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Der Israelit · 1899-10-05 · Heft 79 (5.10.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 79 (5.10.1899)
Date
1899-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1649 Frankfurt a. M, 3. Oct. (Ein Siebzigjähriger.) Unser Mitbürger, Herr Hermann Kahn, beging am 4. Dctobcr seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar ist ein Veteran aus dem Jahre 18.8; er nahm an der freiheitlichen Bewegung des „tollm Jahres" lebhaften Antheil, machte im Jahre 18 19 die Schlacht bei Waghäusel aus Seite der badischen Freiheitskämpfer mit uns mußte eine Reihe von Jahren im Exil zubringen. Seit Ende der 18L0er Jahre wohnt Hrmann Kahn in Frankfurt als Chef einer großen Bavkficma. Im Jahre 1879 hat er die E. M. Kahn'fche Sr pendienstiftung gegründet die heute 70 Stipendiaten zählt. Auch sonst fehl: sein Name selten bei irgend einem Werke der Gem.inuützigkeit oder Wohlthatiakeit. Der Jubilar hat kürzlich eine langwierige Krankheit überstauden, ist aber jetzt wie ^erherg-stellt. Zu seinem Ehrentage rufen auch wir ihm ein fröhliches Glückauf. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, im Cheschwan. Die Schmähartikel der „Allgemeinen jüdischen Zeitung" haben eine unerwartete Bereicherung erfahren, die man nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Rabbiner Teitelbaum aus Sziget hat einen Brandbrief publicirt, der geeignet ist, die ungarländifche Orthodoxie weit und breit zu kompromitiren, die heilige Sache von bniV' vb: schwer zu schädigen. W^m die Verhältnisse in den Vochöfen der sogenannten Chassidimburg bekannt sind, der weiß w'e auf Grundlage von Lin und über würdige zr:z~) und mvn abgcmtheilt wird, lediglich deswegen, weil sie eine Huldigung nicht heucheln wollen, die ihnen von Haus aus fremd ist, dis sie von ihren Meistern, den bxiw r.'o t'sd nun einmal nicht als mmn -p-r übernommen haben. Aus naheliegend,.» Gründen wollen wir diesen delikaten Punkt bei dieser Gelegenheit nicht ventiliren. Im Gegentheil, wir wollen uns bemühen jede Animosität zn beseitigen und zur Kennzeichnung der wahren Sachlage nur die angeblichen Gravamina widerlegen. Der Szigeter Rabbiner hebt nur zwei Momente heraus, die ihn drück.» und die er mit aller Gewalt dem derzeitigen orth. Kanzleipräses auf's Kerbholz schreiben will: die unterbliebene Installation eines Vwcpräfes und daß Docioren und „unreife" Rabbiner zu Rabbinatssitzen gelangten. Was das erste betrifft, so will der Szigeter Rabbiner eigentlich nicht einen VicepräseS. Die Sache verhält sich nämlich so: Die Sugestion hat über diese krumme hx Macht gewonnen, daß Leopold Lipschitz, der deutsch und ungarisch spricht und zeitw.ise in Cyliuderhul und Salonrock ausgeht, unmöglich ein Schleppträger der Ehassidim sein kann und deswegen soll der Mann des Herrn Rabb. Teitelmann als Vertrauensper son des Szigeter Hofes bei der orth. Centralleitung mit der Würde eines VicepräseS sich etabliren. Die Kanzleileitung hat nun freilich im Prinzip Nichts dagegen einzuwenden, meint aber, daß mit Rücksicht auf die Autonomie der einzelnen Gemeinden, eine Landesversammlung diese Stelle zu systemisiren und zu besetzen hat. Eine solche Action hat aber die politische Konstellation s. cknto nicht gestaltet. Es weiß das jeder Eingeweihte, nur in der Szigeter Klaus hat man keine Ahnung davon, daß in derlei Dingen auch die Cultusregierung ein Wort drein zu reden habe. Ein verantwortlicher Würdenträger forcirt aber keine Landesaction, deren eventuelles Resultat in absehbarer Zeit absolut nicht legalistrt werden kann. Das wußte der Preßburger Oberrabbiner, das wußte der G:oßwardeiner Oberrabbiner und das wußten alle Mitglieder des rabbinischen BeiratheS. Das haben die G'aunim, die auch in weltlichen Dingen einen kleinen Einblick haben, auch dem Szigeter Rabbiner plausibel gemacht. Dieser Mann ist aber kypnotisirl von der Unverläßlichkeit des Kanzleipräses und überhebt sich über den Köpfen aller G'oaulim, läßt sich zu unerhörten Jntriguen verleiten, wird wortbrüchig und schreit hinaus den schrecklichen Satz: Lipschitz täuscht uns! Was das zweite Gravamen betrifft, so gehört dazu bodenloser Eigensinn, Trotz und leidenschaftliche Verstocktheit die Behauptung aufzustellen: Seit der Aera Lipschitz begannen die jungen Doktorrabbinerlein sich zu vermehren und sprießen als Giftpflanzen hervor auf dem Felde orthodoxer Gemeinden. Nennen wir das Kind beim Namen, cs ist nicht die Zeit Versteckens zu spielen. Es wirken alles in allem zwei akademisch gebildete Rabbiner in orthodoxen Gemeinden. Für St. . . kann Rabbiner Lipschitz schon aus dem Grunde nicht verantwortlich gemacht werden, weil in der dortigen orthodoxen Synagoge schon zu Lebzeiten seines Vorgängers Trauungen vom dortigen neologen Rabbiner vollzogen wurden. In Halas wurde ein Schüler Dr. Breuers auf den Rabbinatssitz berufen. Ein Mann aber, der vom Frankfurter -i, der auch hierzulande als pt« bekannt ist und ein Mann, der noch von anderen heimischen G'daulim r»mnb 7:0:1: ist, wird doch wohl nicht eine Giftpflanze auf dem Felde jüdischer Orthodoxie sein. Möge es der Szigeter Rabbiner zur Kenntniß nehmen, daß dieser junge Doktor-Rabbiner in den zwei Jahren seiner Wirksamkeit für nx-ii ata in seiner Gemeinde mehr geleistet, als so mancher chasstdische Rabbi, der von Zeit zu Zeit seine Unterwürfigkeit in Sziget deponirt. — Was Misk 0 lz betrifft, so weiß cs alle Welt, daß auch an dieser Schlappe gerade die Kanzlei am wenigsten schuld ist. Der Szigeter Rabbiner hat in einer Rabbincrversammlung einen Jßur aussprechen wollen über alle Rabbiner, die maturiren. Das hat gerade ein Günstling des Szigeter Rab-

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