Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 80 (9.10.1899)
- Date
- 1899-10-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1674 Bemerkung Grbmann's: „Herr Untersuchungsrichter, waS soll ich nun thun, ich habe keinen Kreuzer Geld?" sei ihm geantwortet worden, die Cultusgemeinde habe einen Wagen zur Verfügung gestellt, welcher ihn und Wassermann nach Kolin brächte- Wassermann war mit keinem Zeugen, sondern nur mit Hilsner confrontirt worden, und gleich bei der ersten Confrontation hatte Hilsner erklärt, Wassermann sei nicht sein Milschuldiger gewesen Als bei der ersten Confrontation mit Erbmann der Un tersuchungSrichter dem Hilsner sagte: „Wenn nun Erbmann nicht derjenige ist, welchen Sie als Ihren Mitschuldigen bezeichnen, wie konnten Sie ihn eines solchen Verbrechenbeschuldigen?" habe Hilsner zu weinen begonnen und geantwortet: „Ich war gereizt und aufgeregt und habe zwei Personen, die mir zufällig einfielen, als meine Mitschuldigen genannt." Erbmann und Wassermann werden in Prag einige Tage verbleiben und sich dann in ihre Heimathsgemeinden begeben. Czechische und antisemitische Blätter hatten die Nachricht gebracht, daß Erbmann ein Schächter sei; dies ist jedoch nicht richtig, Erbmann ist kein Schächter. Hilsner hat jedoch schon in der Untersuchung thatsächlich einen Schächter, der sich in Prag aufhält, als seinen Mitschuldigen genannt. Da man jedoch seinen Angaben keinen Glauben zu schenken schien, wurde der betreffende Schächter nicht verhaftet, sondern blos als Zeuge nach Kuttenberg vorgeladen. Während eines anderthalbstündigen Verhörs, bei welchem Hilsner zugegen war, gelang es dem Schächter, sein Alibi nachzuweisen, so daß auch er freigelaffen wurde. Tescherr, 1. Dct. (Zum Polnaer Prozeß.) Der Ausschuß der israelitischen Cultusgemeinde Teschen hat in seiner außerordentlichen Plenarsitzung vom 24. September 1899 einmüthig beschlossen, dem Minister-Präsidium und dem Justizministerium und dem Ministerium für Cultus und Unterricht, sowie der schlesischen Landesregierung folgenden Protest zu übermitteln: In den jüngsten Tagen ist vor dem Kreisgrrichte in Kuttenberg — Dank der Duldung de- Präsidenten — vom Staat-anwalte verblümt, vom Vertreter der Privatbetheiligten ganz unverblümt, die alte traurige Beschuldigung des RitualmordeS wider unsere Confession neuerlich erhoben lvorben. Dadurch droht die Gefahr, daß der Geschichte und Wahrheit zum Hohne, trotz päbstlicher Bullen und gerichtlicher Urtheile im Volke die Mythe wieder aufblüht, die Tausenden unserer Vater daS Leben, Hunderttaufenden die Existenz gekostet hat. Allein die Gefährdung unserer persönlichen Interessen ist es nicht, die wir fürchten, denn die Geschichte hat uns gelehrt, wie man Gefahren ins Auge sehen und ste bestehen kann — waS uns zu dieser Kundgebung veranlaßt, ist ein furchtbarer Schrei der Empörung, der durch ganz Israel geht, der Empörung ob der tiefen Schmach» die gewissenlose Demagogen ihren Parteizwecken zu Nutzen unserer Religion andichten, dieser Religion, deren Grundprinzipien die sittliche Ordnung aller Enlturnationen bilden, der Empörung wider das Streben der VolkSververber, welche in dcn empfänglichen Boden des blinden Volkes, Aberglauben, Rassenhaß und Unduldsamkeit säen wollen. Dagegen protestiren wir als österreichische Patrioten, die es nicht dulden wollen, daß ihr Vaterland in einen solchen Pfuhl — verderbendrohend für die Zukunft - versenkt wird. Dag gen protestiren wir als Anhänger eines geläuterten Glaubens, der die Welt die Humanität gelehrt hat. Dagegen protestiren wir als Männer von Ehre, die in ihrer Religion als weltbeglückcndem Element ihren höchsten Schatz von Wahrheitsfätschern verunglimpft sehen. Dagegen protestiren wir als Männer, die darin ihren Stolz sehen, ihr Vaterland Oesterreich nicht den Händen solch unlauterer Individuen preisgegcben zu sehen, deren Nahrung die Lüge ist. Teschen, 24. Sept. 1899. Der Vorstand der isr. Eultusgemeinde Teschen. Das Kreisrabbinat der iörael. Eultusgemeinde Teschen. England.? London. Die Juden sin) nun einmal an Allem Schul). Phil.Stanhope, einer der wenigen hiesigen Burenfreunde sagt, daß die wahren Anstifter des Vorgehens der englischen Regierung, das zum Kriege mit Transvaal führt, die jüdischen Millionäre von Piccadilly und Park Lane sind. Der Correspondent der Times, Mr. Monypemy, dagegen behauptete, vor einigen Wochen wenigstens, Präsident Krügers einzige Reformidee fei, den „nutzlosen russischen Juden" das Bürgerrecht zu geben. Wer hat nun Recht? Ist übrigens gleichgiltig, denn der Jude wird doch verbrannt. M a r o c e o.? Mogador. Am 19. August haben wir den Besuch des Baron Edmund Rothschild gehabt, der mit seiner Frau und Tochter zur Stärkung seiner Gesundheit eine größere Seereise auf seiner Aacht Alhma zur Zeit macht. Baron Edmund besuchte den hiestgen französischen Konsul und machte dann einen Spaziergang durch die Judenstadt und aus dem jüdischen Friedhof. Vor seiner Abreise sch'ckte der Baron der hiesigen Gemeinde 500 Frane» für die Armen zum Geschenk. — Die jüdische Gemeinde in Mogador beabsichtigt demnächst ein Spital mit moderner Einrichtung zu erbauen. Von den nöthigen Mitteln können hier freilich nur einzelne Bruchtheile aufgebracht werden, und man hofft, daß die reichen Glaubensgenoff.n in West-Europa die nöthigen Gelder beisteuern werden. > Vermischtes. Gleiwitz (Ter m in an j üdifchen Feieriagen.) Der Strvmpswaarenfabrikant Levisohn von hier halte eine Vorladung auf den 5. September vor Gericht erhalten. Er bat um Verlegung des Termins, da an dem Tage ein hoher jüdischer Festtag, Neujahr, gefeiert werde. Er erhielt einen ablehnenden Bescheid, nahm aber trotzdem den Termin nicht wahr. Die Strafkammer verurthetlte ihn zu 20 Mark Geld strafe und Tragung säiumtlicher Kosten, da die Sache vertagt werden mußte.