eingenommene unzureichende Mahl. Die Unterhaltung war eine recht rege. Man spaßte, erzählte, hänselte sich gegenseitig, doch niemals ward es dort ungemüthlich. Heute mußte wieder Elias Kafmon herhalten. 30) Ausdruck für Talmudschule besuchen. 40) Trauung.! 41) Kuhmagen oder Saube. „Ist es wahr", so fragte ihn Reb Henoch Zahnbrecher, „daß Ihr nimmer in Oberbreil42) Baal- Tefiloh sein werdet?" „Warum?" fragte Reb Kafmon, „bin ich nicht mehr meruzoh lekohol?4S) Oder war die Abodah44) nicht schön? Hob ich mich efercher^) toeh") gewesen?" „ChaSwescholom!"47) antwortete Reb Henoch. „Ihr hobt die drei Vom und die 13 ha ha ha richtig gemacht, nichts hat gefehlt. Aber wie der SchameS euch bei der Avodoh Hot aufheben gewellt, Hot er auf Hilfe geschrieen, e so einer kewedoh") hobt Ihr gehabt." Darauf großes Gelächter. Doch Reb KafmouS Schwager, der Schames Schlofstätter, der, wo er konnte, dem Meschubed eines versetzte, sprach: „Wisset Ihr Reb Henoch, als Ihr bei der Avodoh niederfielet und Ihr seiet doch unbeschrieen jo e schwerer-Mensch, wollt ich sagen, da sagte der Schulgabbi, der Pinkel") S'chauroh ist auch keine 300 Gulden werth", so viel betrug sein Jahresgehalt. Nun hatte der Schames die Lacher auf seiner Seite. Auch am Tische der haute volees ging es lebhaft zu, — Gemeindeangelegenheilen und Politik bildeten den Gesprächsstoff, während die Pcoduktenhändler über Betlfedern und Hasenbälge, über Weizen- und Kornpreise sich unterhielten, bis die Gesellschaft von Süßel an die Feierabendstunde unsanft ermahnt, den Nachhauseweg antrat. Die Szefirohzeit ging vorüber und Schowuos, 50) das herrliche Fest, hielt seinen Einzug. Während die anderen Feste mit Geboten verbunden, so lautete das Gebot rücksichtlich dieses Festes, sei nur fröhlich. Und wie freudig war alles an diesem Feste gestimmt, das Gotteshaus war mit Blumen bekränzt, der Fußboden mit Matredusko 51) bestreut. Nicht der Meschubed Henoch stand heute vor dem Omed,°2) sondern der Roschhakohol. Ter jeweiwellige Vorsteher hatte nämlich das Recht, wenn er die Fähigkeit, die Stimmmittel hatte, an diesem Abende der Schliach^) Zibour zu sein. Mit dem Talis'") über den Kopf stand der Roschhakohol vor dem Betpulte und gurgelte und drehte denBorchu^) endlich heraus. Henoch schnitt Gesichter, machte sich lustig über den Roschhakohol, denn er lebte der Einbildung, daß er mit seinem zerbrochenen Organ, ein geschulter Sänger, ein sogenannter Chorkantor sei. Wohl 42) Borbetcr. 43) Der Gemeinde nicht genehm. 44) Tie (Zrzählrmg des Gottesdienstes, den bei Hohepriester am Versöhnungstage verrichtet. 45) Vielleicht gar- 46) Geirrt. 47) Bewahre. 48) Gewicht. 49) Bündel Waare. 50) Wochenfest. 51) Wohlriechendes Gras. 52> Betpult für den Vorsänger. 53) Der Abgesandte der Gemeinde- 54) Betmantel. 55) Beginn des Abendgebetes.